BGH, Urteil, 13.01.2005 - III ZR 238/04 - EversOK



Gesetz
§ 652 BGB; § 157 BGB; § 162 BGB; § 93 HGB; § 346 HGB; § 412 Abs. 1 ZPO
Stichworte
Anspruch auf Courtage bei Vermittlerwechsel; Courtageanspruch; Handelsbrauch; Degression des Vermittlungsanteils; Vermittlungsentgelt; degressiver Vermittlungsanteil; treuwidrige Courtagevereitelung; Vereitelung des Courtageanspruchs; Treuepflicht des VU gegenüber dem VM; Anspruch des VM auf Courtage bei Beendigung des VMV
Anmerkung
Vorinstanzen LG Bremen, 07.04.2004; AG Bremen, 23.01.2003 - 23 C 603/00 -;

zu LS 1 vgl. zu den vom GDV festgestellten Usancen im Versicherungsmaklerbereich im Falle des Vermittlerwechsels vgl. die Anm. 19 zu LG Berlin, 03.01.2001 - Feuersozietät 4 -;

zu den Zweifeln am Bestehen eines Handelsbrauchs vgl. die Anm. 2.2 zu AG Stuttgart, 09.07.1991;

zu LS 5 vgl. BGH, 27.11.1985 LS 3;

zu LS 6 vgl. BGH, 27.11.1985 LS 5 m.w.N.;

zu LS 8 vgl. Dehner, Das Maklerrecht Rz. 318;

zu LS 9 vgl. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rzz. 40, 47; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rzz. 132, 136; Griess/Zinnert, Der Versicherungsmakler, 3.A., S. 159; vgl. ferner Müller-Stein, VersR 90, 561, 562; Baumann, Versicherungsvermittlung durch Versicherungsmakler 1998, S. 301, 311; Panzer, Provisions-, Ausgleichs- und Schadensersatzansprüche des Versicherungsvertreters bei Maklereinbruch 2001, S. 42 ff.; a.A. Odendahl ZfV 93, 390, 391;

zu den Begriffen Betreuungsentgelt, Verwaltungsentgelt oder Bestandspflegegeld vgl. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 31; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 126;

zu LS 12 Das Berufungsgericht hat nicht festgestellt, dass für den Fall der Übernahme der Vertragsbetreuung nicht durch einen anderen VM, sondern durch den Versicherer selbst ein spezieller Handelsbrauch hinsichtlich des Provisionsanspruchs des VM besteht. Es hat die entsprechenden Ausführungen des vom Amtsgericht bestellten Sachverständigen in dessen Gutachten über die Handelsusancen als Äußerung von Rechtsansichten eingeordnet.

zum Erfordernis einer Aufteilung der Courtage in eine Vermittlungs- und eine Betreuungsvergütung vgl. OLG Hamm, 08.12.1994 LS 10;

zu LS 13 vgl. Zöller/Greger, ZPO, 25.A., § 286 Rz. 21 m.w.N.;

zu LS 15 vgl. Griess/Zinnert, Der Versicherungsmakler, 3.A., S. 188 f; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 49 m.w.N.; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 138;

zu LS 16 16.1 In dem der Entscheidung des OLG Hamm vom 08.12.1994 zu Grunde liegenden Fall ging es um die Vermittlung einer Industrieversicherung. In diesem Versicherungszweig ist es allgemein üblich, dass nur Jahresverträge vermittelt werden. Dies liegt zum einen darin begründet, dass Versicherer dieses Risiko nicht längerfristig zeichnen, zum anderen aber auch darin, dass der VM dem VN durch die Vermittlung eines Jahresvertrages die Möglichkeit offen hält, kurzfristig eine anderweitige Eindeckung für den Fall vornehmen zu können, dass sich das Prämiengefüge im Markt zu Gunsten des VN ändert.

16.2 Das LG München hat mit seinem Urteil vom 30.03.1994 die Entscheidung des AG München vom 13.08.1993 LS 2 bestätigt, das den Versicherer zur Fortzahlung der hälftigen Courtage verurteilt hatte, solange der Versicherungsvertrag besteht. Diese Entscheidungen erwecken Zweifel daran, dass die Annahme des Senats berechtigt ist, im Hinblick auf die Frage des Fortbestehens des Courtageanspruchs werde maßgeblich zwischen ein- und mehrjährigen Verträgen unterschieden.

