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OLG Hamm, 08.10.2009 - 18 W 57/08 - (Beschluss)

ECLI
ECLI:DE:OLGHAM:2009:1008.18W57.08.00
Gesetz
§ 17 a GVG; § 5 ArbGG; § 92 a HGB; § 92 a Abs. 1 Satz 1, 2. Var. HGB
Stichworte
Rechtsweg zu den Arbeitsgerichten; Maßgeblichkeit des Klägervortrags; Klägervortrag; faktischer Einfirmenvertreter
Anmerkung


Vorinstanz LG Münster, 11.09.2008 - 12 O 150/08 -

zu LS 5 vgl. im Ergebnis auch OLG Köln, OLGR 07, 758; OLG Karlsruhe OLGR 06, 803; OLG Düsseldorf OLGR 05, 540; OLG Schleswig OLGR 99, 269; a.A. BGH, 27.10.2009 LS 1; LG Magdeburg, 24.02.2011 LS 6; für die Abgrenzung zwischen öffentlich-rechtlichen und zivilrechtlichen Streitigkeiten vgl. GmS-OGB, NJW 88, 2295; NJW 90, 1527; BGH, NVwZ 06, 243; NJW 98, 2743; für die Abgrenzung zwischen arbeitsrechtlichen und zivilrechtlichen Streitigkeiten: Rheinschifffahrtsobergericht Karlsruhe, VersR 04, 885;

5.1 Zum Teil wird eine Beweisaufnahme mit der Begründung für erforderlich gehalten, dass es unzulässig sei, alleine auf das schlüssige klägerische Vorbringen abzustellen, da die gesetzliche Zuständigkeitsordnung nicht zur Disposition des Klägers stehe (KG, NJW-RR 01, 1509; BAG, NJW 94, 1172; NJW 94, 604). Auch die Respektierung der Nachbargerichtsbarkeiten erfordere eine Prüfung der Rechtswegzuständigkeit in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht. Andernfalls könnte sich eine Partei gegen den Willen der anderen eine ihr nicht zukommende sachliche Zuständigkeit verschaffen. Die wirklich bestehende Rechtswegzuständigkeit sei aber Voraussetzung für ein Sachurteil (BAG NJW 94, 1172; 604). Das entspricht der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG, NJW 07, 1227; NZA 01, 285; 341; NJW 97, 542; 1722; 96, 2948; 95, 675).

5.2 Auch der Sinn und Zweck der Rechtswegbestimmung in § 92 a HGB, § 5 Abs. 3 Satz 1 ArbGG sprechen für das Erfordernis einer Beweisaufnahme. Ihre Bedeutung besteht darin, gering verdienende Einfirmenvertreter im Sinne dieser Vorschriften den Arbeitnehmern prozessual gleichzustellen. Eine Anwendung von materiellem Arbeitsrecht ist damit nicht verbunden. Ihnen sollen die prozessualen Erleichterungen des ArbGG zugute kommen, wie die Möglichkeit, den Rechtsstreit vor den Arbeitsgerichten unabhängig vom Streitwert selbst führen zu können (§ 11 Abs. 1 Satz 1 ArbGG) sowie die geringe Belastung mit Kosten im Falle des Unterliegens nach § 12 a Abs. 1 Satz 1 ArbGG (BAG, MDR 03, 668). Dieser Schutzgedanke spricht dafür, die Frage der Rechtswegzuständigkeit im Streitfall gegebenenfalls durch eine Beweisaufnahme zu klären.

5.3 Die Beweislast soll bei der Partei liegen, die sich auf die Zuständigkeit der Arbeitsgerichte beruft (KG NJW-RR 01, 1509; BAG NJW 94, 604; LAG Köln NZA-RR 02, 156; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 a Rz. 25).

zu LS 9 vgl. Kluth, NJW 99, 342;

zu LS 10 vgl. Kissel/Mayer, GVG, 5.A., § 17 Rz. 52;

zu LS 11 vgl. Kissel/Mayer, GVG, 5.A., § 17 Rz. 17;

zu LS 12 vgl. Kissel/Mayer, GVG, 5.A., § 17 Rz. 17;

zu LS 16 vgl. ErfKomm/Koch, 20.A., § 2 ArbGG Rz. 13;

zu LS 17 vgl. Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann, ZPO, 67.A., § 17 b GVG Rz. 6; Zöller/Lückemann, ZPO, 27.A., § 17 b GVG Rz. 4; MünchKommZPO/Zimmermann, 5.A., § 17 b GVG Rz. 10