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BGH, 21.05.1975 - I ZR 141/74 - (Urteil)

BGH, 21.05.1975 - I ZR 141/74 - (Urteil)

Fundstellen

Gesetz

§ 89 b Abs. 3 Satz 2 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB; § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB; § 89 b Abs. 5 HGB

Stichworte

AA des VV; wichtiger Grund; lässliche Sünde; Konkurrenztätigkeit während der Kündigungsfrist; Rundschreiben an die Kunden; Abschiedsschreiben an die VN; Kundenschreiben; Kundenanschreiben; nachvertragliche Nutzung des Kundenstamms durch Konkurrenztätigkeit als anspruchsmindernder Billigkeitsgesichtspunkt; AA bei nachvertraglicher Konkurrenztätigkeit des HV; Billigkeit; vertragswidriges Verhalten des VV; nachvertragliche Wettbewerbstätigkeit; nachvertraglicher Wettbewerb; "Grundsätze" zur Errechnung der Höhe des AA

Anmerkung

zu LS 1 vgl. LG Berlin, 26.02.2003 LS 1 m.w.N.;

zu LS 3 - Gleichstellung von Ausschluss und Beschränkung nach dem Unabdingbarkeitsgrundsatz - vgl. Geßler, Der Ausgleichsanspruch der Handels- und Versicherungsvertreter 1953, S. 84; - "Grundsätze" als Vereinbarung der Spitzenverbände der Versicherungswirtschaft und des Versicherungsaußendiestes - vgl. LG München I, 11.03.2005 LS 2 m.w.N.; zum Abdruck der Grundsätze vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Anhang, S. 933 ff.;

zu LS 4 vgl. LS 17;

zu LS 5 vgl. BGH, 05.06.1996 LS 26, 27; BGH, 21.02.1989 LS 17 - Frankiermaschinen -; 27.02.1981 LS 15; 26.11.1976 LS 2, 4; 14.11.1966 LS 7; 12.12.1963 LS 2, 25.04.1960 LS 24 - Verarbeitungskontingent -; 22.09.1960 LS 1; OLG Rostock, 04.03.2009 LS 22; OLG Braunschweig, 08.03.1968 LS 23; OLG Hamm, 14.03.2003 LS 9; OLG Celle, 13.11.1969 LS 7; OLG Frankfurt/Main, 03.06.1967 LS 14; 27.05.1966 LS 30; OLG Karlsruhe, 27.03.1981 LS 20 - Matratzen und Polstermöbel -; OLG Stuttgart, 22.12.1994 LS 24 - Fiat/Lancia -; LG Bremen, 11.04.1968 LS 3; Baumbach/Hopt, HGB, 40.A., § 89 b Rz. 40; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 89 b Rz. 23; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 89 b Rz. 53; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 115; MünchKommHGB/Ströbl 5.A., § 89 b Rz. 133; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VIII Rz. 88; Anm. 1.1 zu BGH, 22.09.1960; vgl. aber auch GH, 17.10.1984 LS 3 m.w.N.; LG Mönchengladbach, 25.03.1993 LS 7; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 89 b Rz. 162; vgl. aber auch BGH, 29.04.1993 LS 7 m.w.N.; LG Göttingen, 28.12.1979 LS 4;

Ist der HV Mehrfirmenvertreter, ist eine Anspruchsminderung bereits dann gerechtfertigt, wenn der HV durch die Vertragsbeendigung infolge fortbestehender Nutzungsmöglichkeit für den Kundenstamm weniger hart betroffen ist als wenn er die Kundenverbindungen endgültig verliert (BGH, 02.02.1961 LS 7; OLG Frankfurt/Main, 03.06.1967 LS 14; 27.05.1966 LS 30; Geßler, Der Ausgleichsanspruch der Handels- und Versicherungsvertreter 1953, S. 78; a.A. OLG Karlsruhe, 27.03.1981 LS 20 - Matratzen und Polstermöbel -).

zu LS 6 vgl. OLG Frankfurt/Main, 15.10.2003 LS 3;

zu LS 7 vgl. LG Berlin, 26.02.2003 LS 1; OLG Düsseldorf, 07.07.2000 LS 12 m.w.N.; 17.12.1999 LS 8 - Implantate und medizinische Geräte -;

zu LS 9 vgl. BGH, 25.11.1977 LS 5 m.w.N.;

zu LS 10 - erhöhte Anforderungen an die Feststellung eines wichtigen Grundes bei einem Wettbewerbsverstoß während der Kündigungsfrist - vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 a Rz. 19; a.A. OLG München, 09.11.1994 LS 1 m.w.N.;

zu LS 11 vgl. aber OLG Frankfurt/Main, 15.10.2003 LS 3;

zu LS 14 vgl. OLG Düsseldorf, 26.03.2004 LS 7;

zu LS 15 vgl. die Anm. zu LS 3; vgl. BGH, 08.05.2014 LS 18; 29.06.1967 LS 6; OLG München, 21.12.2005 LS 14 - Allianz 9 -; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 208;

