LG München I, Urteil, 08.12.2008 - 14 HK O 24599/07 - EversOK



ECLI
ECLI:DE:LGMUEN1:2008:1208.14HKO24599.07.0A
Fundstellen
EversOK; VW 09, 359 (Evers); WVV 3/09, 5 (Eggebrecht); BB 09, 350 m. Anm. Röder; FamRZ 09, 1712 LS; Juris; BeckRS 09, 4737; openJur; IWW; Wolters Kluwer
Gesetz
§ 89 b HGB; § 89 b Abs. 5 HGB; § 92 HGB
Stichworte
- Allianz 14 -; AA des VV; Anrechenbarkeit der Altersversorgung auf den AA; funktionelle Verwandtschaft; Doppelbelastung; Anrechnungvereinbarung; gleichzeitige Fälligkeit von AA und Versorgungsleistung
Anmerkung


Berufungsentscheidung OLG München, 05.08.2009;

zu LS 5 vgl. BeckOK-BGB/Schmidt, 54.Ed., § 307 Rz. 171;

zu LS
8 vgl. Evers/Kiene, ZfV 01, 585, 586;

zu LS 9 9.1 Auf den Gesichtspunkt einer funktionellen Verwandtschaft hat der BGH die anspruchsmindernde Berücksichtigung der vom U finanzierten Altersversorgung auf den AA des VV in seinen neueren Entscheidungen nicht mehr gestützt. Soweit der Aspekt in den Entscheidungen erwähnt worden ist, handelte es sich lediglich um eine Wiedergabe der bisherigen Rechtsprechungsgrundsätze, ohne dass diese in diesem Punkt ausdrücklich fortgeschrieben worden wären (vgl. BGH, 20.11.2002 LS 14 - Allianz 5 -; und 20.11.2002 LS 17 - Axa Colonia 2 -).

9.2 Der Berichterstatter dieser beiden Entscheidungen Allianz 5 und Axa Colonia 2, Gerbert Hübsch, hat anlässlich eines ausgleichsrechtlichen Symposiums in Kassel am 16.02.2004 ausdrücklich bestätigt, dass der Senat für die Frage der anspruchsmindernden Berücksichtigung einer aus Mitteln des U finanzierten Altersversorgung des VV bei der Ermittlung des AA des HV unter dem Aspekt der Billigkeit nach Maßgabe des § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 HGB den Gesichtspunkt einer funktionellen Verwandtschaft nicht mehr als tragend ansieht.

9.3 In der Tat hat der VIII. Zivilsenat des BGH die Grundsätze einer funktionellen Verwandtschaft von AA und Altersversorgung in späteren Entscheidungen nicht mehr aufgegriffen (vgl. BGH, 14.06.2006 - Westfälische Provinzial 5 -; 21.05.2003 LS 17 - Windhager 1 - sowie Evers, VW 09, 1694). Auch der VII. Zivilsenat hat die funktionelle Verwandtschaft nicht zur Rechtfertigung einer Anspruchsminderung bemüht (vgl. BGH, 08.05.2014 - DVAG 27 -). Indes leben diese Grundsätze in der obergerichtlichen Rspr. (OLG Hamburg, 26.01.2011 LS 17, 18, 19 - HMI 3 -; 10.08.2009 LS 3 - Hamburg-Mannheimer 11 -; OLG Celle, 13.01.2005 LS 13 - BHW 4 -; OLG Köln, 21.04.2016 LS 8; 28.11.2014 LS 11 - DEVK 12 -; 20.10.2014 LS 4; 14.08.2014 LS 3; 30.01.2009 LS 7 - DEVK 6 -; 01.08.2003 LS 12 - DEVK 4 -; OLG Düsseldorf, 26.05.2017 LS 85 - Victoria 5 -; OLG Nürnberg, 10.09.2003 LS 12 - DEVK 5 -; OLG München, 10.11.2010 LS 4 m.w.N.; 05.08.2009 LS 2 - Allianz 14 -; 16.11.2006 LS 3; 21.12.2005 LS 28 - Allianz 9 -; 30.06.2005 LS 3 - Allianz 8 -; 12.02.2004 LS 1 - Gothaer 1 -) und der Literatur (Baumbach/Hopt, HGB, 39.A., § 89 b Rz. 39; Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 89 b Rz. 11a; Flohr/Wauschkuhn/Sperling, Vertriebsrecht, 2.A., § 89 b Rz. 159; BeckOK-HGB/Lehmann, 28.Ed., § 89 b Rz. 59; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 89 b Rz. 253; Giesler/Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 2 Rz. 852; Thume, VersR 09, 436, 441; Blomeyer/Rolfs/Otto, Betriebsrentengesetz, § 1 Rz. 54, § 5 Rz. 160; Höfer/de Groot/Küpper/Reich, Betriebsrentenrecht - BetrAVG- § 5 Rz. 130) fort. Die Entscheidung der Kammer ist vereinzelt geblieben ebenso wie die Stimmen in der Literatur, die sich von den Grundsätzen distanziert haben (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 21; Löwe/Schneider, ZIP 03, 1129, 1135; kritisch auch schon Evers/Kiene, ZfV 01, 585, 586 ff.).

zu LS 17 vgl. a.A. OLG München, 05.08.2009 LS 14 m.w.N. (Unerheblichkeit etwaiger Widerrufsvorbehalte), LS 17 (Doppelabsicherung verhindert Doppelbelastung nicht) und LS 20 (Geltendmachung des ungekürzten AA begründet Doppelbelastung) - Allianz 14 -;

Die Annahme einer Doppelbelastung des U erscheint nur dann gerechtfertigt, wenn auch tatsächlich das Vorliegen einer doppelten Belastung geprüft wird (Evers/Kiene, ZfV 01, 585, 588). Hat sich der U demgegenüber die Kürzung der Versorgungsleistung für den Fall vorbehalten, dass ein AA besteht, kann es nicht angenommen werden, dass der U doppelt belastet wird. Der U wird durch die Möglichkeit der Geltendmachung der Kürzungs- und Entziehungsrechte entlastet.

zu LS 18 vgl. BGH, 15.12.2016 LS 26 - Windhager 2 -;

zu LS 27 vgl. a.A. Anm. 8.1 zu OLG Düsseldorf, 24.02.1995; vgl. aber auch OLG Düsseldorf, 24.02.1995 LS 8 sowie BVerfG, 19.10.1983 LS 5 m.w.N., wonach die Zusage einer bAV als Entgelt für eine Leistung des Versorgungsberechtigten anzusehen ist;

zu LS 32 vgl. a.A. Evers/Kiene, ZfV 01, 618, 619 = Sonderdruck, S. 10, sowie unter 6.b)aa)(1) - konditionale Verknüpfung ausreichend für Verneinung anspruchsmindernder Berücksichtigung im Rahmen der Billigkeit -; im Ergebnis ebenfalls die vollumfängliche anspruchsmindernde Berücksichtigung verneinend auch OLG Düsseldorf, 24.02.1995 LS 8 m.w.N.