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LG Köln, 23.05.2000 - 85 O 8/00 - (Urteil)

LG Köln, 23.05.2000 - 85 O 8/00 - (Urteil)

Fundstellen

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Gesetz

§ 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB; § 89 b Abs. 5 HGB; § 92 Abs. 1 HGB

Stichworte

- Axa Colonia 2 -; AA des VV; Anrechenbarkeit der Altersversorgung auf den AA; Rentenbarwert eines unverfallbaren Rentenanspruchs

Anmerkung

n.rkr.; Berufungsentscheidung OLG Köln 17.08.2001; Revisionsentscheidung BGH, 20.11.2002;

zu LS 1 vgl. a.A. OLG Düsseldorf, 24.02.1995 LS 18; LG München I, 10.08.2000 LS 6 m.w.N. - Allianz 5 -;

1.1 Die Klausel hält einer Inhaltskontrolle am Maßstab des § 9 AGBG nicht stand. Auch im Individualprozess ist bei der Prüfung von formularmäßigen Klauseln die kundenfeindlichste Auslegung vorzunehmen (LG Göttingen, 01.09.1998 LS 2 m.w.N.). Unter diesem Blickwinkel schreibt die Klausel das Ergebnis der Anspruchsvoraussetzung des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB dergestalt vor, dass in Höhe des Barwerts der vom U zu gewährenden Versorgungsleistungen kein AA entsteht. Schon dies benachteiligt den HV unangemessen (OLG München, 22.03.2001 LS 18 - Allianz 5 -; LG München I, 10.08.2000 LS 17; sowie die Anm. 11.1.3 zu LG Düsseldorf, 15.08.1990).

1.2 Die Klausel lässt für eine Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalls keinen Raum, obwohl diese bei der Billigkeitsprüfung obligatorisch ist (vgl. dazu BGH, 23.02.1994 LS 2 m.w.N. - Vorwerk -).

1.3 Ferner schließt die Klausel die Möglichkeit aus, anspruchserhaltende Billigkeitsaspekte zu berücksichtigen (vgl. dazu OLG Frankfurt/Main, 19.06.1972 LS 5 m.w.N. - elektrische Haushaltsgeräte -), die in die nach der Norm des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB vorzunehmende Gesamtabwägung (OLG Köln, 19.09.1996 LS 1 m.w.N.) einzubeziehen sind (vgl. dazu im Einzelnen die Anm. 11.1.2 zu LG Düsseldorf, 15.08.1990).

zu LS 2 Überlegungen zur funktionellen Verwandtschaft von Altersversorgung und AA kommen nicht zum Tragen, wenn die Versorgungsleistungen nicht gleichzeitig mit dem AA fällig werden (OLG Köln, 19.09.1996 LS 4).

zu LS 3 3.1 Dem Gesichtspunkt der funktionellen Verwandtschaft kommt in ausgleichsrechtlicher Hinsicht keine eigenständige Bedeutung zu (a.A. Müller-Stein, VW 01, 415, 415f.).

3.2 Grund für die anspruchsmindernde Berücksichtigung einer aus Mitteln des U finanzierten Altersversorgung des HV bildet allein der Umstand, dass es sich hierbei um eine besonders günstige Vertragsbedingung handelt (vgl. BGH, 23.05.1966 LS 5). Für den HV besonders günstige Vertragsbedingungen stellen einen anerkannten anspruchsmindernden Billigkeitsgesichtspunkt dar (vgl. BGH, 15.02.1965 LS 11 m.w.N.).

3.3 Der BGH hat das Bild von der funktionellen Verwandtschaft des AA und der Altersversorgung nur gebraucht, um seinem Standpunkt Nachdruck zu verleihen, dass die gegebenen rechtlichen Unterschiede zwischen dem AA und einer Altersversorgung einer anspruchsmindernden Berücksichtigung der aus Mitteln des U für den HV aufgebauten Altersversorgung grundsätzlich nicht entgegenstehen (vgl. BGH, 23.05.1966 LS 9 ff. - Allianz 1 -).