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OLG Düsseldorf, 15.12.1995 - 16 U 234/94 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:OLGD:1995:1215.16U234.94.0A
Gesetz
§ 89 a HGB; § 628 Abs. 2 HGB; § 276 BGB; § 23 KO
Stichworte
Schadensersatzanspruch des HV wegen Konkurses des U; Insolvenz des U; Misswirtschaft; schlechte Betriebsführung; Dispositionsfreiheit des U; Schicksalsgemeinschaft; Gedeih und Verderb; Schicksalsteilung; Aufklärungsverschulden; falsche Angaben des U über die Bonität seines Unternehmens bei Vertragsschluss; c.i.c; vorvertragliche Aufklärungspflicht des U; Umfang der vorvertraglichen Aufklärungspflicht
Anmerkung


zu LS
1 vgl. Kuhn/Uhlenbruck, KO, 11.A., § 24 Rz. 21; Jaeger, KO, § 23 Rz. 45; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. V Rz. 648, Kap. VIII Rz. 136;

zu LS 2 vgl. Alff, Handelsvertreterrecht, 2.A. Rz. 198; Staudinger, BGB, 12.A., § 628 Rz. 32; zum Auflösungsverschulden allgemein vgl. RGRK, BGB, 12. A., Rz. 31;

zu LS 4 vgl. BAG, 30.08.1994 LS 8 m.w.N.;

zu LS 5 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. IV Rz. 83 ff.;

zu LS 6 vgl. OLG Düsseldorf, 15.12.2000 LS 21; vgl. auch OLG Hamm, 31.01.1997 LS 8;

zu LS 7 - natürliche Auffassung des Agenturvertrages - vgl. RG, 02.07.1892 LS 4, RGZ 31, 59, 61; OLG Düsseldorf, 15.12.2000 LS 23; 08.02.1977 LS 11 - Lichtkuppeln -; OLG München, 05.01.1914 LS 2; LAG Rheinland-Pfalz, 28.05.1998 LS 25; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 20; 89 b Rz. 96; kritisch insoweit Schmidt-Rimpler, Handbuch des gesamten Handelsrechts, BD. V., 1926, S. 303, 198; vgl. auch Anm. 2.2 zu OLG Nürnberg vom 21.09.1973; vgl. aber OLG München, 18.07.2007 LS 34 m.w.N.;

zu LS 8 vgl. BGH, 15.12.1967 LS 6 - Shell 1 -; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 20;

zu LS 9 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 21;

zu LS 10 vgl. OLG Schleswig, 05.03.1965 LS 12 m.w.N.; Hopt, Handelsvertreterrecht, 6.A., § 86 a Rz. 14; vgl. ferner vgl. OLG Celle, 29.11.1961 LS 2 m.w.N.;

zur willkürlichen, ohne jeden sachlichen Grund, einzig in der Absicht, den HV um seine Provision zu bringen erfolgten Verweigerung eines Kaufabschlusses durch den U vgl. OGH, 18.03.1980 - 5 OB 547/80 -:

zu LS 13 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 23;

zu LS 15 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 23;

zu LS 17 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 17;

zu LS 20 vgl. OLG Nürnberg, 09.02.1956 LS 1 m.w.N.;

20.1 In jedem Fall wird man davon auszugehen haben, dass der U verpflichtet ist, dem HV auf dessen Fragen hinsichtlich des Unternehmens, des zu vertreibenden Produktes, der Verhältnisse in dem zur Bearbeitung übertragenen Kundenstamm oder Bezirk, der Arbeitsbedingungen und der Erwerbsmöglichkeiten wahrheitsgemäß zu antworten (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 43).

20.2 Nach einer teilweise vertretenen Auffassung soll eine Aufklärungspflicht des U nur zu bejahen sein, wenn der U besonderes Vertrauen hinsichtlich der Stabilität seines Unternehmens geweckt und den HV dadurch zum Vertragsschluss veranlasst oder von der Kündigung des HVV abgehalten hat (vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 86 a Rz. 13, unter Hinweis auf BAG (Nr. 1 zu § 13 GmbHG sub II 2 B der Gründe). Dem kann nicht beigetreten werden.

20.3 Zwar wird man davon ausgehen können, dass der U nicht alles Nachteilige offenbaren muss oder vorzeitig über die wirtschaftliche Lage seines Unternehmens Aufschluss geben muss (Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 86 a Rz. 23 b; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 43). Der U muss den HV jedoch über alle Umstände unterrichten, die erkennbar für den Entschluss des HV von Einfluss sind, die Agenturvertragsverbindung mit dem U einzugehen. Hierzu wird man im Allgemeinen auch die wirtschaftliche Lage des Unternehmens rechnen müssen, wenn sie die Zukunftsaussichten des Geschäftsbetriebes des U langfristig nicht nur unerheblich beeinträchtigt und der HV zu erkennen gegeben hat, dass ihm an einer langfristigen Tätigkeit für den U gelegen ist (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 43).

20.4 Spiegelt der U dem HV in Wahrheit nicht vorhandene Absatz- oder Verdienstmöglichkeiten vor oder Überträgt der U dem HV die Vertretungsrechte gegen Entgelt, ohne ihn darüber zu unterrichten, dass die Geschäftsverbindung zu einem Kunden, mit dem der U in dem letzten Vertragsjahr erhebliche Umsätze getätigt hat, in Frage steht oder nicht fortgesetzt werden kann, so verletzt der U seine vorvertragliche Aufklärungspflicht gegenüber dem HV ebenso wie wenn er den HV nicht auf Mängel des zu vertreibenden Produktes hinweist, die eine Beschränkung der Einkommenschancen des HV besorgen lassen (vgl. auch(Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 43).

zur Rechtsfolge der Schadensersatzpflicht bei der Verletzung der Aufklärungspflicht durch den U vgl. auch Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 86 a Rz. 23 b; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rzz. 60 f.;

zu LS 21 vgl. die Anm. zu LS 20