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BGH, 24.04.1986 - I ZR 83/84 - (Urteil)

BGH, 24.04.1986 - I ZR 83/84 - (Urteil)

Fundstellen

EversOK; NJW-RR 86, 1477; MDR 87, 111; BB 86, 2091; DB 86, 2431; VersR 86, 988; LM Nr. 3 zu § 92 HGB; EWiR § 92 HGB 1/86, 1007 (v. Hoyningen-Huene); DRspr II (210) 338 b; BGHWarn 1986, Nr. 133; ZfS 86, 369 LS; EBE/BGH 86, 420 LS; Rechtsportal; Juris; BeckRS 9998, 74802; Wolters Kluwer; Prinz Law

Gesetz

§ 92 Abs. 3 HGB; § 87 Abs. 1 Satz 1 HGB; § 87 Abs. 1 Satz 1, 1. Var. HGB; § 87 Abs. 1 Satz 1, 2. Var. HGB; § 87 HGB

Stichworte

Vermittlungsprovision des VV; Tätigkeitsprovision; tätigkeitsunabhängiger Provisionsanspruch des VV; Abschlussprovision ohne weitere Tätigkeit des VV; Voraussetzung eines Provisionsanspruchs des VV für Folgegeschäfte; Folgevertrag; Nachversicherung; Provision; Dynamikprovision; Unfallversicherung; Mitursächlichkeit des ursprünglichen VV bei der Vermittlung späterer prämienerhöhender Vertragsänderungen durch Dritte; Erhöhung der Versicherungssumme; enger wirtschaftlicher Zusammenhang; Ausnahme; Sinn und Zweck der Kundenschutzprovision

Anmerkung

Vorinstanzen OLG Oldenburg, 15.03.1984 - 1 U 160/83 -; LG Osnabrück, 09.05.1983 - 2 H O 173/82 -;

zu der Entscheidung vgl. auch Küstner, VW 02, 1024;

zu LS 1 vgl. OLG Frankfurt/Main, 18.02.1998 LS 16 m.w.N.; OLG Düsseldorf, 29.11.1996 LS 16; LG Regensburg, 28.02.2003 LS 5  - DEVK 5 -; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 92 Rz. 10; Heymann/Stöber, HGB, 3.A., § 92 Rz. 5; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 92 Rz. 5; GK-HGB/Leinemann, § 92 Rz. 4; Westphal, Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rz. 652; Glanegger/Ruß, HGB, 6.A., § 92 Rz. 2; Specks, Der Ausgleichsanspruch des gemäß § 89 b HGB, S. 19; vgl. auch Bruck/Möller, VVG, 8.A., Anm. 284 vor §§ 43-48; offengelassen von OLG Hamm, 24.10.1997 LS 3; vgl. aber BGH, 20.12.2018 LS 1, 6 - Mayflower 1 -; BAG, 06.05.2009 LS 31; OLG Köln, 08.01.2003 LS 8 m.w.N. - DEVK 4 -; OLG Frankfurt/Main, 16.03.2018 LS 11 m.w.N. - Mayflower 1 - (Erhöhungsgeschäfte infolge Dynamik ausreichend zur Begründung des Provisionsanspruchs des VV);

1.1 Widersprüchlich äußern sich Autoren, die sich einerseits der Auffassung des I. Zivilsenats anschließen (etwa Baumbach/Hopt, HGB, 40.A., § 92 Rz. 4; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 Rz. 61; MünchKommHGB/Ströbl, 5.A., § 87 Rz. 65; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 92 Rz. 64; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 Rz. 29; Flohr/Wauschkuhn/Sperling, Vertriebsrecht, 2.A., § 92 HGB Rz. 23), dem VV aber andererseits für spätere Erhöhungsgeschäfte dynamischer Lebensversicherungen unter Bezugnahme auf BAG, 28.02.1984 LS 3 (MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 14; MünchKommHGB/Ströbl 5.A., § 92 Rz. 16; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 6; Baumbach/Hopt, HGB, 40.A., § 87 Rz. 14), auf OLG Köln, 01.08.2003 LS 8 - DEVK 4 - (Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 92 Rz. 70) oder ohne Bezugnahme auf eine Entscheidung (Flohr/Wauschkuhn/Sperling, Vertriebsrecht, 2.A., § 92, HGB, Rz. 22) einen Anspruch auf Dynamikprovision ohne weitere Tätigkeit zugestehen wollen. Denn genau dieser Anspruch ist nach den Grundsätzen der Entscheidung des I. Zivilsenats zu verneinen, weil das Erhöhungsgeschäft weder die Rechtsfolge einer einseitigen Willenserklärung des VU darstellt noch auf einer im Grundvertrag geregelten Verpflichtung des VN beruht, es durchzuführen, wie der Senat in LS 5 klar zu erkennen gegeben hat.
 
