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OGH, 11.10.1990 - 6 Ob 644/90 - (Urteil)

OGH, 11.10.1990 - 6 Ob 644/90 - (Urteil)

Fundstellen

SZ 63, 175; WBl. 91, 67 m. Anm. Jabornegg; EvBl. 91, 76; RdW 91, 77; ecolex 91, 82; ÖBl. 91, 76

Gesetz

§ 25 HVG analog; § 89 b HGB analog

Stichworte

AA des VH; Kfz-VH; Eingliederung in die Absatzorganisation; Analogievoraussetzung 1; nachvertragliche Geschäftsentwicklung; Chance

Anmerkung

zu LS 2 vgl. LG Stuttgart, 23.10.1992 LS 3 m.w.N.;

zu LS 4 so die Definition von Peter Ulmer, Der Vertragshändler, S. 206, so oder ähnlich wird die Rechtsstellung des VH im Allgemeinen umschrieben, Karsten Schmidt, Handelsrecht, S. 672; Küstner/v. Manteuffel, HdB-ADR, Bd. II, Rz. 49 f., Rz 44; OGH, EvBl 90, 96;

zu LS 6 vgl. Anm. 11.3 zu OLG Köln, 02.03.2001 - Chrysler 6 -; Generalanwalt, 25.10.2005 Anm. 7.10 - Commerciali srl ./. De Zotti -;

zu LS 8 vgl. OGH, 17.12.1997 LS 15; a.A. LG Köln, 04.03.2002 LS 4 m.w.N. - Chrysler 9 -;

8.1 Nach der Rechtsprechung des BGH, steht dem VH in sinngemäßer Anwendung des § 89 b HGB ein AA zu, wenn zwischen ihm und dem U ein über die bloße Käufer-Verkäufer-Beziehung hinausgehendes Rechtsverhältnis besteht, auf Grund dessen der VH derart in die Absatzorganisation des U eingegliedert ist, dass er wirtschaftlich in erheblichem Umfang dem HV vergleichbare Aufgaben zu besorgen und dem U spätestens bei Vertragsbeendigung seinen Kundenstamm zu überlassen hat (BGH, 16.11.1984, Z 93, 29, 59). Hierfür reicht es aus, wenn der U - etwa durch Berichte des VH - vom Kundenstamm Kenntnis erlangt. Abweichend von der Rechtsprechung des OGH lässt der BGH eine faktische Übertragung des Kundenstammes jedoch nicht ausreichen, die Vorschrift des § 89 b HGB entsprechend anzuwenden (BGH, 26.11.1997 LS 3 - Toyota III -; LG Köln, 04.03.2002 LS 4 m.w.N. - Chrysler 9 -). Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht erforderlich, dass der VH wie ein HV schutzbedürftig ist. Diese Grundsätze gelten auch für den Kfz-VH (vgl. BGH, 25.03.1982, WM 82, 1125 = NJW 82, 2819 - Citroën 1 -; WM 83, 1102 = NJW 83, 2877).

8.2 Auch der OGH hält die analoge Anwendung der Ausgleichsbestimmung des § 25 HVG auf VH für gerechtfertigt, wenn die Rechtsbeziehungen zum U wie in Agenturverträgen üblich ausgestaltet sind. Das gilt vor allem für Fälle, in denen dem VH das Alleinverkaufsrecht für einen bestimmten Bezirk eingeräumt ist (vgl. OGH, SZ 46, 109 = JBl. 75, 34 mit Anm. Bydlinski). Dabei nimmt der OGH zutreffend den Standpunkt ein, dass die deutsche Lehre und Rechtsprechung zur analogen Anwendbarkeit des § 89 b HGB auch bei nach österreichischem Recht zu beurteilenden VHV berücksichtigt werden könnten, weil die Unterschiede zwischen § 25 HVG und § 89 b HGB nicht diese Frage beträfen (vgl. OGH, 28.11.1979 - 6 Ob 637/79 - IPRE 1, 4 = HS 11739).

zu LS 12 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4. A., vor § 84 Rzz. 7, 27 ff.;

zu LS 15 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4. A., § 89 b Rz. 39;

zu LS 16 vgl. aber BGH, 24.09.2020 LS 8 m.w.N. - Mitsubishi 2 -;

zu LS 17 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4. A., § 89 b Rz. 118

zum Beendigungsanspruchs eines VH in Österreich, vgl. Moritz, ZVertriebsR 2017, 143