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OLG Frankfurt/Main, 12.01.1965 - 5 U 273/64 - (Urteil)

OLG Frankfurt/Main, 12.01.1965 - 5 U 273/64 - (Urteil)
Fundstellen
HVR Nr. 347; HVuHM 65, 894
Gesetz
§ 592 ZPO; § 416 ZPO; § 389 BGB; § 87 c Abs. 1 HGB
Stichworte
Geltendmachung der Provision im Urkundenprozess; Urkundenverfahren; Urkundenklage; Provisionsabrechnung; Urkundsverfahren; Urkundsklage; Urkundsprozess
Anmerkung
zu LS 1 - Ausdruck einer computergenerierten Provisionsabrechnung als Urkunde i.S. des § 592 ZPO - vgl. OLG München, 15.02.2012 LS 1, 4 - Gastronomieabonnementverträge -;

zu LS 8
- Nachweis für Anspruchsgrund und -höhe durch Vorlage des HVV und der Provisionsabrechnungen - vgl. OLG München, 15.02.2012 LS 1 - Gastronomieabonnementverträge -

8.1 Das in den Vorschriften der §§ 592 ff. ZPO geregelte Urkundenverfahren ermöglicht es, schnell einen Titel gegen die Gegenseite zu erlangen, da Widerklagen ausgeschlossen sind und auch Einwendungen gegen den geltend gemachten Anspruch durch Urkunden belegt werden müssen. Etwas Anderes gilt nur dann, wenn die Einwendungen unstreitig sind (OLG Düsseldorf, 06.10.2015 – I-21 U 40/15, Juris Tz. 46).

8.2 Eine der besonderen Voraussetzungen für die Zulässigkeit des Vorgehens im Urkundenprozess ist, dass sich der geltend gemachte Anspruch inklusive der Tatbestandsvoraussetzungen aus einer Urkunde ableiten lassen. Der Urkundenbegriff in § 592 ZPO entspricht dem der §§ 415 ff. ZPO. Er umfasst alle schriftlichen Beweisstücke. Dabei kann sich der durch die Urkunde erbrachte Beweis auch auf Indizien beziehen, die den Schluss auf anspruchsbegründende Haupttatsachen zulassen (MünchKommZPO/Braun, 5.A., § 592 Rz. 16). Urkunden sind schriftlich verkörperte Gedankenerklärungen (BGH, 28.11.1975 – V ZR 127/74, Juris Tz. 4; BeckOK-ZPO/Kratz § 592 Rzz. 26-29). Eine Unterschrift auf der Urkunde ist nicht erforderlich, so dass auch eine Kopie und ein Telefax vorgelegt werden können. Auch Abschriften mikroverfilmter Urkunden sind deshalb zulässige Beweismittel (Musielak/Voit, ZPO, 14.A., § 592 Rz. 12).

8.3 Elektronische Dateien sind in diesem Sinne keine Urkunden, sondern Augenscheinsobjekte (OLG München, 15.02.2012 LS 3 m.w.N. - Gastronomieabonnementverträge -). Dies erhellt aus § 371 Abs. 1 Satz 2 ZPO und insbesondere § 371 a ZPO (BR-Drs. 609/04 S. 79; Roßnagel/Wilke, NJW 06, 2145, 2148; Musielak/Voit, ZPO, 14.A., § 592 Rz. 12). Der Ausdruck einer solchen Datei soll nach teilweise vertretener Ansicht allerdings wiederum als eine Urkunde im Sinne des § 592 ZPO angesehen werden können (OLG München, 20.03.2012 – 7 U 3199/11 LS 4 = Juris Tz. 7; Musielak/Voit, ZPO, 14.A., § 592 Rz. 12; Zöller/Greger, ZPO, 29.A., § 592 Rz. 15).