1.2 Soweit die Auffassung vertreten wird, zum Erwerb des Anspruchs auf Dynamikprovision nach Maßgabe der Vorschriften der §§ 92 Abs. 3, 87 Abs. 1, 1. Var. HGB reiche es aus, dass die Erhöhung der Lebensversicherung aufgrund vereinbarter Dynamik nach den Erfahrungen des täglichen Lebens nahezu zwangsläufig vorgenommen wird (so etwa Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 92 Rz. 7 c; wohl auch OLG Köln, 01.08.2003 LS 9 - DEVK 4 -; 28.05.2004 LS 50 - IFS 2 -), kann dem nicht beigetreten werden. Statistische Wahrscheinlichkeiten sind einerseits nicht erhoben und vermögen andererseits auch nicht darüber hinwegzuhelfen, dass der VV den VN nicht durch seine Tätigkeit verpflichtet hat, eine vom VU vorgenommene Erhöhung von Prämie und Leistung des Lebensversicherungsvertrages infolge Dynamik zu dulden. Solange dies aber nicht der Fall ist, fehlt es an einem Geschäft i. S. der §§ 92 Abs. 3, 87 Abs. 1 Satz 1 HGB (vgl. dazu im Einzelnen die Anm. 5.2 zu dieser Entscheidung) und es ist noch eine werbende Tätigkeit erforderlich, um dieses zustande zu bringen.

zu LS 2 vgl. LG Köln, 05.12.2002 LS 3 - DEVK 4 -; LG Frankfurt/Main, 13.03.1997 LS 8; LG München I, 22.03.1999 LS 3 - HUK Coburg -; LG Münster, 16.03.2005 LS 43 - Westfälische Provinzial 7 -; Bruck/Möller, VVG, 8.A., Anm. 284 vor §§ 43-48; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 92, Rz. 6, 7; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 92 Rz. 7; Müller-Stein, Das Recht der Versicherungsvermittlung, S. 132; Westphal, Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rz. 647; Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung, Bd. I, S. 176, 180;

Vermutung des Fortwirkens der Werbetätigkeit des HV vgl. Heymann/Stöber, HGB, 3.A., § 87 Rz. 23; Heidel/Schall/Keßler, HGB, § 87 Rz. 23; GK-HGB/Leinemann, 5.A., § 87 Rz. 9; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 87 Rz. 19;

zum Anspruch auf Provision bei der Nachversicherung ohne eine weitere Tätigkeit des VV vgl. Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung, Bd. I, S. 179;

allgemein zur Frage der Mitursächlichkeit des HV für den Geschäftsabschluss als Voraussetzung zum Erwerb des Anspruchs auf Provision vgl. LAG Baden-Württemberg, 10.03.1971 LS 3 m.w.N.;

zu LS 2a vgl. LG Münster, 16.03.2005 LS 43 - Westfälische Provinzial 7 -;

zu LS 2b vgl. OLG Köln, 28.05.2004 LS 27 - IFS 1 -; 28.05.2004 LS 46 - IFS 2 -; LG Münster, 16.03.2005 LS 43 - Westfälische Provinzial 7 -; LG Köln, 05.12.2002 LS 3 - DEVK 4 -;

