Logo EversOK

LG Hannover, 28.05.2001 - 21 O 2196/99 (60) - (Urteil)

LG Hannover, 28.05.2001 - 21 O 2196/99 (60) - (Urteil)

Fundstellen

EversOK; VW 01, 1048

Gesetz

§ 87 Abs. 1 HGB; § 87 Abs. 3 HGB; § 89 b Abs. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, 2. Var. HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB; § 89 b Abs. 4 HGB; § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB; § 89 b Abs. 5 HGB; § 92 Abs. 3 HGB; § 92 Abs. 4 HGB; § 9 AGBG; § 287 ZPO

Stichworte

- BHW 3 -; AA des Bausparkassenvertreters; "Grundsätze" Bauspar; Kundschaftsvergütung; Unabdingbarkeitsgebot; Prognosezeitraum 7 Jahre; lineare Abwanderungsquote

Anmerkung

rkr.; bestätigt durch die Berufungsentscheidung des OLG Celle, 16.05.2002 - 11 U 193/01 -; der BGH hat die von dem Bausparkassenvertreter erhobene Nichtzulassungsbeschwerde mit Beschluss vom 06.05.2003 - VIII ZR 164/02 - unter Hinweis auf § 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO zurückgewiesen. Von einer Begründung wurde gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2, 2. HS HGB abgesehen. Gegen diese Entscheidung hat der Bausparkassenvertreter Verfassungsbeschwerde erhoben. Diese hat das BVerfG mit Beschluss vom 11.11.2003 - I BVR 1169/03 - nicht zur Entscheidung angenommen; vgl. zu der Entscheidung vgl. auch Küstner, VW 01, 574 ff.; ders., VersR 02, 513, 523;

zu LS 1 vgl. aber OLG Hamburg, 26.03.1992 LS 2 m.w.N.;

zu LS 3 - Unternehmervorteile der Bausparkasse beim AA des Bausparkassenvertreters - vgl. Dreyer/Haskamp, ZVertriebsR 16, 366;

zu LS 7 7.1 Die Ansicht, der AA des VV diene dazu, eine nicht vollständig vergütete Akquisitionsleistung des VV abzugelten, ist verbreitet (vgl. OLG Celle, 11.03.1961 LS 1 - Uelzener -; Schnug, Der Syndicus 99, 54). Sie geht wohl auf die Entscheidung des BGH vom 13.05.1957 (LS 33 m.w.N.) zurück. Wie der AA des HV (vgl. dazu BGH, 05.06.1996 LS 4 m.w.N. - Fiat/Lancia -) stellt aber auch der Ausgleich beim VV eine Vergütung für die Verschaffung eines Kundenstamms dar (BGH, 04.05.1959 LS 5 m.w.N.). Für die Verschaffung des Kundenstamms ist der VV nicht abschließend vergütet, solange er aus Geschäften des U mit den von ihm gewordenen Kunden Provisionen erwarten kann (arg. e § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB 1953).

7.2 zur Erforderlichkeit einer Provisionsverzichtsklausel vgl. OLG Düsseldorf, 01.07.1994 LS 6 m.w.N.;

zu LS 10 In der Tat hat die höchstrichterliche Rechtsprechung bisher verkannt, dass die Tatbestandsvoraussetzung des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB 1953 nach dem Wortlaut der Norm des § 89 b Abs. 5 HGB nicht modifiziert wird (vgl. dazu die Anm. 15.1 zu BGH, 23.02.1961).

zu LS 13 - Verlängerung und Summenerhöhung stets als enger wirtschaftlicher Zusammenhang - vgl. OLG Celle, 25.11.1992 LS 2; - Aufstockung als enger wirtschaftlicher Zusammenhang - vgl. OLG Stuttgart, 21.07.1965 LS 16 Tiret 1 m.w.N. - GdF Wüstenrot 3 -;

zu LS 14 vgl. Küstner, VersR 02, 513, 523;

zu LS 15 vgl. auch Anm.19.2 zu BGH, 12.01.2000;

zu LS 36 Allgemein ist von dem Grundsatz auszugehen, dass sich die Abwanderungsquote bei linearer Fortschreibung den Prognosezeitraum maximiert, wenn keine Sondereinflüsse vorliegen, die im Einzelfall eine längere oder kürzere Zeitspanne rechtfertigen (vgl. dazu im Einzelnen die Anm. 22.1 f. zu BGH, 04.06.1975 - Lottoannahmestelle -);

zum Verhältnis zwischen linearer Abwanderungsquote und Prognosezeitraum vgl. OLG Hamburg, 08.07.1982 LS 11 m.w.N. - Shell 6 -;

zu LS 37 vgl. OLG Karlsruhe, 27.03.1981 LS 11 m.w.N. - Matratzen und Polstermöbel -;

zu LS 39 Mit Rücksicht darauf, dass die Abzinsung ein Aspekt der Billigkeit i.S. des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB darstellt (vgl. dazu LS 37 dieser Entscheidung sowie OLG Karlsruhe, 27.03.1981 LS 11 m.w.N. - Matratzen und Polstermöbel -) und dass im Rahmen der Billigkeitsprüfung anspruchserhaltende anspruchsmindernde Gesichtspunkte kompensieren können, kommt eine Abzinsung nicht in Betracht, wenn der HV darlegt, dass die Vornahme der Abzinsung nicht der Billigkeit entspricht (vgl. dazu BGH, 02.07.1987 LS 33 - Renault 3 -).

