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BGH, 15.10.1964 - VII ZR 150/62 - (Urteil)

BGH, 15.10.1964 - VII ZR 150/62 - (Urteil)

Fundstellen

EversOK; BGHZ 42, 244; NJW 65, 248; BB 64, 1399 m. Anm. Wittmann; DB 64, 1733; VersR 64, 1267; HVR Nr. 337 LS; HVuHM 65, 86; LM Nr. 22 zu § 89 b HGB m. Anm. Rietschel; Juris; BeckRS 64 LS; Prinz Law

Gesetz

§ 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB

Stichworte

AA des TStH; Darlegungs- und Beweislast; Begriff neuer Kunde; Unternehmervorteile; kompensierender Billigkeitsgesichtspunkt; Serviceleistung für Altkunden; spezifizierte Kundenliste; Billigkeit; Umsatzrückgang; Rückgang des Gesamtumsatzes; Provisionszahlungen an den Nachfolger des HV; Zahlungen an den Vertretungsnachfolger

Anmerkung

Vorinstanz OLG Düsseldorf, 12.04.1962;

zu LS 2 - Unbedenklichkeit eines Pachtvertrages - vgl. KG, 17.10.1980 LS 1; OLG Karlsruhe, 04.07.1984 LS 3; LG Dortmund, 19.02.1968 LS 1; - HV-Eigenschaft des TStH - vgl. BGH, 09.06.1969 LS 4; 25.10.2000 LS 3; OLG Hamburg, 28.11.1979 LS 1 m.w.N.;

zu LS 2a vgl. BGH, 25.10.2000 LS 3 m.w.N.; Westphal, Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter, 1998, Rz. 962;

2a.1 Es begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken, Mitarbeiter eines Dritten schon dann als Altkunden anzusehen, wenn diesen auf Grund einer Vereinbarung zwischen dem U und dem Dritten besondere Vergünstigungen eingeräumt werden. Zwar ist dem Senat im Ausgangspunkt beizupflichten, dass ein Kunde nur dann als vom TStH geworben angesehen werden kann, wenn er auch für den U neu ist, wenn er also nicht zuvor bereits von dem U oder dessen Absatzmittler Produkte des U bezogen hat (OLG Düsseldorf, 15.01.1982 LS 3 m.w.N.). Im Streitfall kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass die Mitarbeiter des Dritten, mit dem der U den Rahmenvertrag geschlossen hat, bereits als Kunden angesehen werden können. Maßgeblich hierfür ist der Umstand, dass der Mitarbeiter auch nach Abschluss der Rahmenvereinbarung in seiner Entscheidung frei bleibt, Kraftstoffe der Marke des U zu beziehen.

2a.2 Von einer Geschäftsverbindung zu einem Kunden kann erst dann gesprochen werden, wenn der Kunde das maßgebliche Erstgeschäft mit dem U geschlossen hat, auf Grund dessen er sich zum Bezug der Produkte des U verpflichtet. Eine Rahmenvereinbarung, die Mitarbeitern des den Rahmenvertrag mit dem U Schließenden Vergünstigungen im Falle des Abschlusses eines Vertrages mit dem U einräumt, ist vergleichbar mit dem Abschluss eines so genannten unechten Gruppenversicherungsvertrages. Für diesen ist anerkannt, dass nicht bereits mit dem Zustandekommen der Rahmenvereinbarung sämtliche Gruppenmitglieder als geworbene Kunden anzusehen sind (vgl. BGH, 01.12.1960 LS 11), sondern erst mit dem Abschluss der Einzelversicherung mit dem Gruppenmitglied. Dem U eröffnen sich durch den Rahmenvertrag mit dem Dritten lediglich mehr oder weniger gute Aussichten, eine größere Zahl von Einzelabschlüssen mit Mitarbeitern des Dritten zu tätigen. Unter diesen Umständen geht es nicht an, nach dem Zustandebringen einer Rahmenvereinbarung durch denn U auch schon alle durch die Vereinbarung begünstigten Mitarbeiter als Altkunden anzusehen, wenn die einzelnen Mitarbeiter in dem Entschluss, ob sie auf Grund des Rahmenvertrages Kraftstoffe des U tanken wollen, völlig frei bleiben (vgl. BGH, 01.12.1960 LS 12).

zu LS 2b - nur mit Stammkunden kann eine Geschäftsverbindung bestehen - vgl. LG Berlin, 15.11.1999 LS 2 - Shell 14 -;

zu LS 3 vgl. OLG Hamburg, 28.11.1979 LS 4; 10.09.1981 LS 5; LG Frankfurt/Main, 09.05.1980 LS 4; vgl. aber BGH, 06.08.1997 LS 14; 15.11.1984 LS 3b; LG Wiesbaden, 29.07.1999 LS 2 - Nassauische Brandversicherungsanstalt -;  a.A. OLG Düsseldorf, 05.02.1993 LS 1 m.w.N.;

zu LS 4 vgl. BGH, 06.08.1997 LS 7 - BP 1 -; 06.08.1997 LS 14 - Esso 2 -; 06.08.1997 LS 14, 16 - Aral 2 -; 29.11.1984 LS 5 - Agip -; 28.03.1974 LS 14 - TUI 1 -; 31.05.1965 LS 14; 10.07.2002 LS 4 - Esso 5 -; OLG Düsseldorf, 20.01.1972 LS 1; LG Hamburg, 28.09.2000 LS 8 m.w.N. - Shell 16 -; Westphal, Vertriebsrecht Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rz. 964; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VII Rz. 31;

zu LS 5 vgl. OLG Hamburg, 10.09.1981 LS 9 m.w.N.;

zu LS 5a vgl. BGH, 24.09.2020 LS 8; OLG Schleswig, 01.11.1957 LS 3Kaumanns, Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters 1971, S. 157; Schröder, DB 58, 43, 44; Spiecker, IHV 68, Nr. 17, 10, 12;

zu LS 6 vgl. 29.03.1990 LS 4 m.w.N., 18; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rzz. 10, 18 c; vgl. aber auch OLG Karlsruhe, 11.10.1988 LS 8 m.w.N.; LG Passau, 11.01.2001 LS 21 - Erich Ammer -;

zu LS 7 vgl. BGH, 13.01.2010 LS 13; 14; OLG Celle, 07.01.1971 LS 10; 11.03.1961 LS 25; LG Frankfurt/Main, 07.12.1981 LS 17; LG Würzburg, 14.07.1975 LS 20; Anm. 13.1 zu LG Osnabrück, 10.08.2001 - AachenMünchener 2 -; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A. § 89 b Rzz. 11, 68 a. E.; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VIII Rz. 103; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 89 b Rz. 63; vgl. aber BGH, 16.03.1972 LS 8; a.A. LG München, 21.03.1990 LS 11 m.w.N.;  LG Braunschweig, 23.04.1970 LS 14; vgl. BGH, 06.10.2010, LS 11; 29.04.2009, LS 25;

zur Frage, ob Provisionen an den Nachfolger des HV die Unternehmervorteile mindern, vgl. verneinend BGH, 21.03.1963 LS 12 - Uelzener -; KG, 15.09.1994 LS 18; OLG Frankfurt/Main, 27.05.1966 LS 9; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rz. 9 a.E.; Reinecke, NJW 53, 1609; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 83; vgl. aber OLG Stuttgart, 20.05.1999 LS 20 m.w.N.