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OLG Köln, 15.06.2010 - 19 U 53/10 - (Beschluss)

ECLI
ECLI:DE:OLGK:2010:0615.19U53.10.0A
Gesetz
§ 307 Abs. 1 BGB; § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB; § 339 BGB; § 84 HGB
Stichworte
Wirksamkeit einer Vertragsstrafenklausel; Zulässigkeit des Verzichts auf die Einrede des Fortsetzungszusammenhangs; Blue-Pencil-Test; geltungserhaltende Reduktion; Voraussetzung einer geltungserhaltenden Reduktion einer Klausel; Berücksichtigung konkreter Auswirkungen einer Klausel auf die Beurteilung ihrer Angemessenheit
Anmerkung


Vorinstanz LG Köln, 03.03.2010 - 16 O 242/09 -

zu LS 1 vgl. OLG München, 26.06.2002 LS 22 - F.M. Franchisesystem -; LG Mainz, 16.01.2004 LS 15 - EFS 1 -; vgl. aber OLG Frankfurt/Main, 03.11.1994 LS 5;

1.1 Die Unwirksamkeit der Regelung ergibt sich auch aus dem Umstand, dass die Vertragsstrafeklausel keine Obergrenze vorsieht (OLG München, 13.12.1995 LS 1 m.w.N.). Deshalb kann beispielsweise bei mehreren erfolglosen Abwerbungeversuchen bereits eine Vertragsstrafe in einem existenzvernichtenden Umfang verwirkt sein (LG München II, 22.02.2006 LS 5; LG Gießen, 31.08.2001 LS 5).

1.2 Darüber hinaus ist die Vertragsstrafeklausel auch deshalb unwirksam, weil die Höhe der vereinbarten Vertragsstrafe außer Verhältnis zu dem bei dem U möglicherweise durch eine zumal fehlgeschlagene Abwerbung eintretenden Schaden steht. Es ist anerkannt, dass aus diesem Umstand die Unwirksamkeit einer Vertragsstrafenregelung folgt (LAG Hamm, 03.11.2006 LS 2). Unangemessen ist die Höhe einer vertragsmäßig ausbedungenen Vertragsstrafe insbesondere dann, wenn die Sanktion außer Verhältnis zum Gewicht des Vertragsverstoßes und zu dessen Folgen für den HV steht (BGH, 07.05.1997 LS 4 m.w.N. - Citroën 3 -; OLG Düsseldorf, 11.06.1999 LS 6 - Eismann 5 -). Die Abschreckungsfunktion einer Vetragsstrafe erlaubt zwar eine spürbare Vertragsstrafe; sie muss sich aber an den in Betracht kommenden Auswirkungen orientieren. Ferner muss sie sich innerhalb voraussichtlicher Schadensbeträge halten, wobei eine überindividuell-generalisierende, von den konkreten Umständen des Einzelfalls absehende Betrachtungsweise stattzufinden hat (OLG München 29.07.2010 LS 15).

zu LS 2 vgl. OLG München, 26.06.2002 LS 24; LG Mainz, 16.01.2004 LS 15 - EFS 1 -; Staub/Emde, HGB, 5.A., Vor § 84 Rz. 33; Wolf/Lindacher/Pfeiffer/Dammann, AGB-Recht, 5.A., § 309 Nr. 6 Rz. 73;

zu LS 5 vgl. BGH, 07.05.1997 LS 5, 6 - Citroën 3 -; LG Gießen, 31.08.2001 LS 5; LG Bückeburg, 07.10.2003 LS 1 - OVB 8 -; LG Mainz, 16.01.2004 LS 13 - EFS 1 -;

zu LS 6 - sonstige Kriterien sind etwa die objektive Schwere der Pflichtverletzung - vgl. LG München II, 22.02.2006 LS 3;

zu LS 11 vgl. LG Verden, 16.01.2013 LS 6 - Deutsche Proventus -;

zu LS
12 vgl. LAG Hamm, 03.11.2006 LS 20; Ulmer/Brandner/Hensen/Fuchs, AGB-Recht, 10.A., Vor § 307 Rz. 99; Wolff/Lindacher/Pfeiffer/Reich, AGB-Recht, 5.A., § 310 Anh. V 204; Palandt/Grüneberg, BGB, 69.A., Vorb. vor § 307 Rz. 8;

zu LS 13 - Blue-Pencil-Test - vgl. Palandt/Grüneberg, BGB, 69.A., Vorb. vor § 307 Rz. 11; Wolff/Lindacher/Pfeiffer/Reich, AGB-Recht, 5.A., § 310 Anh. V 204; MünchKommBGB/Basedow, 7.A., § 306 Rz. 18; Ulmer/Brandner/Hensen/Fuchs, AGB-Recht, 10.A., Vor § 307 Rz. 485;

zu LS 15 vgl. Ulmer/Brandner/Hensen/Schmidt, AGB-Recht, 10.A., § 306 Rz. 13;

zu LS 16 Ulmer/Brandner/Hensen/Schmidt, AGB-Recht, 10.A., § 306 Rz. 13; Thüsing, BB 06, 661