zu LS 40 vgl. aber OLG Stuttgart, 22.02.1971 LS 28;

zu LS 41 - Abstellen auf den Rückkaufswert unter Einschluss der Zinsen - OLG Düsseldorf, 22.12.1995 LS 7; 24.02.1995 LS 7; OLG Hamm, 21.04.2004 LS 61 - Westfälische Provintial 5 -; OLG Nürnberg, 10.09.2003 LS 12 - DEVK 5 -; LG Regensburg, 28.02.2003 LS 9 - DEVK 5 -; LG München I, 95.02.2003 LS 25 - Münchener Verein -; a.A. OLG München, 10.11.2010 LS 15 m.w.N.;

- Abstellen auf den Kapitalwert der Altersversorgung - vgl. BGH, 18.02.1982 LS 11; OLG Saarbrücken, 18.05.1988 LS 9; OLG Köln, 17.08.2001 LS 44 - Axa Colonia 2 -; OLG Celle, 16.05.2002 LS 39 - BHW 3 -;OLG München, 10.11.2010 LS 15 m.w.N.; LG Köln, 04.07.1997 LS 11; LG Bonn, 22.09.2015 LS 6; LG Stuttgart, 16.05.2000 LS 10; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 132; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 74; Röhricht/v. Westphalen/Küstner, HGB, § 89 b Rz. 78; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. X Rz. 47; Küstner/v. Manteuffel/Evers, HdB-ADR, Bd. II, 6.A. Rz. 1034; ders., BB 76, 1485, 1487; ders., BB 63, 1147; Thume, BB 02, 1325, 1327; Hoffmann, Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters 1966, S. 60; Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 3.A., S. 308; Bruck/Möller, VVG, Anm. 379 vor §§ 43-48; Tschuk, Der Ausgleichsanspruch bei Beendigung des Handelsvertreterverhältnisses 1994, S. 67; Martin, DB 66, 1837, 1839; Höft, VersR 66, 842, 845; Martinek, FS für Lüke 1997, S. 409 ff. sub II. 3 b; a.A. Evers/Kiene, ZfV 01, 618, 621 ff., = Sonderdruck, S. 12, 628 f. = Sonderdruck, S. 19f. (keine anspruchsmindernde Berücksichtigung der Zinsen); im Ergebnis ebenso Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung, 1955, S. 419, Leuze, VersVerm 54, 78, die auf die vom U gezahlten Beiträge abstellen, ebenso wohl Rhein, VW 55, 151, 154, der auf den kapitalisierten Wert der Beiträge des U zu der Altersversorgung des Vertreters abstellt; im Ergebnis auch Lohmüller/Josten/Beuster, Handels- und Versicherungsvertreterrecht, Anm. 14 zu § 89 b HGB, die die vom U aufgewendeten Kosten für die Altersversorgung anspruchsmindernd berücksichtigen wollen; ähnlich wohl auch Semler/Flohr (Vertriebsrecht, § 9 Rz. 21), der auf die Leistungen des U für die Altersversorgung des HV abstellt; demgegenüber wollen Löwisch (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 165) und Schröder (Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rz. 19 den Wert zugrunde legen, den der HV oder sein Erbe durch die Rentenleistung erhält. Weitergehend sieht Westphal (Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter, 1998, Rz. 1049) es als nicht zwingend an, lediglich den Barwert in Ansatz zu bringen, nach seiner Auffassung soll die Anspruchsminderung durch Ansatz einer Quote noch erhöht werden, wenn die Zahlung eines AA neben der Versorgung unbillig erscheine;