zu LS 16 vgl. OLG Köln, 23.10.2015 LS 2 - DEVK 11 -; OLG Frankfurt/Main, 30.06.2000 LS 12 - Nassauische Bradnversicherungsanstalt -; OLG Hamm. 02.03.1989 LS 4; KG, 11.01.1988 LS 1; LG Hannover, 07.06.2001 LS 3 - Concordia -; Ammermann, Atypische Vergütung des Versicherungsvertreters und der Ausgleichsanspruch nach § 89 b HGB 1972, S. 148; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rzz. 43 ff.; Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 5.A., S. 211; Küstner, v. Manteuffel & Evers, Hrsg., Der Ausgleichsanspruch des Versicherungs- und Bausparkassenvertreters 1998, Ziff. III.1.2, S. 116;

zu LS 17 vgl. BGH, 08.05.2014 LS 9 - DVAG 27 -; KG, 11.01.1988 LS 2; OLG Rostock, 04.03.2009 LS 18, 22 (anspruchsmindernde Berücksichtigung der nachvertraglichen Wettbewerbstätigkeit des VV); LG Köln, 04.07.1997 LS 10; LG Düsseldorf, 05.03.1981 LS 7; LG Bremen, 01.07.1975 LS 3; LG Bonn, 07.03.1979 LS 4; LG Nürnberg-Fürth, 30.09.1975 LS 2; LG München, 10.03.1975 LS 6; 04.07.1974 LS 6; Küstner, Grundsätze zur Errechnung der Höhe des Ausgleichsanspruchs 1997, Rzz. 229, 230; Müller-Stein, VW 00, 1331; Specks, Der Ausgleichsanspruch des Versicherungsvertreters gemäß § 89 b HGB, S. 147; vgl. auch die Rechtsprechungsübersicht in VW 76, 517; vgl. aber OLG Düsseldorf, 04.07.1979 LS 7, wonach die "Grundsätze" eine für den Regelfall dem Billigkeitsempfinden entsprechende Staffelung gefunden haben; vgl. LG Stuttgart, 28.01.2000 LS 17; a.A. wohl OLG Frankfurt/Main, 22.10.1985 LS 4, das davon ausgeht, dass die "Grundsätze" die Billigkeit schematisch berücksichtigen. Der Prüfung des Ausgleichsergebnisses nach den "Grundsätzen" dürfte heute § 5 AGBG entgegenstehen.

17.1 Soweit in der Literatur die Auffassung vertreten wird, bei einer dem VV vom U gewährten Fixvergütung handele es sich um besondere Umstände i. S. der Ziff. VI der "Grundsätze", die eine andere Regelung zur Errechnung des AA als gerechtfertigt erscheinen lassen (so etwa Müller-Stein, VW 00, 1331), ist darauf hinzuweisen, dass solche Umstände nicht zu einer konkret abweichenden Berechnung führen, sondern lediglich materiell die Möglichkeit eröffnen, die Gutachterstelle anzurufen. In formeller Hinsicht setzt die Tätigkeit der Gutachterstelle jedoch zudem voraus, dass beide Parteien deren Anrufung zustimmen. Nach ihrem ausdrücklichen Wortlaut gestatten die "Grundsätze" es weder einer Partei noch dem Gericht, das Rechenwerk der "Grundsätze" zu ändern und auf diese Weise zu einem Ergebnis zu kommen.

17.2 Der Kritik an den "Grundsätzen" dergestalt, sie würden eine von den konkreten Umständen lösgelöste allgemeine Globalregelung verkörpern, die dem Billigkeitsgesichtspunkt des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB mit seiner Forderung nach einer völlig individuellen Festlegung der Ausgleichsleistung nicht ausreichend gerecht, ist der GDV unter Hinweis darauf entgegengetreten, dass allein eine allgemein gültige Berechnungsmethode des AA die Gleichbehandlung gleicher Tatbestände gewährleiste und damit zu einer gerechten Lösung für den Einzelfall führe, indem sie verhindere, dass bei einer überspitzten Berücksichtigung der von Fall zu Fall gegebenen konkreten Umstände nach unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben aus dem summum ius zwangsläufig eine summa iniuria werde (23. GBGDV 70/71, S. 82).  

zu LS 18 - Rechtsnatur der "Grundsätze" als AGB - vgl. OLG Köln, 19.09.1996 LS 12 m.w.N.; Stötter, K., Das Recht der Handelsvertreter, 5.A., S. 225; Küstner, v. Manteuffel & Evers, Hrsg., Der Ausgleichsanspruch des Versicherungs- und Baussparkassenvertreters 1998, Ziff. III.1.1, S. 112f.;

zu LS 19 vgl. aber OLG Hamm, 21.07.2004 LS 31 - Westfälische Provinzial 5 -;

zu LS 20 vgl. BGH, 28.06.2006 LS 10 m.w.N.;

zu LS 22 vgl. BGH, 16.02.2000 LS 6 m.w.N.; 27.02.1981 LS 14