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OLG Hamm, 15.12.2000 - 35 U 77/99 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:OLGHAM:2000:1215.35U77.99.00
Gesetz
§ 87 c Abs. 2 HGB; § 88 HGB; § 89 b HGB; § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB; § 242 BGB; § 284 BGB
Stichworte
- Nürnberger -; Anspruch des VV auf Auskunft zur Vorbereitung des AA; Anspruch auf Buchauszug; Vertragsdaten; Bestandsdaten; Grundsätze zur Errechnung der Höhe des AA; Unabdingbarkeitsgrundsatz; Verzug bei unbezifferter Zahlungsaufforderung; unbezifferte Aufforderung zur Zahlung des AA; verzugsbegründende Mahnung
Anmerkung


Vorinstanz, LG Dortmund, 25.08.1999 - 10 O 95/99 -;

zu LS 4 vgl. Zöller/Greger, ZPO, 21.A., § 254 Rzz. 1, 4;

zu LS 6 vgl. Baumbach/Lauterbach, ZPO, § 511 a Rzz. 15, 23;

zu LS 7 vgl. OLG Hamburg, 19.06.1991 LS 25 - HMI 1 -; OLG Celle, 23.08.2001 LS 19 - Adressbuchverlagsvertreter -; OLG Hamm, 23.02.2001 LS 12; OLG Frankfurt/Main, 08.06.2004 LS 3 - R+V 3 -; OLG München, 20.12.2017 LS 89; 14.09.2011 LS 9; 28.09.2011 LS 26; 10.06.2009 LS 4; 22.09.1993 LS 2; LG Frankfurt/Main, 15.11.2019 LS 4 m.w.N. - Mayflower 2 -; 26.03.2015 LS 1 - DVAG 47 - (Anspruchsgrundlage § 259 BGB); 11.05.2009 LS 3 - DVAG 27 - (Anspruchsgrundlage § 259 BGB); LG Stuttgart, 07.11.2003 LS 31 - Wüstenrot 1 -; 29.01.2001 LS 6 - Hamburg-Mannheimer 7 -; LG München I, 19.04.2002 LS 10 - AMC 2 -; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. XVII Rz. 9; vgl. auch allgemein BGH, 02.02.1999 LS 31 - Sixt -; a.A. AG Weilburg, 03.11.1966 LS 5;

7.1 Ob dem HV ein Anspruch auf Auskunft nach allgemeinen Grundsätzen zur Vorbereitung seines AA eingeräumt werden kann (verneinend Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 282; bejahend Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 89 b Rz. 79), erscheint in doppelter Hinsicht zweifelhaft.

7.2 Zum einen ist zu beachten, dass die Vorschriften des § 87 c Abs. 2 bis 4 HGB Spezialregelungen darstellen, in deren Anwendungsbereich ein Rückgriff auf die Vorschrift des § 242 BGB nicht statthaft ist. Soweit der HV Mitteilung von Vertrags-, bzw. Bestandsdaten oder Kundenanschriften begehrt, wird es sich regelmäßig um Daten handeln, die mit Abrechnungsdaten wenigstens teilidentisch sind. Insoweit sind die Rechte des HV in § 87 c Abs. 2 - 4 HGB abschließend geregelt. Dass dem HV zur Vorbereitung eines Anspruchs auf Schadensersatz im Falle einer vom U verschuldeten positiven Vertragsverletzung ein Auskunftsanspruch eingeräumt wird, steht dem nicht entgegen. Denn dieser Auskunftsanspruch betrifft gerade nicht Daten, die zur Prüfung der Provisionsabrechnung erforderlich sind. Wäre dies der Fall, würde der Auskunftsanspruch nach allgemeinen Grundsätzen allerdings ebenso durch die Kontrollrechte des HV verdrängt.

7.3 Zum anderen werden auch die Voraussetzungen für die Annahme eines Auskunftsanspruchs in den seltensten Fällen gegeben sein. Wie der Senat in LS 8 dieser Entscheidung zutreffend feststellt, setzt ein Auskunftsanspruch aus Treu und Glauben jedenfalls voraus, dass der HV sich in entschuldbarer Weise über das Bestehen oder den Umfang seines Rechts im Ungewissen ist. Diese Voraussetzung wird hinsichtlich der Bestandsdaten oder den Daten, die den vom HV geworbenen Kundenstamm betreffenden, nur in seltenenen Fällen als gegeben angesehen werden können. Selbst wenn dem VV zusammenfassende Bestandsdaten nur über ein geschlossenes Computersystem zur Verfügung gestellt werden, kann er durch Abgleich seiner Antragskopien mit dem ihm erteilen Provisionsabrechnungen im Allgemeinen alle Daten feststellen, die er zur Ermittlung des AA benötigt.