zu LS 3 - Maßgeblichkeit der ausgleichsrechtlichen Grundsätze eines engen wirtschaftlichen Zusammenhangs für den Provisionsanspruch des VV - vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 92 Rz. 7 (Aufstockungen der Versicherungssumme, Anschlussverträge; Einzelversicherungen bei echter Gruppenversicherung durch einfache Nachmeldung bei automatischer Einbeziehung in den Versicherungsschutz); ihm folgend Baumbach/Hopt, HGB, 40.A., § 92 Rz. 4; ders., Handelsvertreterrecht, § 92 Rz. 4 (Verlängerungsverträge, Summenerhöhungen und Einzelversicherungen bei einem echten Gruppenversicherungsvertrag); MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 15; MünchKommHGB/Ströbl 5.A., § 92 Rz. 17; (bezogen auf dynamische Summenerhöhungen; Anschlussverträge des Kunden mit im Wesentlichen unveränderten Konditionen und Einzelversicherungen bei einem echten Gruppenversicherungsvertrag); Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 92  Rz. 7c (Summenerhöhungen, die im Vertrag vorgesehen sind oder nach den Erfahrungen der Praxis nahezu zwangsläufig vorgenommen werden; Einzelversicherungen bei einem echten Gruppenversicherungsvertrag); Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. V Rz. 214 a. E.; zum Bestehen eines Provisionsanspruchs bei Erhöhungsgeschäften durch Nachmeldungen in einem echten Gruppenversicherungsvertrag vgl. auch die Anm. 4.1 zu OLG Celle, 25.11.1992;
 
3.1 Es ist nicht richtig, dass ein Anspruch des VV auf Provision auch ohne seine Mitwirkung nach Maßgabe des § 92 Abs. 3 HGB dann bestehen kann, wenn ein wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen dem ursprünglichen und dem neuen Vertrag besteht. In der Entscheidung des BGH vom 06.07.1972 - Schwäbisch Hall 1 -, die der Senat zum Beleg für diesen Grundsatz heranzieht, ging es um die Frage, ob ein vom Bausparer geschlossener Zweitvertrag gemäß § 89 b Abs. 5 HGB i.V.m. § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB zu berücksichtigen ist. Die Auslegung des Tatbestandsmerkmals Vermittlung neuer Bauspar- bzw. Versicherungsverträge durch den HV (§ 89 b Abs. 5 HGB i.V.m. § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB) findet ihre sachliche Rechtfertigung in der wirtschaftlichen Betrachtungsweise, die bei der Auslegung des § 89 b HGB allgemein zu Grunde zu legen ist (BGH, 01.12.1983 LS 12 m.w.N. - Ärztepropagandist -). Ein Folgevertrag, mit dem der Kunde die Verlängerung oder Erhöhung eines Baupar- oder Versicherungsvertrags erstrebt, steht mit dem Erstvertrag in so engem wirtschaftlichen Zusammenhang, dass er im Rahmen der Ermittlung des AA nach § 89 b Abs. 5 i.V.m. Abs. 1 HGB zu berücksichtigen ist (BGH, 23.02.1961 LS 21 - GdF Wüstenrot 1 -), bei gebotener wirtschaftlicher Betrachtungsweise also ausgleichsrechtlich eine Einheit mit dem Erstvertrag bildet.

3.2 Von dieser Frage zu trennen ist jedoch die im Streitfall aufgeworfene provisionsrechtliche Frage, ob einem VV ein Anspruch auf Provision nach Maßgabe der Vorschriften der §§ 87 Abs. 1, 92 Abs. 3 HGB im Falle der Aufstockung eines Unfallversicherungsvertrages in Bezug auf Leistung und Beitrag zusteht. Wie der Senat zutreffend entschieden hat, kommt es für den Erwerb des Provisionsanspruchs nach der Wirknorm § 87 Abs. 1 HGB allein darauf an, ob das Aufstockungs- oder besser Folgegeschäft auf die Tätigkeit des VV zurückzuführen ist, der VV mithin eine Vermittlungsleistung entfaltet hat, die für den Abschluss dieses Geschäfts zwischen VU und VN mitursächlich war (vgl. BGH, 05.04.2006 LS 12).

3.3 Die Frage, ob dieses weitere Geschäft zwischen VU und VN auf die Leistung des VV zurückzuführen ist, stellt sich ausgleichsrechtlich nicht. Denn die weitere Tätigkeit des Vertreters wird nach dem in § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB 1989 verankerten Grundsatz der Fortsetzungsfiktion nach Beendigung des Agenturvertrages ausgleichsrechtlich unterstellt (OLG Frankfurt/Main, 08.12.1970 LS 2 m.w.N.). Die Rspr. hat diese Fortsetzungsfiktion auch nach der Neufassung der Vorschrift des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB 2009 fortgeschrieben (BGH, 06.10.2010 LS 15 - Volvo 7 -; vgl. dazu auch Anm. 57.1 und Anm. 57.3 zu BGH, 12.02.2003). Deshalb ist es ausgleichsrechtlich ohne Belang, ob der Vertreter eine weitere Tätigkeit entfalten muss oder nicht.

