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OLG Hamburg, 10.09.1981 - 10 U 38/80 - (Urteil)

OLG Hamburg, 10.09.1981 - 10 U 38/80 - (Urteil)
Fundstellen
EversOK*
Gesetz
§ 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB; § 287 Abs. 2 ZPO
Stichworte
AA des TStH; Reaktivierung von Kunden; reaktivierte Altkunden; Mitursächlichkeit des HV für die Werbung neuer Kunden; Neukundenwerbung; Abgrenzung Vermittlungstätigkeit / Verwaltungstätigkeit; unerheblicher Anteil der Verwaltungstätigkeit; SB-Betrieb; Anscheinsbeweis für Unternehmervorteile; Provisionsverlustprognose; Fortsetzungsfiktion; Fiktion weiterer Tätigkeit; Abgrenzung Stammkunde / Laufkunde; Geschäftsverbindung; spezifizierte Kundenliste; Stammkundeneigenschaft; Prognosezeitraum 4 Jahre; nachvertragliche Umsatzentwicklung; Billigkeit; kurze Vertragsdauer; ersparte Kosten des HV; Ausstattung der Tankstelle; Einrichtung der Station
Anmerkung
zu LS 1 - reaktivierte Kunden - vgl. LG Hannover, 30.09.1954 LS 2 m.w.N.;

zu LS 2 - reaktivierte Kunden - vgl. die Anm. zu LS 1 dieser Entscheidung;

zu LS 3 vgl. Veith, DB 63, 1278; vgl. aber Semmler, Die Rechtsstellung des Tankstellenhalters zwischen Handelsvertreter und Vertragshändler, 1995, S. 158, der zwischen der Geschäftsvermittlung und der Werbung des Kunden differenziert und die bloße Verfestigung einer vom U angeknüpften Geschäftsverbindung nicht ausreichen lässt.

Zutreffend ist mit dem OLG München, 14.10.1987 LS 12 - Agip - für die Werbung eines Kunden zu fordern, dass das Erstgeschäft durch die Tätigkeit des HV mitverursacht worden ist.

zu LS 7 - Anforderungen an eine spezifizierte Kundenliste vgl. OLG Düsseldorf, 05.02.1993 LS 1 m.w.N.;

zu LS 8 vgl. Rietschel, Anm. zu BGH, LM Nr. 22 zu § 89 b HGB;

zu LS 9 - Begriff Stammkunden - vgl. BGH, 15.10.1964 LS 5; 26.02.1997 LS 7 ff.; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 38; Veith, DB 63, 1267; kritisch Semmler, Die Rechtsstellung des Tankstellenhalters zwischen Handelsvertreter und Vertragshändler 1995, S. 160 f., der eine Geschäftsverbindung i. S. des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB immer schon dann annehmen will, wenn der Kunde wenigstens ein zweites Mal bei der Station des TStH oder einer anderen Station des vertretenen U getankt hat;

zum Begriff der Stammkunden bei Kfz-Kunden vgl. OLG Köln, 14.06.1996 LS 8 m.w.N.;

zu LS 11 - Fortsetzungsfiktion - vgl. OLG Frankfurt/Main, 08.12.1970 LS 2 m.w.N.; LG Stuttgart, 23.10.1992 LS 3;

zur nachvertraglichen Umsatzentwicklung vgl. a.A. BGH, 03.06.1971 LS 7 m.w.N.;

zu LS 12 Bei einer Abwanderung von 66 % des Kundenstamms in weniger als zwei Jahren ist allenfalls ein Prognosezeitraum von 3 Jahren vertretbar, vgl. LG Bielefeld, 19.04.1985 LS 10;

zu LS 14 vgl. BGH, 06.08.1997 LS 21 m.w.N.;

zu LS 15 vgl. OLG Celle, 11.03.1961 LS 22;

zu LS 17 - Unzulässigkeit des Rückschlusses vom Entgelt von einer Leistung auf das Entgelt einer anderen Leistung - vgl. BGH, 01.12.1960 LS 19; LG Hamburg, 07.05.1981 LS 28; 10.07.1980 LS 18; Anm. 31.15 zu BGH, 19.11.1970; Anm. 7.9 zu LG Osnabrück, 10.08.2001 - AachenMünchener 2 -; Semmler, Die Rechtsstellung des Tankstellenhalters zwischen Handelsvertreter und Vertragshändler, 1995, S. 170;

