Logo EversOK

KG, 08.07.1960 - 2 U 599/60 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:KG:1960:0708.2U599.60.0A
Fundstellen
NJW 61, 124; BB 60, 1075; VersR 61, 271; HVR Nr. 239; Juris; BeckRS 98, 115601
Gesetz
§ 89 b HGB; § 89 Abs. 4 Satz 1 HGB; § 242 BGB
Stichworte
AA des HV; Verzicht auf AA; Unabdingbarkeit des AA des HV; Unabdingbarkeitsgrundsatz; Verwirkung der Berufung auf eine den AA beschränkende Vereinbarung; venire contra factum proprium; unzulässige Rechtsausübung; Geltendmachung der Unwirksamkeit einer ausgleichsbeschränkenden Abrede
Anmerkung


zu LS
1 vgl. Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 206;

zu LS 2 vgl. OLG Frankfurt/Main, 22.10.1985 LS 11; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rz. 34 a; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. XIII Rzz. 1 ff.; wohl auch Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 105, der einen Anwendungsfall bei einer nicht schutzwürdigen Vertretergesellschaft erörtert; einschränkend wohl Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 210 i. V. m. Rzz. 203 a. E., 206; a.A. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 213; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 76, der den Einwand einer unzulässigen Rechtsausübung gegenüber der Geltendmachung des AA zwar nicht generell ausschließen will, ihn aber nicht schon dann gelten lässt, wenn der HV die unwirksame Vereinbarung über den AA in völliger Freiheit getroffen hat.

2.1 Für die Anwendung der Vorschrift des § 89 b HGB ist es nicht maßgeblich, ob der sich auf die Norm Berufende schutzbedürftig ist oder nicht (vgl. dazu nur FG Düsseldorf, 04.09.1996 LS 16). Aus diesem Grunde kommt eine teleologische Reduktion des Unabdingbarkeitsgrundsatzes in Fällen nicht in Betracht, in denen der Ausgleichsberechtigte nicht schutzbedürftig ist. Aus Gründen der Rechtssicherheit ist die Anwendung der Schutznorm des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB auch dann angezeigt, wenn der HV im Einzelfall des gesetzlichen Schutzes nicht mehr bedarf (BGH, 10.07.1996 LS 5; 29.03.1990 LS 14 m.w.N.; 29.03.1990 LS 6, 30.12.1970 LS 5; st. Rspr. seit 06.02.1985 LS 14; LG Wuppertal, 13.09.1996 LS 7). Durch die vorstehende Rechtsprechung ist daher auch der in der Entscheidung des KG zum Ausdruck kommende Grundsatz überholt, nach dem die Berufung auf den Unabdingbarkeitsgrundsatz arglistig sei, wenn der HV die ausgleichsbeschränkende Abrede in völliger Freiheit eingegangen sei (vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 213; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 76).

2.2 Zwar rechtfertigt der Unabdingbarkeitsgrundsatz des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB nicht von vornherein die Annahme, dass der Einwand unzulässiger Rechtsausübung nicht ausnahmsweise in Betracht kommen kann (Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 76). Angesichts des eindeutigen Wortlauts der Norm kann aber allein der Umstand, dass der HV aus freien Stücken eine ausgleichsbeschränkende Abrede trifft, ohne hierzu durch die wirtschaftlich stärkere Stellung des U veranlasst worden zu sein, nicht geeignet sein, den Einwand einer unzulässigen Rechtsausübung gegenüber der späteren Berufung des HV auf die Vorschrift des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB zu begründen (MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 213; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 76).

2.3 In Ansehung der durch den Wortlaut der Vorschrift des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB bewirkten eindeutigen Rechtslage kann der U auf den Umstand, dass der HV bei einer ausgleichsbeschränkenden Abrede nicht unter wirtschaftlichem Druck steht, kein schutzwürdiges Vertrauen mit der Folge bauen, dass der HV sich zu seinem Verhalten in unerträglichen Widerspruch setzt, wenn er sich auf die zwingende Vorschrift des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB beruft.

zu LS 3 vgl. KG, 15.09.1994 LS 7; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 2.A., § 89 b Rz. 34; Hopt, Handelsvertreterrecht, 6.A., § 89 b Rz. 70;

zu LS 9 vgl. Schröder, Recht der Handelsvertreter, 2.A., § 89 b Rz. 34;

zu LS 11 vgl. LG Köln, 02.06.2005 LS 6 - DBV Winterthur -