BVerfG, 22.08.1995 - 1 BvR 1624/92 - Beschluss - EversOK



Fundstellen
EversOK; WM 95, 1761; NJW 96, 381; VW 96, 459; HVR Nr. 791; r+s 96, 290; ZAP EN-Nr 941/95 LS; Juris
Gesetz
Art. 12 Abs. 1 GG; § 89 b Abs. 3 Nr. 1, 1. Var. HGB; § 89 b Abs. 3 Satz 1 HGB 1953
Stichworte
AA des HV; Verfassungsmäßigkeit des Ausschlusstatbestandes; begründeter Anlass; Ausschluss des AA
Anmerkung
Der Verfassungsbeschwerde lag die Entscheidung des OLG Karlsruhe, 13.10.1992 zu Grunde.

zu LS 1 - Verfassungsmäßigkeit des Tatbestandes des § 89 b Abs. 3 Nr. 1 HGB - vgl. auch LG Koblenz, 04.08.1992 LS 2 m.w.N.;

Entgegen einer teilweise in der Literatur vertretenen Auffassung kann der Entscheidung keine Bedeutung für die Frage beigemessen werden, ob die einseitige Provisionsherabsetzung zur ausgleichserhaltenden Kündigung berechtigt (so aber Küstner, BB 99, 541, 547 f.). Die Frage, ob der einfachrechtliche Tatbestand des § 89 b Abs. 3 Nr. 1 HGB erfüllt ist, hat das BVerfG nicht geprüft, sondern als gegeben vorausgesetzt. Auf dieser Grundlage hat das BVerfG lediglich geprüft, ob die Norm des § 89 b Abs. 3 Nr. 1 HGB verfassungsgemäß ist.

zu LS 3 vgl. OLG Köln, 17.08.2001 LS 32 - Axa Colonia II -; OLG Stuttgart, 15.02.2000 LS 6; Generalanwalt, 25.10.2005 Anm. 7.9 - Commerciali srl ./. De Zotti -; Merkel, BB 56, 420; a.A. KG, 29.01.1958 LS 3; dazu, dass der AA nicht als reiner Vergütungsanspruch angesehen wird vgl. BGH, 30.06.1966 LS 4 m.w.N.; zur Abhängigkeit des AA von Billigkeitsaspekten vgl. Thume, BB 02, 1325, 1326; LS 3; Küstner, VersR 02, 513, 518; vgl. auch BGH, 13.03.1969 LS 3a; 16.06.2010 - VIII ZR 259/09 - LS 13;

Soweit dieser Entscheidung entnommen wird, dass der AA auch ein Element der Altersversorgung enthalte (so etwa Küstner, VersR 04, 157, 159 f.), kann dem nicht beigetreten werden. Auch wenn der AA geschaffen wurde, um die wirtschaftliche Stellung der HV zu stärken, so handelt es sich nicht um einen Versorgungsanspruch (BGH, 23.05.1966 LS 11 m.w.N. - Allianz 1 -). Der AA stellt eine Vergütung für die Verschaffung eines Kundenstamms dar (BGH, 15.11.1984 LS 3a m.w.N.). Wollte man dem Anspruch Versorgungscharakter beimessen, so hätte dies erhebliche Konsequenzen. Denn in diesem Fall wären die Vorschriften des BetrAVG anwendbar (vgl. dazu Anm. 31.3 zu OLG Köln, 17.08.2001).

zu LS 7 - Folgen einer fehlerhaften Prognose des HV über die Entwicklung für die Frage der ausgleichserhaltenden Kündigung - vgl. Saenger, Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters bei Eigenkündigung, 1997, S. 31 ff.