BGH, 11.06.1990 - II ZR 159/89 - EversOK


Gesetz
§ 138 Abs. 3 ZPO
Stichworte
prozessuale Aufklärungspflicht der nicht darlegungs- und beweisbelasteten Partei
Anmerkung
zu LS 1 vgl. BGH, 20.01.2000 LS 16; 19.11.1991 LS 3; KG, 20.12.1995 LS 23; Schreiber, FS für Schwerdtner 2004, S. 469, 472;

zu LS 2 vgl. Arens, ZZP 96, 1, 10 ff.; Stein/Jonas/Leipold, ZPO, 20.A., § 138 Rzz. 22 f.; Rosenberg/Schwab, ZPR, 14.A., § 65 VIII 3, S. 392 FN. S. 85; § 118 VI, S. 726

Die Lehre von der allgemeinen prozessualen Aufklärungspflicht (vgl. zu deren Entwicklung Arens, ZZP 96, 1 ff.) zugrunde. In jüngerer Zeit ist sie von Stürner (Die Aufklärungspflicht der Parteien im Zivilprozeß, 1976) umfassend erörtert worden. Er geht davon aus, daß durch Art. 2 GG und das Rechtsstaatsprinzip ein auf Wahrheitsfindung angelegtes Rechtsschutzverfahren verfassungsrechtlich gewährleistet sei. Zweck des Zivilprozesses sei dementsprechend der Individualschutz durch Findung der materiellen Wahrheit. Diese sei ohne umfassende Aufklärungspflicht der nicht beweisbelasteten Partei nicht möglich. In Fällen, in denen die darlegungs- und beweispflichtige Partei sich in typischer Unkenntnis der ihrer Substantiierungspflicht unterliegenden Tatsachen befinde, sollten Anhaltspunkte als plausible Vermutungsbasis für die allgemeine Rechtsbehauptung genügen. Die nicht beweispflichtige Partei sei dann gehalten, alle denkbaren und zumutbaren Aufklärungsbeiträge zu leisten. Im Regelfall führe eine vorwerfbare Verletzung der allgemeinen prozessualen Aufklärungspflicht dazu, daß das der beweispflichtigen Partei günstige Aufklärungsergebnis zu unterstellen sei.

zu LS 5 vgl. Stein/Jonas/Leipold, ZPO, 20.A., § 138 Rzz. 22 f.;

zu LS 6 vgl. Gottwald, ZZP 92, 364, 366 ff.; Arens, ZZP 96, 1, 21 ff.;

zu LS 7 vgl. Stein/Jonas/Leipold, ZPO, 20.A., § 138 Rz. 22;

zu LS 9 vgl. BGH, 12.01.2000 LS 16; Anm. 12.1 zu OLG Hamm, 19.06.2000