3.4 Darüber hinaus knüpfen die Grundsätze eines wirtschaftlichen Zusammenhangs an den ausgleichsrechtlich maßgeblichen Begriff des Versicherungsvertrags an, der gemäß § 89 b Abs. 5 Satz 1 HGB an die Stelle des Begriffs der Geschäftsverbindung tritt. Die Begriffe Versicherungsvertrag i.S. des § 89 b Abs. 5 Satz 1 HGB und Geschäftsverbindung § 89 b Abs. 5 Satz 1, Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 HGB sind jedoch nicht identisch mit dem Begriff des Geschäfts i.S. der §§ 87 Abs. 1, 92 Abs. 3 HGB. Unter einem Geschäft ist ein Rechtsverhältnis zu verstehen, aus dem der Dritte dem U gegenüber zur Leistung verpflichtet ist (vgl. eingehend Anm. 15.2 m.w.N. zu LG Osnabrück, 04.12.2001 - AachenMünchener 3 -). Deshalb besteht der Versicherungsvertrag aus einer Vielzahl von Geschäften, nämlich den einzelnen Versicherungsperioden, die den VN zur Leistung verpflichten (vgl. dazu  Anm. 31.4 zu BGH, 19.11.1970, Anm. 19.2 zu OLG Hamm, 29.01.2003 - Westfälische Provinzial 3 -). Die Begriffe Versicherungsvertrag und Geschäft sind daher nicht identisch. Die Grundsätze eines wirtschaftlichen Zusammenhangs können nicht einfach in das Recht der Provision übernommen werden können, weil die provisionsrechtlichen Vorschriften damit abgeändert würden, ohne dass die Voraussetzungen für eine teleologische Reduktion der Vorschrift des § 92 Abs. 3 HGB gegeben wäre, wie dies etwa für den Fall der Vermittlung eines Versicherungsvertrages mit einer Dynamik von Leistung und Beitrag gerechtfertigt erschiene (vgl. dazu Anm. 9.2 zu BAG, 28.02.1984).

3.5 Unter Bezugnahme auf die zum Ausgleichsrecht entwickelten Grundsätze lässt sich daher nicht begründen, dass im Einzelfall bei einem wirtschaftlichen Zusammenhang zwischen Erst- und Folgevertrag unabhängig davon ein Anspruch auf Provision nach § 92 Abs. 3 HGB entsteht, ob der VV tätig war. Es bleibt daher dabei, dass eine Vermittlungsleistung des VV unentbehrliche Voraussetzung für den Erwerb des Anspruchs auf Provision nach den provisionsrechtlichen Bestimmungen der §§ 87 Abs. 1, 92 Abs. 3 HGB darstellt.

zu LS 4 vgl. Anm.2.13 zu OLG Karlsruhe, 20.05.2003 - DEVK 3 -; vgl. aber BAG, 28.02.1984 LS 3; Anm. 10.14 zu OLG Celle, 16.05.2002 - BHW 3 - ;

4.1 Auf die Frage, ob Erst- und Folgevertrag im wirtschaftlichen Zusammenhang stehen, kommt es zur Beurteilung des Bestehens eines Provisionsanspruchs nach Maßgabe des § 92 Abs. 3 HGB nicht an (vgl. dazu schon die vorstehende Anm. 3.1 zu dieser Entscheidung). Zwar mag man heute mit Krause-Traudes (Überlegungen zum Provisionsanspruch des selbständigen Vertreter, S 349) daran zweifeln, ob die Beschränkung des Anspruchs auf Provision auf eine reine Tätigkeitsprovision für den VV in bestimmten gängigen Massengeschäften, etwa bei Vertragsanpassungen im allgemeinen Sachgeschäft oder auch bei Risikolebensversicherungen zum Zwecke der Absicherung von Krediten noch sachgerecht erscheint. Auf der anderen Seite hat der Gesetzgeber den Grundsatz der Tätigkeitsprovision in § 92 Abs. 3 HGB fixiert und damit den Anspruch gemäß § 87 Abs. 1, 2. HS HGB auf Provision für Folgegeschäfte der gleichen Art ausgeschlossen.

