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BGH, 13.07.1959 - II ZR 189/57 - (Urteil)

BGH, 13.07.1959 - II ZR 189/57 - (Urteil)
Fundstellen
MDR 59, 823; BB 59, 864; DB 59, 940; VersR 59, 707; HVR Nr. 204; HVuHM 59, 726; LM Nr. 2 zu § 87 a HGB; Wolters Kluwer; Juris LS; BeckRS 59, 31207216; prinz.law
Gesetz
§ 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB; § 88 HGB 1889
Stichworte
Nichtausführung des Geschäfts; Unzumutbarkeit der Geschäftsausführung; Lieferfähigkeit des Vorlieferanten; Recht des U, den Abschluss von Verträgen nach freiem Ermessen abzulehnen; Dispositionsfreiheit des U; Abschlussfreiheit; Abschlussermessen; Ablehnung von Geschäften; Ablehnungsrecht
Anmerkung
zu LS 1 vgl. BAG, 09.12.1966 LS 2; OLG Düsseldorf, 24.05.1991 LS 4;

zu LS 3 vgl. OLG München, 23.09.1997 LS 13; 03.05.1995 LS 4; OLG Frankfurt/Main, 19.02.1991 LS 5; LAG Düsseldorf, 20.05.1960 LS 2; LG Gießen, 14.06.1962 LS 1, LG Limburg, 27.04.1990 LS 11; LG München, 30.03.1993 LS 2; vgl. weiter Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 87 a Rz. 6; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 87 a Rz. 54; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 87 a Rz. 37; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 a Rz. 31; Hopt, Handelsvertreterrecht, 6.A., § 87 a Rz. 26; Stötter/Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 4.A., 5. Kap. VI.2., S. 125; v. Westphalen, DB 84, 2335, 2340; Holling, DB 60, 79; Altmeppen, Provisionsansprüche bei Vertragsaufhebung 1987, S. 91; Berscheid/Kunz/Brand/Niebeling/Evers, Praxis des Arbeitsrechts, 5.A., § 16 Rz. 1274; ErfKomm/Oetker, 20.A., § 87 a Rz. 13; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 87 a Rz. 82 bei FN 368; allgemein hat der U ein übernommenes Beschaffungsrisiko zu vertreten, z.B. bei Gattungsschuld, MünchkommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 a Rz. 53; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 87 a Rz. 22; Flohr/Wauschkuhn/Fröhlich, Vertriebsrecht, 2.A., § 87 a Rz. 62; vgl. auch OLG Frankfurt/Main, 06.07.1954 LS 1 (Rohstoffmangel; Annahme zu hoher Bestellungen); LG Fulda, 12.11.1953 LS 1 ff.(Rohstoffknappheit, Arbeitermangel); OLG Dresden 05.07.1910 LS 1 (Fehlkalkulation; Änderung der Marktverhältnisse); a.A. OLG Düsseldorf, 15.01.1999 LS 9; LAG Bremen, 05.07.1960 LS 5;

zu LS 4 vgl. BGH, 17.10.1960 LS 2 m.w.N., 5; RG, 26.01.1914 LS 1 m.w.N.; LG Hannover, 05.10.2001 LS 1 - Gerling 2 -; LG Düsseldorf, 17.01.2020 LS 3 - Monuta -;

zu LS 5 vgl. OLG Frankfurt/Main, 21.01.1994 LS 1 - Kühlboxen und Akkus -; OLG Stuttgart, 18.01.2006 LS 13 m.w.N., 14 - Stuttgarter 3 -; LG Düsseldorf, 17.01.2020 LS 7 - Monuta -;

5.1 Lehnt der U vom HV vermittelte Anträge ohne Prüfung und Abwägung der Gegebenheiten des Einzelfalls ab, übt er das ihm eingeräumte unternehmerische Ermessen nicht aus (LS 4) und handelt willkürlich (OLG Dresden, 19.06.2007 LS 5 m.w.N. - Stuttgarter 6 -).

5.2 Nicht willkürlich ist die Ablehnung eines Geschäftsantrags durch den U jedenfalls dann, wenn der U aus beachtlichen Gründen zu der Ablehnung veranlasst worden ist oder wenn er dies subjektiv annimmt und nach den ihn bekannten Umständen annehmen darf (LG Düsseldorf, 17.01.2020 LS 8 - Monuta -). Nicht willkürlich wird die Policierung auch dann verweigert, wenn der U nachvollziehbare Gründe dafür benennt (OLG Düsseldorf, 05.11.2020 LS 29 - Monuta -). Dies ist der Fall, wenn er die Ablehnung darauf stützt, dass der Abschlussvermittler nicht in den Geschäftsanträgen genannt wird (OLG Düsseldorf, 05.11.2020 LS 30, 33 - Monuta -), dem Geschäftsantrag ein Beratungsprotokoll nicht beigefügt ist (OLG Düsseldorf, 05.11.2020 LS 30, 31, 32 - Monuta -), die Entbindung von der Schweigepflicht gegenüber Angehörigen der medizinischen Dienste fehlt (OLG Düsseldorf, 05.11.2020 LS 30, 37 - Monuta -), die Belehrung nach § 19 Abs. 5 VVG nicht vorhanden ist (OLG Düsseldorf, 05.11.2020 LS 30, 37 - Monuta -) oder der VV eine ungewöhnlich hohe Stornoquote zu verzeichnen hat (LG Düsseldorf, 17.01.2020 LS 9 - Monuta -; offengelassen von OLG Düsseldorf, 05.11.2020 LS 38 - Monuta -). Ebenso wenig handelt der U willkürlich, wenn er den Geschäftsabschluss darauf stützt, dass der Geschäftsantrag bereits nicht den Annahmerichtlinien entspricht oder dass Gründe in der Person des Vertragsgegners ihn an einer reibungslosen Geschäftsabwicklung zweifeln lassen, sei es, dass der Kunde das Entgelt nicht zahlt, sei es, dass der U besorgen muss, dass es zu Reklamationen kommt, um den Kaufpreis zu drücken.