7.4 Nur in Ausnahmefällen kommt ein Rückriff auf die Vorschrift des § 242 BGB zur Rechtfertigung eines Anspruchs des HV auf Auskunft in Betracht, der zur Vorbereitung des AA dient. Dies mag etwa dann gelten, wenn der U dem HV mit dem HVV eine Urkunden (etwa eine Bestandsliste oder Kundenumsatzliste) überlassen hat, die dem HV unverschuldet abhanden gekommen ist (vgl. BGH, 28.04.1992 LS 1).

vgl. hierzu Anm. 17.2 zu LG Osnabrück, 10.08.2001 - AachenMünchener 2 -;

zu LS 10 vgl. LG Münster, 18.01.2002 LS 15 - Westfälische Provinzial 3 -;

zu LS 12 - Erleichterungsfunktion der Grundsätze - vgl. OLG Hamm, 08.05.2006 LS 16 - LVM 2 -; LG Köln, 04.07.1997 LS 6 m.w.N.; dazu, dass die Grundsätze den VV nicht binden können vgl. ferner BGH, 19.11.1970 LS 16 m.w.N.; LG Düsseldorf, 19.07.2005 LS 10 - ARAG 3 -; OLG Hamm, 21.07.2004 LS 13 - Westfälische Provinzial 5 -; 01.10.2003 LS 20 - LVM 1 -; LG Münster, 18.01.2002 LS 1 - Westfälische Provinzial 3 -;

zur Unwirksamkeit der Grundsätze nach Maßgabe des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB vgl. auch OLG Hamm, 02.09.1999 LS 25 m.w.N.;

- keine Bindungswirkung des VV - vgl. Anm. 25.1 zu OLG Hamm, 02.09.1999 - ZTG ./. Aral -;

zu LS 15 vgl. LG Münster, 18.01.2002 LS 16 - Westfälische Provinzial 3 -;

zu LS 17 vgl. LG München I, 11.03.2005 LS 2 m.w.N.;

17.1 Über die Frage, welcher Zeitraum ausreicht, um den Basisbetrags für die Prognose von Dynamikprovisionsverlusten zu bestimmen, gehen die Meinungen auseinander. Teilweise wird auf den Zeitraum der letzten 10 Jahre abgestellt (so etwa OLG Frankfurt/Main, 18.02.1998 LS 18). Der Senat lässt offenbar vier Jahre ausreichen. Für die Darlegung des VV wird man es demgegenüber ausreichen lassen können, dass der VV das letzte Jahr darstellt. Die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass es sich um ein atypisch verlaufendes Jahr handelt, trägt der U (vgl. dazu im Einzelnen die Anm. 16.3 zu LG Osnabrück, 10.08.2001).

17.2 Einen aus Treu und Glauben herzuleitenden Auskunftsanspruch gegen den U zur Darlegung seiner Provisionsverluste aus dynamischen Summenerhöhungen wird der VV nur geltend machen können, wenn er darlegt, dass seine Handelsbücher untergegangen sind. Denn andernfalls ist er zur Darlegung der Provisionsverluste nicht auf die Auskunftserteilung angewiesen. Den Umfang der ihm zugeflossenen Dynamikprovisionen kann wird er im Allgemeinen den ihm vom U erteilten Provisionsabrechnungen entnehmen können.

zu LS 18 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b HGB Rz. 136; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rzz. 261 ff.; vgl. aber LG München, 11.03.2005 LS 8 m.w.N. - Allianz 9 -;

zu LS 19 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A, Kap. IX Rzz. 258 ff.;

zu LS 23 - erforderliche Angaben beim Anspruch des VV auf Buchauszug - vgl. OLG Köln, 19.03.1999 LS 10 m.w.N. - Axa Colonia 1 -;

zu LS 23 lit. a - Anschrift des Kunden - vgl. OLG Hamm, 21.03.1997 LS 11 lit. a m.w.N.;

zu LS 24 vgl. die Anm. 23;

zu LS 24 lit. a vgl. die Anm. 23 lit. a;

zu LS 25 vgl. BGH, 01.12.1978 LS 3 m.w.N.;

zu LS 26 zu der Frage, ob die Kosten einer verzugsbegründende Mahnung als Verzugsschaden geltend gemacht werden können, vgl. auch verneinend Palandt/Heinrichs, BGB, 59.A., § 286 Rzz. 7 a.E., 18