zu LS 17 Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hat sich im Schreiben an die Vorstände der Mitgliedsunternehmen und Mitgliedsverbände zur Handelsübung in der Frage der der Courtageansprüche bei Vermittlerwechsel geäußert (vgl. dazu die Anm. 19 zu LG Berlin, 03.01.2001 - Feuersozietät 4 -). Ob die vom GDV festgestellten Usancen allerdings tatsächlich als Handelsbrauch bindend sind, ist nicht unumstritten, eine Bindung bejahen Müller Stein, VersR 90, 561, 562; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 47; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 136; Baumann, Versicherungsvermittlung durch Versicherungsmakler, S. 301; eine Bindung verneinen dagegen Evers/Friele, Maklerkompass 2014, S. 194; Panzer, Provisions-, Ausgleichs- und Schadensersatzansprüche des Versicherungsvertreters bei Maklereinbruch, S. 43 f.; Anm. 2.2 zu AG Stuttgart, 09.07.1991; Bruck/Möller/Schwintowski, VVG, 9.A., § 59 Rz. 114 spricht davon, dass sich eine entsprechende "Praxis" herausgebildet habe, ohne zu thematisieren, ob diese bindend ist; unklar auch Küstner/Thume/Kneiß, HdB-VertR, Bd. III, Kap. 6 Rz. 20, wonach der GDV GDV, Schreiben vom 22.02.1988 - M-Tgb-Nr. 27/88 "Handelsbräuche mitgeteilt" habe, Rz. 21, "oftmals aber eine Handhabung dahingehend vorgenommen werde, dass der Courtageanspruch für die verbliebene Vertragslaufzeit pauschal zwischen den VM hälftig aufgeteilt" werde (unter Verweis auf Griess/Zinnert, Der Versicherungsmakler, 3.A., S. 188, die wiederum auf auf das Schreiben des GDV verweisen; vgl. aber auch Küstner/Thume/Kneiß, HdB-VertR, Bd. III, Kap. 6 Rz. 15, der auf die Kündigung des VMV abstellt; Zinnert, Recht und Praxis des Versicherungsmaklers 2008, S. 327 stellt dazu fest, dass das "Regelungssystem" auf Erhebungen und darauf aufbauende Feststellungen der Branchenbeteiligten zurückgehe, die er im GDV und im BDVM sieht, dies kann die Annahme eines Handelsbrauchs schon deshalb nicht stützen, weil unklar ist, welche Versicherer der GDV befragt hat und weil eine Reihe von Maklerverbänden (AfW; BVK, IGVM) erst gar nicht genannt werden;

zu LS 19 vgl. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rzz. 46 f.; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 87;

zu LS 20 vgl. LG Köln, 21.09.2017 LS 18; AG Stuttgart, 09.07.1991 LS 5 m.w.N.; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 49 m.w.N.; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 138; Griess/Zinnert, Der Versicherungsmakler, 3.A., S. 188; Baumann, Versicherungsvermittlung durch Versicherungsmakler 1998, S. 301 f.; vgl. dazu auch die Anm. 30.4 zu OLG Saarbrücken, 09.07.1997; vgl. aber auch LG Köln, 13.12.2016 LS 3;

zu LS 21 vgl. LG Köln, 21.09.2017 LS 19; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rzz. 46 f.; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 87;

zu LS 22 vgl. LG Köln, 21.09.2017 LS 20; AG Stuttgart, 09.07.1991 LS 5 m.w.N.;

zu LS 23 vgl. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 47; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 136;

zu LS 24 vgl. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rz. 50 "Nichtkündigungsprovsion"; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 137; teilweise wird auch davon ausgegangen, dass das Vermittlungsentgelt in der Folgecourtage mit wachsender Vertragsdauer zunehmend als so genannte Kündigungsabwehrcourtage, also ein Entgelt für das Bemühen um die Aufrechterhaltung des Versicherungsvertrages verstanden (so etwa Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 84).

zu LS 25 - Degression des Vermittlungsanteils - vgl. Baumann, Versicherungsvermittlung durch Versicherungsmakler 1998, S. 312 ff.; Panzer, Provisions-, Ausgleichs- und Schadensersatzansprüche des Versicherungsvertreters bei Maklereinbruch, 2001, S. 48 ff. m.w.N.; wohl auch Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 84;

Dieser Denkansatz weicht vom gesetzlichen Leitbild der Vorschrift des § 87 b Abs. 3 HGB ab. Denn danach muss die Abschlussprovision denkgesetzlich höher sein, je länger der Versicherungsvertrag dauert und je höher das von dem Dritten zu leistende Entgelt ist (BGH, 04.05.1959 LS 16).

zu LS 26 vgl. Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 27.A., nach § 48 Rzz. 48-51; nunmehr Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 136; vgl. aber OLG Hamburg, 07.08.1985 LS 4; Baumann, Versicherungsvermittlung durch Versicherungsmakler 1998, S. 314;

zu LS 27 vgl. LG Wiesbaden, 22.04.2004 LS 6 m.w.N. - Sparkassenversicherung -; JurisPK-BGB/Jäger, § 652 Rz. 360; vgl. aber auch KG, 07.03.1931 LS 11; LG Mosbach, 28.07.2005 Anm 1.2; 05.05.1937 LS 6; Bruck/Möller, VVG, Anm. 70 vor §§ 43-48