BGH, Urteil, 17.04.1996 - VIII ZR 5/95 - EversOK



Fundstellen
EversOK; NJW 96, 2159; LM Nr. 262 zu § 84 HGB m. Anm. Noack; VersR 96, 889; WiB 96, 745 m. Anm. Utecht; WRP 96, 747; EWiR § 89 b HGB 3/96 (Martinek); ZIP 96, 1131; DB 96, 1512; WM 96, 1555; BB 96, 1458; MDR 96, 1122; BGHR § 89 b Abs. 1 HGB Vertragshändler 2; WiB 96, 745; HVR Nr. 805; Juris; BeckRS 9998, 55417; Wolters Kluwer
Gesetz
§ 89 b HGB analog; § 667 BGB; § 675 BGB; § 35 Abs. 2 Nr. 3 BDSG; § 28 BDSG; § 11 Abs. 3 Satz 1 BDSG; § 11 BDSG; § 4 Abs. 1 BDSG
Stichworte
- Toyota 2 -; AA des VH; Kfz-VH; Verpflichtung zur Überlassung des Kundenstamms; Kundenpflege durch eine Drittfirma; Anspruch auf Löschung der Kundendaten; Namhaftmachung des Kundenstamms an ein Marketingunternehmen
Anmerkung
zu dieser Entscheidung vgl. OLG München, 16.01.2002 LS 13 - BMW 6 -; OLG Köln, 04.05.2001 LS 1 - Toyota -;

zum VHV vgl. Budczies, Der Automobilvertragshändler in Deutschland, den USA und Frankreich, Diss. Köln 1959; Detzer/Zwernemann, Ausländisches Recht der Handelsvertreter und Vertragshändler 1997; Ehinger, Die Beendigung der Geschäftsbeziehungen zum Automobilvertragshändler durch den Automobilhersteller, Diss. Göttingen 1969; Evans-von Krbek, Die analoge Anwendung der Vorschriften des Handelsvertreterrechts auf den Vertragshändler, Bielefeld o. J.; Foth, Der Ausgleichsanspruch des Vertragshändlers 1985; v. Gierke/Sandrock, Handels- und Wirtschaftsrecht, Bd. 1, 1975, S. 479 ff.; Genzow, Vertragshändlervertrag 1996; Haiber, Der Investitionsersatzanspruch des Eigenhändlers, Diss. Augsburg 1995; Hoffmann, Die Vertragsbeendigung durch den Hersteller gegenüber seinem in- und ausländischen Vertriebspartner, Diss. München 1987; Klein, Der Eigenhändler und sein Ausgleichsanspruch, Diss. Hamburg 1968; Kloubert, Die absatzstrategisch orientierte Vertragsgestaltung von Automobil-Vertragshändler-Verträgen unter besonderer Berücksichtigung der Sach-, Konflikt- und Integrationsregelungen, Diss. Gießen 1987; Kochs, Der Eigenhändler, Diss. Köln 1964; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. II Rz. 56; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. II Rzz. 56 ff.; dies., BB 88, 1972; Kümmel, DB 97, 27; Kunz, Die Anwendung der handelsvertreterrechtlichen Ausgleichsregelung (§ 89 b HGB) auf den Eigen(Vertrags)händler, Diss Köln 1967; Liesegang, Vertriebsverträge, 3.A.; Martinek, Aktuelle Fragen des Vertriebsrechts, 3.A.; Martinek/Semler/Manderla, HdB des Vertriebsrechts, § 14; Meyer, Der Alleinvertrieb, 2.A.; Niebling, Das Recht des Automobilvertriebs, Heidelberg 1996; Renz, Das Rechtsverhältnis zwischen dem Vertragshändler und seinem Lieferanten, Diss. Heidelberg 1966; Schwytz, Vertragshändlerverträge, 3.A.; Semler, Handelsvertreter- und Vertragshändlerrecht 1988; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A. Vor § 84 HGB, Rzz. 7 ff.; Schön, Die Vertragshändlerabrede, Diss. Würzburg 1968; Steffens, Der Alleinverkaufsvertrag, Diss. Hamburg 1959; Stumpf/Jaletzke/Schultze, Der Vertragshändlervertrag, 3.A.; Ulmer, Der Vertragshändler 1969; Ulmer/Brandner/Hensen, AGBG, 7.A., Anh. zu §§ 9-11, Rzz. 869 ff.; v. Westphalen, Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke, München 1996, "Vertragshändlerverträge", Stand Mai 1994; Wolf/Horn/Lindacher, AGBG, 3.A., § 9 V 21 ff.; Wolter, Rechtsprobleme der Vertriebsvereinbarung über Kraftfahrzeuge und ihre vertragliche Bewältigung 1986;

zum AA des VH, vgl. Wauschkuhn, ZVertriebsR 16, 79;

zu LS 3 vgl. BGH, 21.10.2003 LS 2 m.w.N.; 12.03.2003 LS 4; 28.06.2006 LS 2 m.w.N.; 12.01.2000 LS 2; 06.10.1999 LS 13 - Kawasaki -; OLG Jena, 12.01.2000 LS 1; OLG München, 20.12.2002 LS 7 m.w.N. - Shell 18 -; 22.12.2000 LS 39 - Aral 8 -; LG Köln, 04.03.2002 LS 4 m.w.N. - Chrysler IX -; LG Stuttgart, 31.07.2001 LS 5 - Porsche 3 -; LG Bochum, 02.02.2000 LS 7; OLG Frankfurt/Main, 06.07.1999 LS 18;

zu LS 4 vgl. LG Köln, 04.03.2002 LS 4 m.w.N. - Chrysler 9 -; LG Bochum, 02.02.2000 LS 8; Canaris, Handelsrecht, 22.A., S. 275 und Thume, BB 99, 2309, 2315, die der nicht unbedenklichen Auffassung sind, ein VH ohne vertraglich begründete Pflicht zur Überlassung des Kundenstamms besorge in erster Linie ein eigenes Geschäft. Davon kann zumindest bei einem in die Absatzorganisation eingegliederten VH, der Produkte der Marke des U exklusiv vertreibt, keine Rede sein.

