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LG Stuttgart, 21.12.1955 - 3 KfH O 35/55 - (Urteil)

LG Stuttgart, 21.12.1955 - 3 KfH O 35/55 - (Urteil)
Fundstellen
VersR 56, 415
Gesetz
§ 89 b HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB; § 89 b Abs. 5 HGB; § 92 HGB
Stichworte
AA des VV; Abschlussfolgeprovision; Bestandspflegeprovision; Verwaltungsprovision; Mehrfirmenvertreter; Mehrfachagent; Interessenwahrnehmungspflicht; Interessenwahrungspflicht
Anmerkung
n. rkr.; Berufungsurteil OLG Stuttgart, 26.03.1957; Revisionsurteil BGH, 04.05.1959;

dem Rechtsstreit lag das Gutachten des BAV vom 13.10.1955 zu Grunde, das vom LG Stuttgart eingeholt worden war;

zu LS 4 vgl. Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 374; Schroeder, Recht der Handelsvertreter, § 92 b HGB Anm. 2 Rz. 2;

zu LS 12 Tiret 2 vgl. KG, 06.03.1964 LS 23; Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 324, 377, 378, 391, 403, 406, 407, 409, 410, 417, 418, 421, 424, 426; a.A. OLG Stuttgart, 26.03.1957 LS 5; Küstner/v. Manteuffel/Evers, HdB-ADR, Bd. II, 6.A. Rz. 811; beachte dazu Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. II, 9.A., Kap. IX Rzz. 230 ff., insb. 245;

zu LS 17 vgl. Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 398-406;

zu LS 18 vgl. Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 395, 428;

zu LS 19 vgl. Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 396;

zu LS 20 vgl. OLG Stuttgart, 26.03.1957 LS 6 m.w.N.; Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 263, 266, 413.

Es kann nicht generell für alle Agenturverträge im LV- und KV-Geschäft davon ausgegangen werden, dass die ab dem 2. Versicherungsjahr gezahlte Vergütung vermittlungsfremde Leistungen abgilt, sondern es ist jeweils im Einzelfall festzustellen, ob die Folgeprovision trotz ihrer Bezeichnung als Verwaltungsprovision in Wirklichkeit zur Abgeltung vermittelnder Leistungen gezahlt wird (BGH, 01.12.1960 LS 16 m.w.N.; 04.05.1959 LS 2, Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 266, 267).

zu LS 21 Nach den Agenturvertrag oblagen dem VV u.a. die folgenden Aufgaben.

- Werbung neuer VN für das VU,
- rechtzeitiger Beitragseinzug der in seinem Bestand befindlichen Versicherungen,
- Abrechnung über die kassierten Beiträge,
- die Erinnerung und Mahnung der in der Beitragszahlung säumigen VN,
- gewissenhafte Bestandspflege durch übersichtliche listenmäßige Überwachung der Zu- und Abgänge, persönliche und schriftliche Bearbeitung aller Austritte, individuelle und zuvorkommende Bedienung aller VN in persönlicher und schriftlicher Form,
- Berechnung und Auszahlung der Versicherungsleistungen an die VN seines Bestandes, soweit ihm diese Aufgabe übertragen war,
- Krankenkontrollen sowie
- Führung der vom VU vorgeschriebenen Listen und Statistiken.

Als Provision erhielt der VV

- eine Abschlussprovision in Höhe einer Aufnahmegebühr von 1,-- bis 5,-- DM zzgl. vier Monatsbeiträge,
- Inkassoprovision in Höhe von 6 1/2 % der als kassiert abgerechneten Beiträge, 2 % Bestandspflegeprovision der als kassiert abgerechneten Beiträge und 2 % Sonderprovision für Schadensregulierung,
- eine Steigerungsprovision in Höhe von 5 % der Steigerung von dem bisher höchsten Stand der nach der Währungsform jeweils als kassiert abgerechneten Beiträge.

zu LS 22 vgl. a.A. Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 395, 396;

zu LS 25 Im Streitfall hat der VV nicht nur 4, sondern sogar 41/2 Monatsbeiträge als Abschlussprovision erhalten.

zu LS 26 vgl. Prölss, VAG 1955, Anm. 3 zu § 1; Anm. 2, 1 aa zu § 8;

zu LS 27 vgl. Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung 1954, S. 324