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LG Stuttgart, 28.01.2000 - 21 O 425/99 - (Urteil)

LG Stuttgart, 28.01.2000 - 21 O 425/99 - (Urteil)

ECLI

ECLI:DE:LGSTUTT:2000:0128.21O425.99.0A

Gesetz

§ 89 b HGB; § 89 b Abs. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB; § 89 b Abs. 2 HGB; § 89 b Abs. 5 HGB; § 92 HGB

Stichworte

AA des VV; Billigkeit; erfolgsunabhängige Zuzahlungen; Fixum; Organisationszuschuss; Bürokostenzuschuss; Billigkeitsreduzierung auf Null; Anrechenbarkeit der Altersversorgung auf den AA

Anmerkung



zu LS 3 vgl. OLG Nürnberg, 26.01.1976 LS; vgl. aber LG Würzburg, 14.07.1975 LS 18 m.w.N.; Röhricht/v. Westphalen/Küstner, HGB, § 89 b Rz. 78; vgl. ferner zu Zuschüssen zur bAV des VV LG München I, 21.03.1990 LS 9

zu LS 4 vgl. LG Köln, 04.11.1982 LS 5 m.w.N.; Küstner/v. Manteuffel/Evers, HdB-ADR, Bd. II, 6.A., Rzz. 1646 ff.; beachte Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. XX Rzz. 19 ff.;

zu LS 6 vgl. Küstner/v. Manteuffel/Evers, HdB-ADR, Bd. II, 6.A., Rz. 1643; beachte Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. XX Rzz. 13 ff.;

zu LS 8 vgl. Hopt, Handelsvertreterrecht, 6.A., § 89 b Rz. 91;

zu LS 9 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. IX Rz. 230 m. Fn. 333;

zu LS 10 Die einzelnen im Rahmen der "Grundsätze Kranken" zur Anwendung kommenden Faktoren werden im 29. GBGDV 76/77, S. 96 erläutert. Eine gesonderte Erläuterung für die "Grundsätze Leben", die im 28. GBGDV 75/76, S. 99, 178 vorgestellt worden waren, erfolgte nicht.

zu LS 15 vgl. LG Berlin, 22.09.1971 LS 1 m.w.N.;  

zu LS 16 vgl. a.A. KG, 29.07.2002 LS 42 - Shell 17 -;

zu LS 17 vgl. LG Berlin, 22.09.1971 LS 1 m.w.N.; Düsseldorf, 05.03.1981 LS 9 m.w.N.;

zur Berücksichtigung von Billigkeitsgesichtspunkten bei der Bemessung des AA nach den "Grundsätzen" - vgl. BGH, 21.05.1975 LS 17 m.w.N.;  

zu LS 19 19.1 Die Kammer verkennt, dass der dem VV gezahlte Bürokostenzuschuss für eine Leistung des VV gewährt wird, nämlich die Bereitstellung einer Fläche für eine Werbeanlage. Diese Sonderleistung ist nach dem Agenturvertrag nicht geschuldet. Nach dem Rechtsgedanken des § 354 HGB steht dem VV als Kaufmann für diese Sonderleistung daher ein besonderer Vergütungsanspruch zu (vgl. dazu OLG Hamburg, 16.07.1936 LS 2 m.w.N.). Immer dann, wenn der erfolgsunabhängig gezahlten Vergütung eine Leistung des VV gegenübersteht, kann eine anspruchsmindernde Berücksichtigung der erfolgsunabhängigen Vergütung nur dann und insoweit erfolgen, als die versprochene Vergütung das übliche Entgelt für die Leistung übersteigt.

19.2 Im Zweifel erhält der VV einen Bürokostenzuschuss stets für eine Leistung. Diese kann schon darin liegen, dass der VV ein Geschäftslokal oder eine Beratungsstelle unterhält. Der VV ist handelsrechtlich nur dann verpflichtet, ein eigenes Geschäftslokal zu unterhalten, wenn die ihm zugewiesenen oder von ihm vermittelten Bestände nicht mehr mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns betreut werden können, ohne dass eine Beratungsstelle unterhalten wird.

zu LS 20 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. X Rz. 9; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 89 b Rz. 162 Stichwort Fixum bei FN 648;

zu LS 23 vgl. BGH, 23.05.1966 LS 18 - Allianz 1 -;

23.1 Die Kammer verkennt die Darlegungs- und Beweislast. Nach der Rechtsprechung spricht eine tatsächliche Vermutung dafür, dass die Zuerkennung des AA i. S. des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB der Billigkeit entspricht, wenn und soweit die Tatbestandsvoraussetzungen des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 u. 2 HGB erfüllt sind (BGH, 26.11.1976 LS 3 m.w.N.). Dem U obliegt es demzufolge, diese Vermutung durch die Darlegung anspruchsmindernder Gesichtspunkte zu erschüttern, während der HV nach allgemeinen Regeln darlegen und ggf. beweisen muss, dass und in welchem Umfang anspruchserhaltende Umstände gegeben sind.(vgl. auch LG Hamburg, 20.07.2005 LS 1 - Allianz 10 - )

23.2 Liegt eine Fälligkeitsdifferenz zwischen den Leistungen aus der aus Mitteln des U für den HV finanzierten Versorgung vor, so hat der U nach der Rechtsprechung darzulegen und zu beweisen, dass eine Vereinbarung über den Eintritt des HV in das Versorgungswerk getroffen ist und dass dem HV dabei bekannt war, dass der U die Leistungen für die Versorgung des HV nur unter der Voraussetzung der Anrechenbarkeit auf den AA zu geben bereit ist (vgl. Anm. 1.1.1 zu BGH, 17.11.1983 sowie LS 12 der Entscheidung - Allianz 2 -; vgl. ferner 23.02.1994 LS 4; OLG Köln, 19.06.1996 LS 8; LG Köln, 04.07.1997 LS 11).
 
23.3 Soweit weitergehend die Auffassung vertreten wird, dass eine Anrechnung nur dann in Betracht kommt, wenn sich der HV den ihm zugewendeten Anwartschaftsbarwert der Versorgung etwa durch Beleihung nutzbar machen kann (vgl. OLG Köln, 19.09.1996 LS 7 m.w.N.), obliegt dem HV die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass eine Nutzbarmachung des Barwertes der Altersversorgung durch Auszahlung oder Beleihung nicht möglich ist (OLG Düsseldorf, 22.12.1995 LS 9 m.w.N.).

23.4 Nach allgemeinen Regeln obliegt dem HV die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass die getroffene Anrechnungsvereinbarung unwirksam ist.  

zu LS 26 - Abdingbarkeit der Vorschrift des § 87 d HGB - vgl. Alff, Handelsvertreterrecht, 2.A., Rz. 168