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BGH, 27.11.1985 - IVa ZR 68/84 - (Urteil)

Fundstellen
NJW 86, 1036; r + s 86, 77; EWiR § 652 BGB 4/86, 255 (Schwerdtner); VersR 86, 236; WM 86, 329; LM Nr. 100 zu § 652 BGB; DRspr II (210) 334 f; Juris; BeckRS 9998, 99774; prinz.law; Wolters Kluwer
Gesetz
§ 652 BGB; § 93 HGB; § 157 BGB; § 133 BGB; § 346 HGB
Stichworte
Status des VM als HM; Anspruch auf Provision für Folgevertrag; Erhöhung des Haftungslimits; wesentliche Abweichung des Folgevertrages von dem Erstvertrag; Handelsbrauch; offene Mitversicherung; Austausch eines Konsorten ohne Wechsel des führenden VU keine wesentliche Vertragsänderung; Vermittlungstätigkeit bei Nachversicherung; Neuordnung der Verträge; Anforderungen an die Vermittlungsleistung
Anmerkung
Vorinstanz OLG Köln, 08.02.1984 - 24 U 168/83 -

zu LS 1 vgl. BGH, 02.10.1985 LS 1; Bruck/Möller, VVG, 8.A., Anm. 81 vor §§ 43-48; Prölss/Martin, VVG, 24.A., Anhang zu § 48 Anm. 3) B. b);

zum Anspruch des Maklers auf Folgeprovision vgl. BGH, 13.06.1990 LS 1, 2;

zu LS 2 vgl. BGH, 13.06.1990 LS 2;

zu LS 3 vgl. 13.01.2005 LS 4, LS 5;

zu LS 5 vgl. BGH, 13.01.2005 LS 6; OLG Hamburg, 16.09.1942 LS 2; 03.07.2002 LS 5; OLG Bremen, 12.02.1970 LS 5; OLG Oldenburg, 13.01.1999 LS 2; OLG Hamm, 08.03.1996 LS 3; 08.12.1994 LS 4; OLG Düsseldorf, 06.06.1997 LS 3; OLG Köln, 22.06.2004 LS 1 - Atlanticlux 22 -; 01.06.1995 LS 4; OLG Frankfurt/Main, 12.11.1993 LS 4; LG Lübeck, 30.06.1950 LS 4; LG Hamburg, 31.05.1951 LS 3; 23.06.1961 LS 1; LG Berlin, 01.12.1936 LS 3; LG Dortmund, 15.01.2014 LS 3 - Volkswohlnund 2 -; LG Wuppertal, 20.03.2001 LS 1, 18 - FWU 3 -; LG Düsseldorf, 27.05.1998 LS 1 - Victoria 3 -; LG Aachen, 08.04.2003 LS 6; LG Weiden, 21.08.2001 LS 2 - General Accident 4 -; LG Saarbrücken, 23.12.1999 LS 8 - FWU 2 -; LG Nürnberg-Fürth, 10.09.1999 LS 1 - FWU 1 -; AG Köln, 13.07.2015 LS 2; AG Kitzingen, 20.11.2009 LS 13; AG Stuttgart, 09.07.1991 LS 3; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 93 Rz. 9; Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 65; Prölss/Martin/Kollhosser, VVG, 26.A. Anh. zu §§ 43-48 Rz. 1; Gauer, Der Versicherungsmakler und seine Stellung in der Versicherungswirtschaft, 1951, S. 16 ff., 40 ff.; Bruck/Möller, VVG, 8.A., Vor §§ 43-48 Anm. 13; Benkel/Reusch, VersR 92, 1302, 1306 f.; Cornelissen, Die gewerberechtliche Erlaubnis zur Versicherungsvermittlung und -beratung unter besonderer Berücksichtigung des Polarisationsprinzips 2016, S. 46; Wandt, Versicherungsrecht, 5.A., Rz. 411; vgl. auch Evers/Friele, Maklerkompass 2014, S. 71, 129; einschränkend Zinnert, Recht und Praxis des Versicherungsmaklers 2008, der davon ausgeht, dass der Normenkreis der §§ 93 ff. HGB zwar nach wie vor als Ausgangsbasis für das Recht des VM diene, wobei die Normen aber ein erkennbar schwaches Fundament darstellten (S. 27) und selbst die Begriffsdefinition des § 93 HGB inzwischen durch § 59 Abs. 3 VVG abgelöst worden sei (S. 28); a.A. Michaelis, Versicherungsmaklerrecht 2010, S. 4 ff., 9 f.; Simon, Der ewige Streit um den Rechtsstatus des Versicherungsmaklers nimmt kein Ende?, Teil II;

