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OLG Oldenburg, 04.06.1987 - 1 U 266/86 - (Urteil)

OLG Oldenburg, 04.06.1987 - 1 U 266/86 - (Urteil)

Fundstellen

EversOK; HVR Nr. 672 LS

Gesetz

§ 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB; § 89 b Abs. 3 Satz 2 HGB; § 89 b Abs. 3 Nr. 3 HGB

Stichworte

- Hüppe -; Trennwände; Schrankwände; Holzfaltwände; Trennvorhänge; Falttüren; AA des HV; neuer Kunde; neugeworbene Kunden; langlebige Wirtschaftsgüter; Investitionsgüter; Basisjahr; Vermutung für die Fortdauer der Geschäftsverbindung; Basisbetrag für die Prognose; ausgleichsausschließender wichtiger Grund; Nichterreichen eines Umsatzziels; Verwaltungsprovision; Montagevergütung; Aufmaß; technische Vergütung; Vereinbarung der Fortsetzung eines Vertrages; Erheblichkeit der Unternehmervorteile; Umsatzziel; Umsatzzielverfehlung; unternehmerseitige Nachfolgevereinbarung; Austausch des U; Vertragsübernahme; HVV

Anmerkung

zu LS 1 vgl. BGH, 10.05.1995 LS 15 m.w.N.; zur Frage der Vertragsidentität bei der Nachfolgevereinbarung durch Austausch des HV vgl. einerseits  OLG Frankfurt/Main, 12.07.1966 LS 2 m.w.N. und andererseits LG Essen, 16.02.1982 LS 1;

zu LS 2 vgl. RG, 14.06.1938 LS; OLG Karlsruhe, 18.09.1987 LS 4; 28.10.1975 LS 1 m.w.N.;

zu LS 3 vgl. OLG Celle, 08.10.1982 LS 4; OLG Hamm, 11.05.1978 LS; LG Mainz, 01.09.1998 LS 8; LG Stuttgart, 14.07.1998 LS 3; LG Hamburg, 27.11.1968 LS 7; HGer Zürich, 22.04.1971 LS 1 m.w.N.; Buchwald, GmbH-Rundschau 57, 102; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. VII Rz. 15; Küstner, v. Manteuffel & Evers, Hrsg., Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters, 1998, Ziff. 1.5.1.9., S. 52; Meyer, BB 70, 780, 786; Ahle, DB 63, 1703; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rzz. 8, 37; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b Rz. 6 d; Horn, ZIP 88, 137, 142; Westphal, Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rz. 956; einschränkend OLG Düsseldorf, 06.07.1979 LS 13; vgl. aber auch OLG Frankfurt/Main, 19.06.1972 LS 1 m.w.N.;

zu LS 4 4.1 Während bei Umschlagsgeschäften mit unterjährigen Absatzintervallen mit Rücksicht darauf, dass es hier typischerweise zu einer Mehrzahl von Geschäftsabschlüssen kommt, dem HV insofern eine Beweiserleichterung zuteil wird, als das Bestehen einer Geschäftsverbindung widerlegbar vermutet wird (vgl. dazu nur OLG Düsseldorf, 01.07.1994 LS 3 m.w.N.), geht die Rechtsprechung bei langlebigen Wirtschaftsgütern zwar davon aus, dass keine tatsächliche Vermutung für den Aufbau einer dauerhaften Geschäftsverbindung besteht (vgl. die Nachweise in der Anmerkung zu LS 3 dieser Entscheidung).

