OLG Nürnberg, Urteil, 13.12.1962 - 2 U 219/61 - EversOK



Fundstellen
BB 63, 203; HVR Nr. 342; VW 63, 463
Gesetz
§ 242 BGB; § 89 b Abs. 3 Satz 2 HGB; § 87 Abs. 3 HGB
Stichworte
Verwirkung des AA; Nachschieben von Kündigungsgründen; wichtiger Grund bei Konkurrenztätigkeit; Wettbewerbstätigkeit; Vertretungsübernahme; Störung des Vertrauensverhältnisses; nachvertragliche Provisionen; Abdingbarkeit nachvertraglicher Provisionsansprüche; Ausschluss; nachvertraglicher Provisionen
Anmerkung
zu LS 1 - Zeitmoment der Verwirkung - vgl. OLG Düsseldorf, 28.11.1997 LS 10 m.w.N.;

zu LS 3 vgl. OLG Düsseldorf, 26.02.1993 LS 2 m.w.N.; OLG Stuttgart, 30.11.2009 LS 18; LG München, 25.11.2016 LS 10 - Die Bayerische 1 -;

zu LS 4 vgl. BGH, 01.10.1970 LS 7; OLG Hamm, 03.03.2016 LS 8; OLG München, 21.04.2010 LS 6 - Calvin Klein Eyewear -; BAG, 20.08.1996 LS 11 m.w.N.; LAG Rheinland-Pfalz, 21.12.2006 LS 6 - MLP 5 -; AG München, 14.09.2018 LS 7 - Stadtsparkasse München 1 -; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 Rz. 115; Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 87 Rz. 3; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 87 Rz. 48; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 87 Rz. 39; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 Rzz. 81, 84; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 87 Rzz. 146, 158; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 Rz. 44; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 87 Rz. 42; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A. § 87 Rz. 61; Martinek/Semler/Flohr/Feldmann, Handbuch des Vertriebsrechts, 4.A., § 19 Rz. 17; Schaub, Arbeitsrechts-Handbuch, 17.A., § 75 Rz. 33; Alff, Handelsvertreterrecht, 2.A., Rz. 107; Graf von Westphalen, Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke, Handelsvertretervertrag Rz 41; Thume, IHR 16, 188, 190; ders., IHR 06, 191, 194; ders., BB 12, 975; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 87 a Rz. 13; Tscherwinka, JuS 91, 110, 113; Schröder, BB 63, 567, 569 sub II, 4; Begr. RegE, BT-Drs. XI/3077 S. 8;

nach Auffassung von Schmidt, ZHR 156 (1992), 512, 519 ist die Vorschrift des § 87 a Abs. 3 HGB 1953 bei richtlinienkonformer Auslegung zwingend und daher nicht mehr abdingbar; a.A. Westphal, Die Handelsvertreterrichtlinie und deren Umsetzung in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union 1994, S. 69 ff., 73, 74; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 87 Rz. 42; Ankele, DB 89, 2211, 2212; Eckert, NZA 90, 384, 385; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 87 Rz. 48 (arg. e Artt. 8, 9, 10 Abs. 4 EG-RiLi); ebenso Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 Rz. 81;

zur Unvereinbarkeit mit § 307 BGB vgl. LAG Berlin-Brandenburg, 08.05.2015 LS 26 - Verkaufsberater für Wohnimmobilien -; Hopt/v. Westphalen, Vertrags- und Formularbuch, I. G. 2. 5.; wohl auch Graf von Westphalen, Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke, Handelsvertretervertrag Rz 41; kritisch Ernsthaler/Genzow, HGB, § 87 Rz. 20; a.A. Ulmer/Brandner/Hensen/Schmidt, AGB, Teil 2 (15) Rz. 4; h

4.1 Bei der richterlichen Billigkeitskontrolle ist zu beachten, dass die
nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB zu beanstandende unangemessene Benachteiligung durch die Gewährung wirtschaftlicher Vorteile kompensiert werden kann.

4.2 Soweit der Umstand, dass
dem HV zu Beginn des HVV ein Kundenstamm zur Bearbeitung übertragen worden ist, zur Kompensation als untauglich angesehen wird, weil der HV die Provisionen aus den ihm übertragenen Kunden rechtlich zustehen (Graf von Westphalen, Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke, Handelsvertretervertrag Rz 41), kann dem nicht gefolgt werden. Denn der maßgebliche Vorteil liegt nicht in dem Erwerb des Provisionsanspruchs an sich, sondern in der unentgeltlichen Übertragung der Vertretungsrechte für den Kundenstamm. Dadurch erspart der HV die ihm nach dem gesetzlichen Leitbild obliegende Aufbauarbeit und erwirtschaftet sogleich Provisionen.

4.3 Auch dann, wenn der U dem HV zu Beginn der Tätigkeit eine Provisionsgarantie gewährt, kann dies die aus einem formularmäßigen Ausschluss von nachvertraglichen Provisionen resultierenden Nachteile kompensieren.