4.2 Versicherungs- und Bausparprodukte haben im Allgemeinen ihre Eigenschaft als erläuterungsbedürftige Produkte auch heute nicht verloren. Dies zeigen zum einen die bescheidenen Erfolge der so genannten Direktversicherer. Zum anderen kommt dies aber auch in der höheren Bestandsfestigkeit von betreuten Versicherungsverträgen zum Ausdruck. Aus diesem Grunde ist eine allgemeine Abweichung von der gesetzlichen Bestimmung des § 92 Abs. 3 HGB trotz der eingetretenen Veränderungen in den Anschauungen der beteiligten Verkehrskreise gegenwärtig sachlich nicht zu rechtfertigen.
 
4.3 Zu Provisionsverlusten aus tätigkeitsabhängigen Vertragsaufstockungen in der Ausgleichsprognose vgl. aber auch BGH, 04.05.1959 LS 9 m.w.N.;

zu LS 5 vgl. RG, 09.03.1937 LS 6; OLG Nürnberg, 10.09.2003 LS 7 - DEVK 5 -; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 6; Heymann/Froitzheim, HGB, 3.A., § 92 Rz. 5; vgl. ferner Geßler, Der Ausgleichsanspruch der Handels- und Versicherungsvertreter 1953, S. 94, der automatisch eintretende Vertragsänderungen von solchen unterscheidet, die ein Tätigwerden des VV erst erfordern; vgl. auch RG, 09.03.1937 LS 6 zu § 652 BGB; vgl. aber BAG, 28.02.1984 LS 3 einerseits und LS 13 andererseits; OLG Frankfurt/Main, 18.02.1998 LS 17; Specks, Der Ausgleichsanspruch des gemäß § 89 b HGB, S. 19, die davon ausgehen, dass im Falle von Versicherungsverträgen mit so genannten Dynamikklauseln auch ohne weiteres Tätigwerden des VV ein Anspruch des VV auf Provision zur Entstehung gelangt; a.A. BGH, 20.12.2018 LS 6, 8 - Mayflower 1 -; OLG Köln, 28.05.2004 LS 28 - IFS 1 - (herkömmliche Dynamiken ausreichend zur Begründung des Provisionsanspruchs);

5.1 Maßgeblich für die Frage, ob dem VV im Hinblick auf eine ohne seine weitere Tätigkeit eingetretene Erhöhung des von ihm vermittelten Versicherungsvertrages in der Leistung und im Beitrag ein Anspruch auf Provision zusteht, ist nicht die Frage, ob das Erhöhungsgeschäft in einem wirtschaftlichen Zusammenhang zu einem vom VV vermittelten Ursprungsvertrag steht (vgl. dazu die Anm. 3.1 zu dieser Entscheidung; vgl. auch Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 7; a.A. wohl OLG Köln, 28.05.2004 LS 47). Die Frage, ob dem VV ein Anspruch auf Provision zusteht, ist vielmehr nach Maßgabe der Vorschriften der §§ 92 Abs. 3, 87 Abs. 1 Satz 1 HGB allein danach zu beurteilen, ob das zu Grunde liegende Geschäft auf eine Tätigkeit des VV zurückzuführen ist.

