Logo EversOK

OLG Hamm, 26.10.1961 - 18 U 148/61 - (Urteil)

OLG Hamm, 26.10.1961 - 18 U 148/61 - (Urteil)
Fundstellen
HVR Nr. 321; HVuHM 65, 44
Gesetz
§ 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 HGB
Stichworte
Architekt; Planer; langlebige Wirtschaftsgüter; Begriff des Kunden; Kunde
Anmerkung
zu LS 1 vgl. Meyer, BB 70, 780; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 31; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 41; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 104;

1.1 Kunde i.S. des § 89 b Abs. 1 HGB ist zunächst die Person des Geschäftsgegners, in deren Namen das Geschäft geschlossen wird (Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 41), mithin die Rechtspersönlichkeit, gegen die der vertretene U den Anspruch auf die zur Ausführung des Geschäfts geschuldete Leistung (zum Geschäftsbegriff vgl. eingehend Anm. 15.2 zu LG Osnabrück, 04.12.2001 - AachenMünchener 3 -; a.A. OLG Frankfurt/Main, 16.03.2018 LS 14 - Mayflower 1 -) erwirbt (vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 55; Meyer, BB 70, 56), die also auf Grund des geschlossenen Geschäfts verpflichtet ist, das Vertragsprodukt, auf dessen Vertrieb der HVV gerichtet ist, zu erwerben, abzunehmen (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 104; Neflin, DB 61, 833, 834) oder zu liefern (vgl. OLG Hamburg, 10.11.1966 LS 1).

1.2 Handelt ein Dritter oder Vertreter für den Geschäftsgegner, wirft dies die Frage auf, ob bei der im Ausgleichsrecht gebotenen wirtschaftlichen Betrachtungsweise (vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 31; ferner allgemein BGH, 01.12.1983 LS 12 m.w.N.) Kunde auch derjenige ist, der die Entscheidung über den Abschluss des Geschäfts für den Geschäftsgegner maßgeblich bestimmt (Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 14; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 104; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 89 b Rz. 9 bei FN 80; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 56; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 89 b Rz. 85; Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 89 b Rz. 5; Flohr/Wauschkuhn, Vertriebsrecht, 2.A., § 89 b, HGB, Rz. 65; unklar Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9. A., Kap. VI Rzz. 3, 4), mithin die Person, auf die der HV einwirken muss, um den Abschluss des Geschäfts zu fördern (so etwa Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 104). Insoweit ist mit dem Senat zu Recht zu fordern, dass nicht bloß die faktische Einflussnahme des Dritten auf den Geschäftsgegner ausreicht, um die Kundeneigenschaft zu bejahen, sondern dass der Dritte dem Geschäftsgegner zumindest in der Weise gleichstehen muss, dass er in dessen Lager steht und eigenverantwortlich und für den Geschäftsgegner bindend entscheidet, ob und mit welcher Maßgabe das Geschäft mit Wirkung für und gegen den Geschäftsgegner zu Stande kommt oder nicht.

1.3 Kunde ist daher z.B. auch jeder im Lager des Geschäftsgegners stehende Dritte (ein Handwerker oder Architekt (vgl. OLG Düsseldorf, 08.02.1977 LS 3 m.w.N., jeder einzelne Marktleiter, der Leiter einer Niederlassung ohne eigene Rechtspersönlichkeit etc.), wenn der HV auf diesen zu dem Zweck einwirkt, den Geschäftsabschluss zu fördern und dieser die Entscheidung über den Abschluss des Geschäfts eigenverantwortlich trifft (Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 41; offengelassen von BGH, 11.10.1990 LS 10), auch wenn die Bestellung im Namen einer anderen Person (dem Bauherrn, der Zentrale oder dem Hauptsitz) erfolgt (vgl. dazu auch OLG Celle, 08.10.1982 LS 3 - Senking -).

1.4 Eine Person, die Geschäfte mit Dritten lediglich gewerbsmäßig vermittelt, kann dagegen nicht selbst als Kunde angesehen werden (vgl. BGH, 15.06.1959 LS 1 m.w.N.; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 104; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 55; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rz. 5a; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VI Rz. 3; Küstner/v. Manteuffel/Evers, HdB-ADR, Bd. II, 6.A., Rzz. 390, 391; Westphal, VertR, Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rzz. 936 f.; Meyer, BB 70, 780), wenn sie nicht im Lager desjenigen steht, der aus dem geschlossenen Geschäft unwiderruflich zur Ausführung desselben verpflichtet ist (vgl. BGH, 01.12.1983 LS 1, 4) und wenn sie nicht verbindlich darüber entscheidet, ob das Geschäft geschlossen wird oder nicht (Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 14; Emde, VertR, 3.A., § 89 b Rz. 85; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 104; erweiternd i.S. von entscheidend bestimmt MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 56; a.A. wohl Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 89 b Rz. 5; HK-HGB/Ruß, § 89 b Rz. 16 und GK-HGB/Leinemann, § 89 b Rz. 8, die allgemein die Person als Kunden ansehen, die die Bestellung in fremden Namen aufgibt).

1.5 Der HV kann für eine von ihm aufgebaute und ebenfalls aus HV bestehende Vertriebsorganisation des U keinen AA nach § 89 b Abs. 1 HGB verlangen (LG Mainz, 16.09.1977 LS 7 m.w.N.), weil die Vertriebsorganisation einerseits nicht im Lager der Geschäftsgegner steht und sie andererseits auch nicht darüber entscheidet, ob das Geschäft geschlossen wird. Wegen der von ihm dem U hinterlassenen Absatzorganisaton wäre allenfalls eine analoge Anwendung der Vorschrift des § 89 b HGB zu erwägen. Auch käme ein Anspruch des ausgeschiedenen HV aus dem Aspekt des Investitionsschutzes in Betracht.

zu LS 2 vgl. OLG Düsseldorf, 08.02.1977 LS 3 m.w.N.;

zu LS 3 vgl. OLG Düsseldorf, 08.02.1977 LS 3 m.w.N; LG Stuttgart, 14.12.1972 LS 8; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 14; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 89 b Rz. 23; Küstner/Thume, HdB-ADR, Bd. II, 7.A. Rz. 469; dagegen offen gelassen in Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VI Rzz. 55 ff.; vgl. aber LG Ellwangen, 07.12.1981 LS 4; vgl. aber auch BGH, 15.06.1959 LS1 m.w.N. - Ackerwagen -;

zur wirtschaftlichen Betrachtungsweise bei der Auslegung des Begriffs Kunde vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 31;

allgemein zur wirtschaftlichen Betrachtungsweise als Auslegungsmaxime für die Vorschrift des § 89 b HGB vgl. BGH, 01.12.1983 LS 12 m.w.N.