5.1 Teilweise wird die Frage aufgeworfen, ob der VM auch noch als HM gemäß § 93 HGB qualifiziert werden darf, nachdem der Gesetzgeber den Begriff des VM in § 59 Abs. 3 VVG legaldefiniert hat (vgl. im Ergebnis verneinend Simon, Der ewige Streit um den Rechtsstatus des Versicherungsmaklers nimmt kein Ende?, Teil I, Teil II). Indes veranlasst diese Rechtsentwicklung nicht dazu, den VM als HM zu qualifizieren und dies auch in einer Courtagezusage zum Ausdruck zu bringen, in der die Vorschrift des § 93 HGB ausdrücklich benannt wird. Der Grund liegt darin, dass diese Norm die handelsrechtliche Beziehung des Versicherungsmaklers (VM) zum Versicherer (VU) betrifft. Sie dient dazu, den Absatzmittler-Typus des Handelsmaklers (HM) von demjenigen des Handelsvertreters (HV) abzugrenzen, was nach der Rechtsprechung unbeschadet der von Ihnen genannten novellierten Vorschriften des VVG und der GewO erforderlich ist (OLG Düsseldorf, 22.12.2011 LS 11 m.w.N.). Die beiden Absatzmittler-Typen HM und HV unterscheiden sich grundlegend. Der Versicherungen vermittelnde oder abschließende HV ist handelsrechtlich nicht nur zwingend verpflichtet, die Interessen des vertretenen U wahrzunehmen (§§ 92 Abs. 1, 2 i.Vm. 86 Abs. 1, 2. HS HGB). Vor allem verfügt er über eine Reihe von Schutzrechten, die dem VM nicht zustehen, wie etwa den Rechten auf Buchauszug nach § 87 c Abs. 2 HGB (LG Berlin, 05.03.2009 LS 20 m.w.N.), auf Zahlung eines AA nach § 89 b Abs. 5 HGB (OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 44) oder die sehr eingeschränkt anwendbaren Rechte des VM auf Erhalt des Courtageanspruchs wegen teilweise oder vollständig nicht ausgeführter Versicherungsgeschäfte nach § 87 a Abs. 3 HGB analog (BGH, 01.12.2010 LS 8 ff.). Auch wenn der Gesetzgeber das Nebeneinander von Versicherungsvertragsrecht, Gewerberecht und Handelsrecht nicht einheitlich behandelt hat, hat doch die Rechtsprechung schon alsbald nach Umsetzung der RiLi 2002/92/EG (Versicherungsvermittlerrichtlinie) in das deutsche Recht die Gelegenheit ergriffen für die Klarstellung, dass die Definitionen der Begriffe VM und VV in § 59 Abs. 2 und 3 VVG nur für das VVG gelten, nicht aber für das handelsrechtliche Verhältnis des Absatzmittlers zu dem jeweils anderen U (LG Ulm, 28.08.2007 LS 5 – DFA –).

5.2 An diesem Befund vermag auch die nachfolgende Passage in der Gesetzesbegründung (BT-Drs. XVI/1935, S. 22) nichts zu ändern, wo es heißt:

"Auch der für die Anwendung des Gesetzes künftig maßgebliche Begriff des VM weicht nicht unerheblich vom Begriff des HM nach § 93 Abs. 1 HGB ab. Die Merkmale nach Satz 1 stimmen bezüglich der Tätigkeit mit den Voraussetzungen für den VV nach Absatz 2 überein. Das nach geltendem Recht für die Unterscheidung maßgebliche Kriterium, dass der Vertreter im Gegensatz zum Makler mit seiner Vermittlungstätigkeit ständig betraut sein muss, entfällt wegen der nach der Richtlinie notwendigen Erweiterung des Vertreterbegriffes nach Absatz 2. Daher ist nach Satz 1 für den VM zur Abgrenzung vom VV entscheidend, dass er nicht von einem Versicherer, sondern von einem Kunden mit einem Vermittlungsgeschäft betraut wird. Während der VV das Interesse des Versicherers wahrzunehmen hat, steht der VM im Verhältnis zum Versicherer auf der Seite des Kunden als dessen Interessenwahrer und Sachwalter."

