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OLG Frankfurt/Main, 30.01.2001 - 5 U 173/99 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:OLGHE:2001:0130.5U173.99.0A
Fundstellen
EversOK; HVR Nr. 954; BeckRS 10, 03003
Gesetz
§ 86 a Abs. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 HGB; § 89 b Abs. 1 Nr. 2 HGB; § 89 b Abs. 2 HGB; § 352 Abs. 1 Satz 1 HGB; § 353 Satz 1 HGB
Stichworte
- Volvo 5 -; AA des VH; Basisjahr; Rückführung der Händlervergütung auf den handelsvertretertypischen Rabattkern
Anmerkung


Vorinstanz LG Frankfurt/Main, 30.06.1999 - 3/13 O 69/98;

vgl. zu dieser Entscheidung LG Stuttgart, 31.07.2001 LS 34 - Porsche 3 -;

zu LS 2 vgl. LG Stuttgart, 31.07.2001 LS 6 m.w.N. - Porsche 3 -;

zu LS 4 vgl. Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 2;

zu LS 10 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. II Rz. 82;

zu LS 13 vgl. BGH, 04.06.1975 LS 32 m.w.N. - Toto-Lotto Niedersachsen -; OLG Karlsruhe, 14.07.2017 LS 45; LG Möchengladbach, 25.03.1993 LS 1 m.w.N.;

zu LS 16 16.1 Mit der Bonifikation beabsichtigt der U eine Steuerung der Absatztätigkeit der VH. Die Steuerungsziele können sich von Jahr zu Jahr ändern. So können sie sich etwa undifferenziert auf das gesamte Absatzvolumen des Händlers richten. Ebenso können sie auf die Erreichung oder Überschreitung bestimmter typenspezifisch definierter prozentualer Marktanteile zielen. Um die erforderliche Flexibilität zu gewährleisten, werden Bonifikationen in der Praxis regelmäßig dahingehend ausgestaltet, dass der U sich ausdrücklich vorbehält, für die kommenden Zeiträume Bonifikationen auszuloben und deren Voraussetzungen im Einzelnen festzulegen.

16.2 Hat der U die Bonifikation ausgelobt und erfüllt der VH die Voraussetzungen zum Erwerb der Bonifikation für den Auslobungszeitraum, so erwirbt der VH einen Rechtsanspruch auf die Bonuszahlung. Entgegen der Auffassung des Senats steht es daher einer Berücksichtigung der Boni bei der Verlustprognose nicht entgegen, dass dem VH kein Rechtsanspruch auf die Auslobung einer Bonifikation für die späteren Zeiträume gewährt wird, weil der VH im Falle der Fortsetzung der Tätigkeit auch weitere Rechtsansprüche auf Bonifikationszahlungen erwerben würde. Die Fortsetzung der Tätigkeit ist im Rahmen der Fortsetzungsfiktion nach Maßgabe des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB zu unterstellen. Daher ist auch die Auslobung weiterer Bonifikationen zu unterstellen, wenn der U nicht vorträgt, dass er die Bonifikationen abgeschafft hat und er sie während des Prognosezeitraums auch nicht wiedereinzuführen beabsichtigt.

16.3 Eine andere Frage ist es, ob eine Berücksichtigung der Bonifikation im Hinblick darauf unterbleiben muss, dass sie mit dem Prinzip der Fortsetzungsfiktion unvereinbar wäre. Soweit Ansprüche auf Bonifikation nur dann entstehen, wenn der VH neue Kunden wirbt, kann die Bonifikation im Rahmen der Verlustprognose nicht berücksichtigt werden (vgl. dazu die Anm. 17.2 zu LG Heilbronn, 30.10.1998).

zu LS 18 vgl. LG Stuttgart, 31.07.2001 LS 36 m.w.N. - Porsche 3 -; Stumpf/Jaletzke/Schultze/Wauschkuhn, Der Vertragshändlervertrag, 3.A., Rzz. 802, 803;

zu LS 22 22.1 Unter der Voraussetzung für eine entsprechende Anwendung des Handelsvertreterrechts, nach der das Vertragsverhältnis zwischen dem U und dem VH über eine bloße Verkäufer-Käufer-Beziehung hinausgeht und der VH wie ein HV in die Absatzorganisation des U eingebunden ist, findet die Vorschrift des § 86 a HGB entsprechende Anwendung (vgl. dazu Anm. 4 m.w.N. zu LG Karlsruhe, 16.09.1988 - Buch der Persönlichkeiten -). Dies bedeutet, dass der U dem VH Werbematerial zur Verfügung zu stellen hat (Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., vor § 84 Rz. 18).

22.2 Nach weitergehender Auffassung soll der U dem VH analog § 86 a Abs. 1 HGB auch Kundendienstanleitungen und die Ausrüstung für die Durchführung des Kundendienstes zur Verfügung zu stellen haben (Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., vor § 84 Rz. 18; Ulmer, Der Vertragshändler, S. 433).

zur analogen Anwendung der Vorschrift des § 86 a HGB auf den VH allgemein vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 65; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 84 Rz. 11; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 18;

zu LS 26 vgl. Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 41;

zu LS 27 zum Basisjahr bei langlebigen Wirtschaftsgütern mit überjährigen Umschlagszeiten vgl. OLG Oldenburg, 04.06.1987 LS 8 m.w.N. - Hüppe -;

zur Problematik der unregelmäßigen Nachbestellungsintervalle bei langlebigen Wirtschaftsgütern vgl. auch Küstner, v. Manteuffel & Evers (Hrsg.), Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters 1998, Ziff. I.5.1.1., S. 24f.;

zu LS 31 vgl. LG Stuttgart, 31.07.2001 LS 39 m.w.N. - Porsche 3 -;

zu LS 32 vgl. Martinek/Semler/Ullrich, HdB des Vertriebsrechts, § 16 Rz. 72;

zu LS 35 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. IX Rz. 154 m. Fn. 226;

zu LS 36 vgl. BGH, 29.03.1990 LS 7; OLG Frankfurt/Main, 06.07.2010 LS 9, 10 - DVAG 27 -; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rzz. 30 und 47; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 89 b Rz. 93; nach Auffassung des BGH handelt es sich hierbei nicht um eine tatsächliche Vermutung, sondern eine Schätzung, die ihre Grundlage in der Vorschrift des § 287 Abs. 2 ZPO findet (BGH, 13.01.2010 LS 6; 15.07.2009 LS 3 - Aral 11 -).

zu LS 41 vgl. BGH, 05.06.1996 LS 18 m.w.N. - Volvo 2 -;Stumpf/Jaletzke/Schultze/Wauschkuhn, Der Vertragshändlervertrag, 3.A., Rz. 782;

zu LS 47 vgl. Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 89 b Rz. 41;

zu LS 48 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 151; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 121; Baumgärtel/Reinicke, der Beweislast, Bd. IV, 1988, § 89 b HGB, Rz. 3;

zu LS 52 vgl. Küstner/von Manteuffel/Evers, HdB-ADR, Bd. II, 6.A., Rz. 1456; aktualisiert in Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. XIV Rzz. 30 ff.