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OLG Frankfurt/Main, 19.06.1972 - 5 U 69/71 - (Urteil)

OLG Frankfurt/Main, 19.06.1972 - 5 U 69/71 - (Urteil)

ECLI

ECLI:DE:OLGHE:1972:0619.5U69.71.0A

Fundstellen

BB 73, 212; RVR 73, 16, 22; HVR Nr. 458; HVuHM 72, 1264; DRspr II (210) 224 c; BetrAV 74, 89; VW 73, 1522; v + r 73, 153; Juris LS

Gesetz

§ 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB

Stichworte

- elektrische Haushaltsgeräte -; AA des HV; langlebige Wirtschaftsgüter; Unternehmervorteile; AA bei Umstellung o. Änderung des Vertriebssystems; nachvertragliche Umsatzentwicklung; Umstellung vom Direktvertrieb auf Vertrieb an Groß- und Einzelhändler; mittelbare Vorteile; Beweiserleichterung; Darlegungs- und Beweislast; Vermutung für die Fortdauer der Geschäftsverbindung; Umsatzrückgang; Anrechenbarkeit der Altersversorgung auf den AA; Direktversicherung; Lebensversicherung; Billigkeit; Kompensation; kompensierender Billigkeitsgesichtspunkt; Saldierung

Anmerkung



zu LS 1 vgl. BGH, 20.11.1969 # LS 3; LG Mainz, 16.09.1977 LS 3; LG Stuttgart, 14.12.1972 LS 4; Anm. 10.8 zu OLG Celle, 16.05.2002 - BHW 3 -; Anm. 6.1 zu LG München I, 19.04.2002 - AMC 2 -; vgl. ferner Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rz. 6 d, Horn, ZIP 88, 137, 142; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., unterscheidet dabei nach Privatkundengeschäften (§ 89 b Rz. 8: keine Geschäftsverbindung) und Geschäften mit gewerblichen Abnehmern Rz. 37 a. E. dauerhafte Geschäftsverbindung; vgl. dazu auch Ahle, DB 63, 1703; a.A. wohl Meyer, BB 70, 780, 786: keine Beweiserleichterung beim Vertrieb langlebiger Wirtschaftsgüter; vgl. auch Leiss, Der Anspruch des Agenten auf Entschädigung für die Kundschaft in rechtsvergleichender Sicht, S. 129; Eberstein, Der Handelsvertreter-Vertrag, 7.A., S. 98 unterscheidet zwischen Investitionsgütern (= keine Fortdauervermutung) und langlebigen Gebrauchsgütern (= Fortdauervermutung); vgl dazu auch Lohmüller/ Josten/Beuster, Handels- und Versicherungsvertreterrecht, 2.A., Stand 12/1971, Anm. 6 A zu § 89 b HGB;

zu LS 2 vgl. OLG Düsseldorf, 21.12.1979; LG Hamburg, 05.11.1954; Baumgärtel/Giemulla, Handbuch der Beweislast im Privatrecht, Bd. IV, § 89 b Rz. 2; Wolff, BB 78, 1246; Meyer, BB 55, 299; Schröder, BB 54, 477;

zu LS 3 vgl. BGH, 01.12.1983 # LS 3; OLG Oldenburg, 23.07.1970 LS 9; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 37; Küstner, HdB-ADR, Bd. II, 4.A., Rzz. 142, 502; siehe dazu Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. XVII Rzz. 22 ff.; a.A. OLG Oldenburg, 28.11.1962 LS 2;

zum Vorteil des U bei Vertriebsumstellung auf Großhändler vgl. aber BGH, 09.11.1967 LS 1 m.w.N.;

zu LS 4 vgl. aber BGH, 30.01.1986 LS 4 m.w.N.;

zu LS 5 vgl. OLG Düsseldorf, 24.02.1995 LS 8 m.w.N.; vgl. aber einerseits OLG Celle, 16.05.2002 LS 36 - BHW 3 - (volle Minderung) sowie andererseits Evers/Kiene, ZfV 01, 618, 627 = Sonderdruck, S. 18, wonach eine Minderung im Umfang eines Leistungszuschlags mit Provisionscharakter insgesamt nicht statthaft erscheint;

5.1 Es ist anerkannt, dass bei der Billigkeitsprüfung sämtliche Aspekte gegeneinander abzuwägen sind, die für und gegen eine Anspruchsminderung sprechen (BGH, 21.11.1960 LS 16 m.w.N.; vgl. auch Anm.1.3 zu LG Köln, 23.05.2000 - Axa Colonia 2 -). Erfüllen sich von dem U bei Abschluss des HV abgegebene großen Versprechungen für den HV nicht, rechtfertigt dies die Annahme eines gegen eine Anspruchsminderung sprechenden kompensierenden Billigkeitsgesichtspunkts. In Ansehung dieses Umstandes ist eine anspruchsmindernde Berücksichtigung einer vom U finanzierten Altersversorgungsleistung nicht vollumfänglich möglich. Ähnliches gilt in den Fällen, in denen der HV durch eine in der Disposition des U stehende Maßnahme zur Kündigung des HVV aus begründetem Anlass gedrängt wird (vgl. LG Berlin, 26.01.1973 LS 3) oder in denen der HV auf Leistungen des U verzichtet hat (vgl. BGH, 19.11.1970 LS 43).

5.2 Mit Rücksicht darauf, dass die Höhe der Leistungen des U für die Direktversicherung des HV von der Produktion des U abhängig ausgestaltet war, sind die Leistungen des U für die Altersversorgung tatsächlich als Umsatztantieme anzusehen und nicht als Provision i.S. des § 87 Abs. 1 HGB, weil der HV insoweit an dem Gesamterfolg des U beteiligt wird.

5.3 Hinsichtlich des Prämienanteils, den der U für die Direktversicherung aufgewandt hat, der vom Bestand des HVV abhängig war, wird man davon auszugehen haben, dass der HV diesen Leistungsanteil durch die von ihm geleistete Betriebstreue verdient hat, so dass insoweit eine Anrechnung unter dem Gesichtspunkt der Billigkeit ausscheiden muss (vgl. OLG Düsseldorf, 24.02.1995 LS 8 m.w.N.).