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OLG Celle, 13.06.2002 - 11 U 63/02 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:OLGCE:2002:0613.11U281.01.0A
Gesetz
§ 89 a HGB; § 90 a Abs. 1 Satz 1 HGB; § 90 a Abs. 1 Satz 3 HGB; § 9 Abs. 1 AGBG; § 9 Abs. 2 Nr. 1 AGBG; § 138 BGB
Stichworte
- AWD 34 -; wichtiger Grund; Fälligstellen eines Darlehns nach unberechtigter fristloser Kündigung des HV; eigenes Verhalten des Kündigenden; nachvertragliches Wettbewerbsverbot; nachvertragliches Abwerbeverbot in HVV; Verbot der Abwerbung von HV nach Vertragsende
Anmerkung


Vorinstanz LG Hannover, 20.02.2002 - 23 O 2/02 -

zu LS 3 zu den rechtlichen Möglichkeiten des Vorgehens des VU im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes gegen eine Wettbewerbstätigkeit des VV vgl. Blankenburg, VersR 10, 581 ff.;

zu LS 5 Hat der Kündigende den wichtigen Grund durch sein eigenes vertragswidriges Verhalten veranlasst, kann er sich nach § 242 BGB nicht darauf berufen, zur außerordentlichen Kündigung des Agenturvertrags berechtigt zu sein (vgl. dazu BGH, 17.10.1991 LS 8 m.w.N.).

zu LS 8 vgl. OLG Karlsruhe, 17.04.2015 LS 1 - DVAG 44 -; a.A. OLG Hamburg, 09.05.1996 LS 1 - DVAG 14 -; LG Hamburg, 11.10.1996 LS 1 - DVAG 15 -; offen gelassen von OLG Frankfurt/Main, 25.07.2006 LS 18;

Ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot unter generellem Ausschluss einer Karenzentschädigung ist auch gemäß Art. 12 GG unwirksam (BVerfG, 07.02.1990 - I BvR 26/84 - BVerfGE 81, 242 = NJW 90, 1469 - jedenfalls bis zur Novellierung von § 90 a Abs. 2 Satz 2 HGB vom 23.10.1989 -; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 90 a Rz. 4).

zu LS 9 vgl. OLG Oldenburg, 28.12.1995 LS 2; OLG Karlsruhe, 17.04.2015 LS 1 - DVAG 44 -; LG Mainz, 16.01.2004 LS 16 - EFS 1 -; LG Köln, 29.11.1983 LS 3; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 90 Rz. 46; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 90 a Rz. 19; offengelassen von LG Potsdam, 24.03.2004 LS 6 - EFS 2 -; zur arbeitsgerichtlichen Rspr. zur Vorschrift des § 74 Abs. 1 HGB vgl. ArbG Berlin, 04.03.2005 LS 7 m.w.N.;

zu LS 10 vgl. LG Mainz, 16.01.2004 LS 11 - EFS 1 -;

10.1 Kommt einem für einen U tätigten Untervertreter vertraglich auch die Aufgabe zu, weitere Vermittler für den U anzuwerben, ist er zwar im Rahmen dieser Pflicht ständig damit betraut, Handelsvertreterverträge für den U zu vermitteln oder in dessen Namen abzuschließen. Bei den HVV handelt es sich aber nicht um Geschäfte i.S. des §§ 84 Abs. 1, 87 Abs. 1 HGB. Solche würden nur dann vorliegen, wenn der neu geworbene Vermittler unwiderruflich zur Erbringung der Leistung verpflichtet wird, die die Grundlage für die Bemessung der Provision bildet. Dies ist zu verneinen.

10.2 Eine Verpflichtung des Vermittlers, auf der Grundlage des geschlossenen HVV Geschäfte herbeizuführen, aus denen dem vertretenen U unwiderruflich Entgeltansprüche erwachsen, aus denen die Provision zu berechnen ist, besteht nicht. Der Untervermittler ist lediglich verpflichtet, sich um die Herbeiführung von solchen Geschäften zu bemühen. Aus diesem Grunde hat der Senat zutreffend darauf abgestellt, dass der Untervertreter allgemein in seiner gewerblichen Tätigkeit beschränkt wird und nicht unmittelbar in seiner auf die Vermittlung oder den Abschluss eines Geschäfts gerichteten Tätigkeit. Eine solche Tätigkeit entfaltet der Untervertreter lediglich insoweit, als er auf seine nachgeordneten Vermittler mit dem Ziel einwirkt, sie bei deren Vermittlungstätigkeit anzuleiten zu schulen und zu überwachen.

zu LS 11 vgl. OLG München, 09.12.2015 LS 22 - Immobilienvermittlung -; 22.01.1997 LS 15; LG Köln, 29.11.1983 LS 2 m.w.N.; vgl. aber BAG, 20.04.1964 LS 7; OLG Düsseldorf, 02.11.1971 LS 5; vgl. LG Köln, 29.11.1983 LS 2 m.w.N.; vgl. aber auch OLG Brandenburg, 14.07.1998 LS 31 - DVAG 13 -; OLG Schleswig, 13.06.1997 LS 11 - DVAG 3 -; offengelassen von BGH, 03.12.2015 LS 4 - DVAG 44 -;

zu LS 12 vgl. OLG Düsseldorf, 12.07.2013 LS 25, 47; OLG Karlsruhe, 17.04.2015 LS 10 - DVAG 44 -; OLG München, 26.06.2002 LS 16; a.A. BGH, 12.11.1986 LS 9; OLG Schleswig, 13.06.1997 LS 11 - DVAG 3 -; LG Lübeck, 20.11.2001 LS 12 - AWD 88 -; unangemessene Benachteiligung offengelassen von BGH, 03.12.2015 LS 4 - DVAG 44 -; vgl. aber auch KG, 26.06.1997 LS 14 - DVAG 4 -, das davon ausgeht, dass die Vorschrift des § 138 BGB im Anwendungsbereich des § 90 a HGB nicht zur Anwendung gelangt;

Verstößt ein nachvertragliches Wettbewerbsverbot in einem HVV gegen § 90 a Abs. 1 i. V. m. Abs. 4 HGB mit der Folge, dass es gemäß § 134 BGB unwirksam ist, kommt es nicht auf die Frage an, ob diese Klausel dem AGBG unterliegt (LG Waldshut-Tiengen, 15.11.1999 LS 2).