41.1 Die Anrechnung des Kapitalwerts ist vor dem Hintergrund bedenklich, dass sie in der Konsequenz darauf hinausläuft, dass der AA in Raten zu zahlen ist. Eine Ratenzahlungsvereinbarung für den AA wird zutreffend überwiegend als eine Regelung angesehen, durch die der AA i.S. des § 89 b Abs. 4 Satz 1 HGB beschränkt wird (LG Heidelberg, 02.07.2010 LS 1 - MLP -; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 71; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 206; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 89 b Rz. 54; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 89 b Rz. 255; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 89 b Rz. 365 Stichwort Fälligkeitsabreden; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 105, BeckOK-HGB/Lehmann, § 89 b Rz. 132; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 209; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, Kap. XIII Rz. 41; Martinek/Semler/Flohr, Handbuch des Vertriebsrechts, 4.A., § 22 Rz. 98). Wenn überhaupt, wird eine solche Vereinbarung nur bei einer angemessenen Verzinsung als zulässig angesehen (vgl. OLG Oldenburg, 12.10.1972 LS 2 m.w.N. - MVV -). Da der AA mit Vertragsbeendigung zur Zahlung fällig wird (vgl. OLG Hamm, 05.05.1980 LS 1 m.w.N.), widerspräche es der Wertentscheidung des Gesetzgebers, den Kapitalwert in Ansatz zu bringen, weil dies im Ergebnis dazu führt, dass dem HV ein Teil seines Ausgleichs in Raten gezahlt wird und dieser Teil keiner Verzinsung unterliegt (Evers/Kiene, ZfV 01, 618, 623; weitergehend Specks, Der Ausgleichsanspruch des Versicherungsvertreters, gemäß § 89 b HGB, S. 104f.).

41.2 Nach Auffassung von Thume, BB 02, 1525, 1529 soll eine Inhaltskontrolle der Abrede über die Anrechnung des Kapitalwerts der Altersversorgung nach Maßgabe des § 9 AGBG bzw. des § 307 BGB nicht in Betracht kommen, weil es sich bei der Abrede um eine Leistungsbeschreibung i.S. des § 8 AGBG bzw. des § 307 Abs. 3 BGB handeln soll. Dem kann nicht beigetreten werden. Der Anwendungsbereich der Vorschrift des § 9 AGBG bzw. des § 307 BGB dürfte spätestens über die Norm des § 7 AGBG bzw. des § 306 a BGB eröffnet sein (vgl. dazu OLG Hamm, 02.09.1999 LS 13 - Aral 4 -).
 
zu LS 42 vgl. a.A. OLG Düsseldorf, 24.02.1995 LS 18 m.w.N.; LG München I, 10.08.2000 LS 6 - Allianz 5 -; vgl. auch die Anm. 11.1.3 zu LG Düsseldorf, 15.08.1990; v. Westphalen, DB 00, 2255, 2258 f., 2259;

zu LS 43 Die Kammer verkennt, dass eine dem HV auf die Herbeiführung von Vermittlungs- und Abschlusserfolgen versprochene Vergütung einem Typenzwang unterliegt (vgl. dazu die Anm. 4.2 zu ArbG Oberhausen, 20.04.1999). Dass eine solche Vergütung kraft Rechtsformzwangs als Provision zu qualifizieren ist, folgt aus der Ausstrahlungswirkung der zwingenden Schutzvorschriften über die Provision (§§ 87 a, 87 c HGB). Nur unter der Voraussetzung, dass eine Leistung des U zur betrieblichen Altersversorgung unabhängig von dem konkreten Erfolg des Vertreters bei seiner Vermittlungs- und Abschlusstätigkeit versprochen und geleistet wird, würde es sich nicht um eine Provision im Rechtssinne der Vorschrift des § 87 Abs. 1 HGB handeln (vgl. auch Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 Rz. 8).

zu LS 44 Im Streitfall hatte der Bausparkassenvertreter sich gegen die Qualifizierung der Versorgungsvereinbarung als besonders günstige Vertragsbedingung mit dem Argument zur Wehr gesetzt, dass er einer Ausschließlichkeitsorganisation angehörte. Über das in § 86 Abs. 1, 2. HS HGB vorgesehende Wettbewerbsverbot hinaus war der Bausparkassenvertreter in der Weise vertraglich an die vertretene Bausparkasse gebunden, dass ihm auch eine Tätigkeit für Kreditinstitute, Versicherungen, Kapitalanlage-Gesellschaften, Kapitalsammelstellen und Maklerunternehmen nicht gestattet war, und zwar jeder Art. Die Kammer hätte diesen Vortrag im Rahmen der Billigkeitsprüfung unter dem Gesichtspunkt anspruchserhaltender Umstände prüfen müssen. In der Tat ist es in der Rechtsprechung anerkannt, dass es zu Gunsten des Vertreters bei der Billigkeitsprüfung ins Gewicht fällt, wenn dieser lange Zeit ununterbrochen für den vertretenen U tätig war und er seine gewerbliche Tätigkeit ausschließlich auf diesen ausgerichtet hat (vgl. OLG Düsseldorf, 08.02.1977 LS 9 - Lichtkuppeln -; LG Würzburg, 14.07.1975 LS 17). Auch wenn eine lange Vertragsdauer und eine besonders intensive Tätigkeit des Vertreters für sich genommen aber nicht ausreichen, eine Berücksichtigung der Leistungen des vertretenen Unternehmers für die Altersversorgung des Vertreters unter dem Gesichtspunkt der Billigkeit nach Maßgabe des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB ausschließen (LG Hannover, 04.03.1976 LS 23), so muss der anspruchserhaltende Umstand bei der Billigkeitsabwägung in jedem Fall aber berücksichtigt werden.