4.2 Indessen steht der Vertrieb langlebiger Wirtschaftsgüter nicht notwendig einer Vermutung einer dauerhaften Geschäftsbeziehung entgegen (OLG Frankfurt/Main, 19.06.1972 LS 1; LG Mainz, 16.09.1977 LS 3; LG Stuttgart, 14.12.1972 LS 4; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 89 b HGB Rz. 6 d; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 85 f.; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 58; Horn, ZIP 88, 137, 142; a.A. wohl LG Hamburg, 27.11.1968 LS 6; Meyer, BB 70, 780, 786). Aus diesem Grunde kann auch beim Vertrieb langlebiger Wirtschaftsgüter an Kunden Raum für die Vermutung des Fortbestandes der Geschäftsverbindung sein. Namentlich kommt dies dann in Betracht, wenn die Anschaffung des langlebigen Wirtschaftsguts für den vom HV geworbenen Kunden kein einmaliger Vorgang ist, sondern bei dem Kunden damit gerechnet werden kann, dass er im Anschluss an die erste Werbung jedenfalls in gewissen Zeitabständen weitere Bestellungen vornehmen wird (OLG Oldenburg, 04.06.1987 LS 3; Westphal, Vertriebsrecht Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rz. 958).

4.3 So geht man z.B. auch im Kfz-Geschäft davon aus, dass ein Teil der erstmals in den letzten Jahren mit dem Vertragshändler abschließenden Neukunden Folgegeschäfte tätigen wird. Aus diesem Grunde gewährt die Rechtsprechung dem Kfz-VH insofern eine Beweiserleichterung, als sie widerlegbar vermutet, dass ein bestimmter Anteil der Einmalkunden des letzten Vertragsjahres Folgebestellungen aufgeben wird und daher als Dauerkunden zu qualifizieren ist (vgl. BGH, 26.02.1997 LS 12 m.w.N. - Renault 5 -; 02.07.1987 LS 19, ZIP 87, 1383, 1387 - Renault 3 -; LG Frankfurt/Main, 06.07.1994 LS 7 - MMC Auto Deutschland GmbH -; LG Heilbronn, 30.10.1998 LS 8; kritisch OLG Düsseldorf, 21.02.1997 LS 12). Nur dann, wenn die geworbenen Kunden während der Laufzeit des Vertrages keine weiteren Aufträge erteilt haben, gibt es keine dahingehende tatsächliche Vermutung, dass die betreffenden Kunden auch künftig die Produkte des vertretenen Unternehmers kaufen werden (vgl. OLG Celle, 08.10.1982 LS 4 - Senking -).

zu LS 8 vgl. OLG Frankfurt/Main, 30.01.2001 LS 27 (Kfz) - Volvo 8 -; LG Frankfurt/Main, 06.07.1994 LS 6 (Kfz); LG Stuttgart, 14.07.1998 LS 6 - Volkslexikon -; LG Köln, 14.01.1999 LS 7 (Kfz); wohl auch OLG Celle, 13.07.1973 LS 31; LG Mainz, 10.10.2000 LS 3 - Einbauküchen -; Genzow, Der Vertragshändlervertrag 1996, Rz. 172; Horn, ZIP 88, 137, 142; Westphal, Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rzz. 1079, 1093 f.; vgl. auch Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. IX Rz. 162; a.A. OLG Düsseldorf, 13.03.1991 LS 2 (Staubsauger); OLG Köln, 23.02.1996 LS 15; 14.06.1996 LS 13; 26.09.1995 LS 6; BGH, 05.06.1996 LS 21; 02.07.1987 LS 7; LG Offenburg, 19.06.1995 LS 4;

8.1 Haben die Kunden größere Nachbestellungsintervalle als ein Jahr, tritt Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 86 a. E. zutreffend für die Ermittlung des individuellen Abnahmeintervalls des jeweiligen Kunden ein (vgl. dazu im Einzelnen Küstner, v. Manteuffel & Evers, Hrsg., Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters 1998, Ziff. 1.5.1.9, S. 51 "geschäftsverbindungsbezogene Methode").

8.2 Möglich ist es aber auch, kundenübergreifend durch Ermittlung eines Durchschnittswertes der Folgeaufträge einen Jahresdurchschnittsbetrag als Basis für die Prognose zu bilden (vgl. dazu Küstner, v. Manteuffel & Evers, Hrsg., Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters 1998, Ziff. 1.5.1.9, S. 51 "Mittelwertmethode").

8.3 Sind auf der Grundlage des vorhandenen Datenmaterials beide Hochrechnungen möglich, weichen sie jedoch voneinander ab, kann es angezeigt sein, den Mittelwert aus den beiden verschiedenen Hochrechnungen zu bilden.