Entsprechendes gilt für die Entscheidung des BGH (14.01.2016 LS 12 - Versteegen Assekuranz -). Der Gesetzgeber hat die Umsetzung der Versicherungsvermittlerrichtlinie nicht zum Anlass genommen, die Norm des § 93 HGB zu modifizieren. Sie ist daher nicht überholt. Die Versteegen-Assekuranz-Entscheidung betrifft ihrem Regelungsgehalt nach nur die Frage, ob VM mit der Schadenregulierung beauftragt und insoweit tätig werden dürfen. Dieser Entscheidung kann auch kein wegweisender Impuls entnommen werden, der über ihren Regelungsgehalt hinauszuweisen vermag. Denn sie ist mit der herrschenden Meinung vom Bestehen eines Doppelrechtsverhältnisses (BGH, 19.10.1994 LS m.w.N.) und vor allem dem Leitbild des ehrlichen Maklers als eines um einen Interessenausgleich bemühten echten Mittlers zwischen den Parteien des Versicherungsvertrages (vgl. dazu Schmidt, Zur Rechtsstellung des Versicherungsmaklers in Deutschland 1957, in Entwicklungen und Erfahrungen auf dem Gebiet der Versicherung 1984, S. 33) nicht in Deckung zu bringen. Sie hat deshalb in der Literatur auch vernichtende Kritik erfahren (vgl. Evers, Kongressvortrag zur DKM v. 27.10.2016; sowie, Abschaffung des Maklerstatus durch Rechtsfortbildung, VJ v. 9. November 2016). In jedem Fall kann und soll die Entscheidung ihrem Regelungsgehalt nichts an dem Erfordernis ändern, den VV handelsrechtlich vom VM abzugrenzen, um die Rechte zu bestimmen, die dem Absatzmittler gegen den Versicherer zustehen.


zu LS 6 vgl. BGH, 13.01.2005 LS 7;

zu LS 7 vgl. BGH, 13.12.2005 LS 11;

zum Bestehen eines Handelsbrauchs bezüglich des Fortbestehens des Courtageanspruchs bei Vermittlerwechsel vgl. ferner Anm. 2.1 zu AG Stuttgart, 09.07.1991; sowie Anm. 19 zu LG Berlin, 03.01.2001 - Feuersozietät 4 -;

zu LS 8 vgl. BGH, 12.12.2013 LS 9 m.w.N. - Atlanticlux 43 -; 5.04.1967 LS 24; OLG Hamm, 16.08.1984 LS 5, 6 ; OLG Stuttgart, 28.12.1990 LS 9; OLG Karlsruhe, 01.10.1987 LS 9; LG Bremen, 07.04.2005 LS 4; LG Saarbrücken, 17.05.2016 LS 7; LG Nürnberg-Fürth, 10.09.1999 LS 14 - FWU 1 -; Bruck/Möller, VVG, 8.A., Anm. 42 f. vor §§ 43-48; Möller, Recht und Wirklichkeit der Versicherungsvermittlung, S. 106 ff.; Prölss/Martin, VVG, 24.A., Anh. zu §§ 43-48; Spielberger, VersR 84, 1013; vgl. ferner BGH, 13.01.2005 LS 9; OLG Hamm, 19.06.2000 LS 4 m.w.N.;

zu LS 9 vgl. BGH, 13.01.2005 LS 8 m.w.N.; LG Bremen, 07.04.2004 LS 4;

zu LS 10 vgl. aber KG, 02.05.1934 LS 3 m.w.N.