zu LS 18 vgl. BGH, 22.12.1960 LS 1, 4; 21.11.1960 LS 23; 27.10.1960 LS 11; 11.12.1958 LS 8; OLG Hamburg, 06.04.1982 LS 12; KG, 29.07.2002 LS 45 m.w.N. - Shell 17 -; 15.09.1994 LS 27; 19.05.1978 LS 5; 19.09.1969 LS 32; OLG Celle, 13.07.1973 LS 42; 14.06.1958 LS 2 m.w.N.; 25.01.1968 LS 3, 5; Anm. 49 zu OLG Hamm, 11.02.2000 - Aral 7 -; OLG Hamm, 04.10.1965 LS 20; OLG Düsseldorf, 16.03.2001 LS 32 - gardeur -; 17.12.1999 LS 52, 53, 59 - Implantate und medizinische Geräte -; OLG Frankfurt/Main, 03.06.1966 LS 16; 27.05.1966 LS 34; LG Frankfurt/Main, 07.12.1981 LS 16; LG Bamberg, 02.02.1988 LS 1; LG Hamburg, 19.11.1981 LS 31; LG Berlin, 19.01.1970 LS 16; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 112; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 89 b Rz. 51; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rz. 19 b; GK-HGB/Leinemann, § 89 b Rz. 19; Röhricht/v. Westphalen/Küstner, HGB, § 89 b Rz. 78; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VIII Rz. 74; ders., BB 62, 432; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 124; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 41; Westphal, Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter, 1998, Rz. 1062; einschränkend LG Frankfurt/Main, 09.05.1980 LS 46, wonach nicht schematisch darauf abgestellt werden kann, dass die Kosten 50 % der Provision übersteigen, sondern darauf abzustellen ist, welchen Kostensatz die betroffenen HV üblicherweise haben.

18.1 Zwar erscheint es durchaus nicht unbillig, Kosten, die den üblichen Rahmen übersteigen, bei der Ermittlung der Höhe des AA unberücksichtigt zu lassen. Würde man die Kosten unberücksichtigt lassen, würde der HV durch die Beendigung des HVV besser gestellt als er stünde, wenn er weiter für den U tätig wäre. Auf der anderen Seite stellt der anspruchsmindernde Ansatz besonders hoher Kosten eine Durchbrechung des im Ausgleichsrecht herrschenden Bruttoprinzips dar (vgl. BGH, 06.02.1964 LS 10). Wie die Unterscheidung zwischen Vermittlungs- und Verwaltungsprovisionen zeigt, erscheint eine solche Durchbrechnung nur dann gerechtfertigt, wenn sie sich zwingend aus Sinn und Zweck der Norm des § 89 b HGB ergibt. Dass kann für hohe Kosten nicht angenommen werden.

18.2 Die anspruchsmindernde Berücksichtigung ersparter Kosten ist auch nicht mit dem Grundsatz (vgl. dazu BGH, 27.10.1960; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 121) vereinbar, dass dem HV selbst dann ein AA zustehen kann, wenn er aus seiner Tätigkeit für den U keinen Reinverdienst erzielen konnte.

18.3 Geht man gleichwohl davon aus, dass ersparte Kosten den AA gemäß § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB mindern können, so ist jedenfalls zu berücksichtigen, dass nur solche Kosten anspruchsminderd berücksichtigt werden dürfen, die mit ausgleichsfähigen Provisionen im Zusammenhang stehen, nicht aber solche, die auf vermittlungsfremde Leistungen des HV entfallen (Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 69 a. E.; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VIII Rz. 80). Denn prinzipiell sind bei der Billigkeitsprüfung nur die Umstände von Bedeutung, die mit den Anspruchsvoraussetzungen des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 und Nr. 2 HGB in Beziehung stehen und die sich unmittelbar aus dem HVV ergeben. Alle anderen vertragsfremden Umstände haben außer Betracht zu bleiben (Röhricht/v. Westphalen/Küstner, HGB, § 89 b Rz. 75).

zu LS 20 vgl. aber BGH, 05.06.1996 LS 28 m.w.N.;

zur Nichtberücksichtigung der Sogwirkung bei markenadäquat niedrigem Provisionsniveau vgl. BGH, 04.06.1975 LS 26 m.w.N.