5.2 Unter dem Begriff des Geschäfts i. S. der §§ 92 Abs. 3, 87 Abs. 1 Satz 1 HGB versteht das HGB ein Rechtsverhältnis, aus dem der Dritte dem U zur Leistung verpflichtet ist (vgl. dazu vgl. OLG Frankfurt/Main, 22.01.2019 LS 33; Giesler/Kindervater/Wagenknecht, Vertriebsrecht, 3.A., § 2 Rz. 1458; Herschel/Beine, Handbuch zum Recht des Handelsvertreters, S. 108; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 Rz. 29; Schmidt-Rimpler, Handbuch des gesamten Handelsrechts, Bd. V., 1926, S. 116; vgl. auch Anm. 9.2 zu BGH, 11.10.1990 - Thermodachelemente -; Anm. 9.2 m.w.N. zu OLG Hamm, 25.10.2012 - Volkswohl Bund 1 -; Anm. 10.7 zu OLG Hamm, 20.06.1997; Anm. 2.34 zu OLG Karlsruhe, 20.05.2003 - DEVK 3 -; Anm. 3.1 zu OLG Frankfurt/Main, 18.02.1986; Anm. 2.1 zu OLG Düsseldorf, 11.01.1977 - Mietverträge für Werbeflächen -; Anm. 30.9 zu OLG Saarbrücken, 09.07.1997; Anm. 4.4 zu LG Hamburg, 21.03.2003 - Axel Springer Verlag 2 -; Anm. 5.1 zu LG Hamburg, 10.06.1971; Anm. 13.1 zu LG Dortmund, 29.01.1968 - Signal -; eingehend Anm. 15.2 m.w.N. zu LG Osnabrück, 04.12.2001 - AachenMünchener 3 - a.A. OLG Frankfurt/Main, 16.03.2018 LS 14 - Mayflower 1 -).

5.3 Für die Frage, ob das Tatbestandsmerkmal eines auf die Tätigkeit des VV beruhenden Geschäfts i.S. der Vorschriften der §§ 92 Abs. 3, 87 Abs. 1 Satz 1 HGB erfüllt ist, kommt es daher darauf an, ob, für welchen Zeitraum und in welchem Umfang durch eine Tätigkeit des VV eine unwiderrufliche Verpflichtung des VN begründet worden ist, die Prämie zu zahlen. Eine unwiderrufliche Verpflichtung des VN in diesem Sinne ist nur dann gegeben, wenn und soweit es nicht mehr in dessen Belieben steht, den Versicherungsvertrag auszuführen oder hiervon abzusehen. Abhängig von der Ausgestaltung des Versicherungsvertrages liegt daher ein Geschäft vor, solange der VN bis zum nächsten ordentlichen Kündigungstermin des Versicherungsvertrages vertraglich unwiderruflich zur Prämienzahlung verpflichtet ist.

5.4  Bei den in einem Versicherungsvertrag mit einer so genannten Dynamik von Leistung und Beitrag vorgenommenen Erhöhungen handelt es sich jeweils um eigenständige Geschäfte i. S. des §§ 92 Abs. 3, 87 Abs. 1 Satz 1 HGB, die erst zum Zeitpunkt der jeweiligen Erhöhung zu Stande kommen (vgl. auch LG Berlin, 05.01.1978 LS 2; LG Freiburg, 29.11.1979 LS 2; Anm. 7.1, Anm. 7.2 zu OLG Köln, 01.08.2003 - DEVK 4 -; a.A. OLG Köln, 01.08.2003 LS 7 - DEVK 4 -). Sie sind daher strikt von dem Erstgeschäft zu trennen, das die Versicherung für das erste Versicherungsjahr zum Gegenstand hat. Die VN sind zwar durch den Abschluss der Versicherung mit der Dynamik unwiderruflich gebunden, den Versicherungsvertrag bis zum nächsten ordentlichen Kündigungstermin mit Prämien zu bedienen. Eine Pflicht des VN, auch die sich nach einer späteren Aufstockung ergebende höhere Prämie zu zahlen, wird durch den Abschluss der Versicherung mit einer Regelung über die Dynamik von Leistung und Beitrag jedoch nicht begründet. In einer vorgenommenen Aufstockung einer Versicherung liegt daher ein eigenständiger Geschäftsabschluss, durch den der VN erst erst dann zur Zahlung der höheren Prämie verpflichtet wird, wenn der Zeitraum fruchtlos verstrichen ist, in dem er von der ihm vertraglich eingeräumten Widerspruchsmöglichkeit hinsichtlich der Summenerhöhung Gebrauch machen kann (vgl. dazu auch die Anm. 3.5 zu BAG, 28.02.1984).