4.1 Nach Sinn und Zweck der Norm des § 89 b HGB, dem Absatzmittler eine Vergütung für die Verschaffung des Kundenstamms zu gewähren, muss auch eine faktische Kontinuität der Nutzung des Kundenstamms durch den U ausreichen, eine analoge Anwendung der Vorschrift zu rechtfertigen (ebenso noch OLG Hamm, 29.01.1999 LS 7 - Aral 5 -; Köhler, NJW 90, 1689, 1691; Eckert, WM 91, 1237, 1243; a.A. OLG Hamm, 15.05.1995 LS 6; 06.03.1986 LS 23 - Kunstharzfilme -; LG Köln, 04.03.2002 LS 4 m.w.N. - Chrysler 9 -; für das anonyme Massengeschäft; aufgegeben durch OLG Hamm, 31.10.2001 LS 65 - Aral 9 - vgl. dazu auch die Anm. 7.1 zu OLG Hamm, 29.01.1999; Anm. 5 zu LG Düsseldorf, 26.02.2002; vgl. ferner Rothermel/Schulz, BB 19, 1609 ff.; Ebenroth/Parche, BB 88, Beil. 10, S. 31; Eckert, WM 91, 1237, 1243 f.; Foth, Der Ausgleichsanspruch des Vertragshändlers 1985, S. 160 ff.; Köhler, NJW 90, 1689, 1691; Martinek, Franchising 1987, S. 359 ff.; ders., EWiR 96, 803; Sandrock, FS für Robert Fischer 1979, S. 657, 675 f.; Karsten Schmidt, DB 79, 2357, 2359 f.; ders., Handelsrecht, 4.A., § 28 III 2 a; im Ergebnis wohl auch Küstner/Thume, HdB-ADR, Bd. III, Rz. 1820, der einerseits auf die vom FG zumeist ausbedungenen Einsichtsrechte in die Geschäftsunterlagen des FN verweist, andererseits aber hervorhebt, dass selbst dem FN die Kunden gar nicht bekannt sind; siehe nun auch Küstner/Thume/Schröder, HdB-VertR, Bd. III, 4.A., Teil IV Kap. 5 Rzz. 40 ff., Teil II Kap. 9 Rzz. 9 ff., der dies entsprechend neuer Tendenzen in der Rspr. bejaht).

4.2 Erforderlich für die analoge Anwendung der Vorschrift des § 89 b HGB im Falle einer faktischen Kontinuität der Nutzung des Kundenstamms durch den U ist lediglich, dass die Nutzung des Kundenstamms eine adäquat kausale Folge der Eingliederung des VH in die Absatzorganisation des U darstellt. Ist dies der Fall, beruht die Zuführung des Kundenstamms also darauf, dass der VH einem HV vergleichbare Tätigkeiten für den U ausgeübt hat, so ergibt sie sich in Folge der Betrauung eines VH mit Funktionen, die typischerweise dem HV zukommen. Dies rechtfertigt eine analoge Anwendung. Denn bleibt dem U der Kundenstamm zur Nutzung, während der VH diese Möglichkeit infolge Beendigung des VHV verliert, tritt damit die für den Tatbestand des § 89 b HGB typische Aquivalenzstörung ein (vgl. dazu nur OGH, 11.10.1990 LS 6), weshalb eine analoge Anwendung der Vorschrift geboten erscheint.

4.3 In jedem Fall wird man es für die analoge Anwendung des § 89 b HGB ausreichen lassen müssen, dass sich aus einer anderen dem VH obliegenden Verpflichtung die Folge ergibt, dass dem U der Kunde mit Name und Adresse schon während des bestehenden Vertragsverhältnisses bekannt wird, so dass sich daraus von der Beendigung des VHV an eine weitere Nutzungsmöglichkeit des Kundenstammes durch den U ergibt (so auch Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. III, 4.A., Teil II Kap. 9 Rzz. 15 f.).

zu LS 5 vgl. OLG Düsseldorf, 07.07.2000 LS 8;

zu LS 7 vgl. Simitis/Walz, BDSG, 4.A., § 11 Rz. 18; Dörr/Schmidt, Neues BDSG, 2.A., § 11 Rzz. 5 f;

zu LS 8 vgl. Simitis/Walz, BDSG, 4.A., § 11 Rz. 57;

zu LS 11 vgl. Der Begriff des Vorteils i.S. des § 667 BGB ist weit zu fassen. Auch die tatsächliche Verfügungsgewalt über Daten ist ein Vorteil i.S. dieser Norm (vgl. dazu BGH, 11.03.2004, NJW-RR 04, 1290; OLG Köln, 28.04.1997, NJW-RR 98, 273; Palandt/Sprau, BGB, 77.A., § 667 Rz. 3