5.5 Durch Aufnahme einer Dynamisierungsklausel in einen Lebensversicherungsvertrag verpflichtet sich der Versicherer, dem VN regelmäßig einen Nachtrag zur Abänderung der bestehenden Versicherung mit der Maßgabe einer Erhöhung der Versicherung zukommen zu lassen, und zwar ohne eine gesonderte Gesundheitsprüfung (vgl. dazu und zum nicht mehr praktizierten Antragsverfahren auch die Anm. 3.3 ff. zu BAG, 28.02.1984). Dieser Nachtrag stellt einen Antrag nach Maßgabe des § 145 BGB dar, der bei den Erhöhungsgeschäften, die der Versicherer mit den VN schließt, darin liegt, dass dem Kunden auf Grundlage der ALB rechtzeitig vor dem Erhöhungstermin Mitteilung über die Erhöhung gemacht wird. Der Antrag wird durch das Schweigen des VN bzw. Zahlung des Mehrbeitrags angenommen. Außerdem wird dem VN die Möglichkeit eingeräumt, der Erhöhung ausdrücklich zu widersprechen. Insoweit vereinbaren die Parteien im Versicherungsvertrag, dass dem Schweigen des VN auf die Erhöhungsmitteilung die Bedeutung einer Annahmeerklärung zukommt, sofern auch der erhöhte Beitrag gezahlt wird. Nach Maßgabe des § 151 BGB verzichtet der Versicherer auf den Zugang der Annahmeerklärung. Widerspricht der VN der Erhöhung, so wird die Vertragsaufstockung ex tunc nichtig.

5.6 Da es sich bei den Erhöhungen um eigenständige Geschäfte handelt, kann allein ein wirtschaftlicher Zusammenhang den Provisionsanspruch nach Maßgabe des § 92 Abs. 3 i.V.m. § 87 Abs. 1 Satz 1 1.HS HGB nicht auslösen. Denn der Provisionsanspruch des VV setzt voraus, dass der Abschluss des Geschäfts auf die Tätigkeit des VV zurückzuführen ist. Ein Anspruch auf Provision kommt daher nur in den Fällen in Betracht, in denen der VV nachweist, auf den Kunden mit dem Ziel eingewirkt zu haben, diesen zu veranlassen, das konkret anstehende summenerhöhende Geschäft zu schließen.

zur Frage, ob nach der Klausel auch so genannte Dynamikprovisionen erlöschen, vgl. verneinend LG Karlsruhe, 08.03.1999 LS 1 m.w.N.;

zum Bestehen eines Provisionsanspruchs bei Erhöhungsgeschäften durch Nachmeldungen in einem echten Gruppenversicherungsvertrag vgl. die Anm. 4.1 zu OLG Celle, 25.11.1992;

zu LS 6 vgl. OLG Nürnberg, 10.09.2003 LS 8 - DEVK 5 -; LG Freiburg, 18.12.1979 LS 19; 29.11.1979 LS 3; Anm. 8.1 zu OLG Nürnberg, 10.09.2003 - DEVK 5 -; Anm. 2.13 zu OLG Karlsruhe, 20.05.2003 - DEVK 3 -; Anm.9.2 zu OLG Köln, 01.08.2003 - DEVK 4 -; Anm. 2.3.2 zu OLG München, 14.07.2016; Anm. 9.2 zu OLG Hamm, 25.10.2012; Anm. 21.1.5 zu OLG Brandenburg, 20.05.2009; Anm. 27.3 zu OLG Hamm, 21.01.1999 - AachenMünchener 1 -; Anm. 10.7 zu OLG Hamm, 20.06.1997; vgl. aber BGH, 20.12.2018 LS 7 - Mayflower 1 -; Anm. 4.3 zu OLG Celle, 25.11.1992; a.A. OLG Frankfurt/Main, 16.03.2018 LS 12 - Mayflower 1 -). Ein Geschäft i.S.d. §§ 92 Abs. 3, 87 Abs. 1 Satz 1 sowie des 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB 1989 liegt daher nur dann vor, wenn und soweit der VN durch den geschlossenen Versicherungsvertrag gegenüber dem vertretenen VU unwiderruflich verpflichtet ist, den Vertrag auszuführen, d.h. die vereinbarte Prämie zu zahlen. Nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, liegt ein Geschäft i.S. der §§ 92 Abs. 2, 87 Abs. 1 Satz 1 HGB vor (vgl. dazu im Einzelnen Anm. 15.2 zu LG Osnabrück, 04.12.2001 - AachenMünchener 3 -; a.A. OLG Frankfurt/Main, 16.03.2018 LS 12, 14 - Mayflower 1 -).