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OLG Koblenz, 24.07.1986 - 6 U 677/85 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:OLGKOBL:1986:0724.6U677.85.0A
Fundstellen
NJW 87, 74; EWiR § 24 AGBG 1/86, 849 (v. Westphalen); DRsp-ROM Nr. 1996/17428; DRsp II (210) 78 Nr. 2; Wolters Kluwer; Juris; BeckRS 9998, 57571
Gesetz
§ 24 AGBG; § 10 Nr. 7 AGBG; § 667 BGB; § 675 BGB; § 611 BGB; § 612 BGB
Stichworte
Anwendbarkeit des AGBG; Recht der AGB; Einstandszahlung; Einstandsvereinbarung; Klausel über den Verfall einer gezahlten Vertragsabschlussgebühr bei Kündigung des HV; allgemeine Produktwerbung; Werbetätigkeit; Vertragspflicht des HV
Anmerkung


Vorinstanz LG Mainz, 18.04.1985 - 1 O 298/84 -;

zu LS
1 vgl. OLG Köln, 19.09.1996 LS 17; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 84 Rz. 16; Preis/Stoffels, Die Inhaltskontrolle der Verträge selbständiger und unselbständiger Handelsvertreter, ZHR 160 (1996), 442, 452 Fn. 47; Abrahamczik, Handelsvertretervertrag, S. 92; Wolf, AGBG, § 9 Rz. H 101, § 24 Rz. 6; MünchKommBGB/Basedow, 3.A. § 24 Rz. 3; Palandt/Heinrichs, BGB, § 24 AGBG Rz. 11; v. Westphalen, Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke, Handelsvertretervertrag Rz. 3; a.A. OLG Oldenburg, 27.04.1989 LS 3;

zu LS 2 vgl. auch Ulmer/Brandner/Hensen, AGBG, Anh. zu §§ 9-11 Rz. 417; Wolf, AGBG, § 9 Rzz. H 101, 103; Schlünder, AGB-Prüfung und Gestaltung, Rz. 593, ders. AGBG in Leitsätzen, § 10 Nr. 7 AGBG;

zu LS 3 a.A. vgl. OLG München, 14.08.1986 LS 6;

zu LS 6 vgl. BGH, 28.01.1993 LS 8 m.w.N.;

zu LS 8 8.1 Die allgemeine Werbung oder die Markenwerbung ist Angelegenheit des U (Staub/Emde, HGB, 5.A., § 86 a Rz. 57 a.E.).

8.2 Die allgemeine Produktwerbung oder das Hervorrufen von Kaufanreizen ohne konkreten Geschäftsabschluss anzustreben ist keine Vermittlungstätigkeit (FG Niedersachsen, 30.06.2005 LS 10 m.w.N.; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 84 Rz. 58; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 84 Rz. 23; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 84 Rz. 119; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 84 Rz. 45; BeckOK HGB/Häublein/Hoffmann-Theinert, § 84 Rz. 49; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 84 Rz. 16a; Giesler/Klapperich, Praxishandbuch Vertriebsrecht, 2.A., § 2 Rz. 28; Küstner/Thume/Schürr, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. I Rz. 30; Flohr/Wauschkuhn/Billing, Vertriebsrecht, 2.A., § 84, HGB, Rz. 51; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 84 Rz. 67; Röhricht/v. Westphalen/Thume, HGB, 4.A., § 84 Rz. 21 f.; Anm. 11.2 zu LG Stuttgart, 15.05.1981 Mercedes-Benz 1 -). Will der U dem HV die Aufgabe der allgemeinen Produktwerbung als Vertragspflicht übertragen, muss er dies gesondert vereinbaren (vgl. RG, 28.11.1924 LS 4; vgl. auch die Anm. 16.2 zu KG, 28.06.1977; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 Rz. 63; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 86 Rz. 47; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 86 Rzz. 26 a. E.; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 86 Rz. 4 b, 44 d; Hopt, Handelsvertreterrecht, 6.A., § 86 Rz. 51; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 86 Rz. 51; Koller/Roth/Morck, HGB, 8.A., § 86 Rzz. 3, 11; Bruck/Möller, VVG, Anm. 224 vor §§ 43-48; Heidel/Pauly/Amend/Ahouzaridi, AnwaltFormulare, 8.A., § 18 Rz. 23; Evers/v. Manteuffel, Die Pflichten des Versicherungsvertreters 1998, S. 11; Herschel/Beine, Handbuch zum Recht des Handelsvertreters 1954, S. 44; Giefers, Rechte des Handelsvertreters, S. 34; Späth, Der Handelsvertreter, 12.A., S. 7; Rittner, DB 99, 2097, 2099; zur Unvereinbarkeit der allgemeinen Produktwerbung mit dem Leitbild der §§ 84 ff. HGB vgl. auch BGH, 05.06.1996 LS 18). Bei der allgemeinen Werbung handelt es sich um eine an einen unbestimmten Personenkreis gerichtete Werbung (Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 86 Rz. 4 b).

8.3 Sofern der Vertretervertrag nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt, ist der HV weder verpflichtet, in Presse, Funk und Fernsehen (Giefers, Rechte des Handelsvertreters, S. 52) noch an Plakatsäulen (Giefers, Rechte des Handelsvertreters, S. 34) oder in Lichtspieltheatern (LAG Bremen, 09.03.1955 LS 5) Werbung zu betreiben, noch obliegt ihm die allgemeine Werbung anlässlich von Werbeveranstaltungen (Giefers, Rechte des Handelsvertreters, S. 52).

8.4 Betreibt der HV die allgemeine Produktwerbung, so zählen seine Aufwendungen aus Anlass dieser Tätigkeit nicht zu den im regelmäßigen Geschäftsbetrieb des HV entstandenen Kosten (Giefers, Rechte des Handelsvertreters, S. 52; Bachmann, Das neue Recht des Handelsvertreters, S. 69; einschränkend Schröder, Recht der HV, 5.A., § 87 d Rz. 3b, der die Kosten für die nach dem HVV geschuldete allgemeine Werbung als im regelmäßigenn Geschäftsbetrieb des HV entstandene Kosten ansieht). Die Vorschrift des § 87 d HGB ist in der Regel auf allgemeine Produktwerbemaßnahmen nicht anwendbar (Bachmann, Das neue Recht des Handelsvertreters, S. 69). Da es nicht handelsüblich ist, dass ein HV allgemeine Produktwerbung betreibt, hat der U die dem HV durch die allgemeine Produktwerbung entstandenen Kosten zu ersetzen (Giefers, Rechte des Handelsvertreters, S. 51). Dies gilt auch für Portokosten, die dem HV im Zusammenhang mit einer der allgemeinen Produktwerbung dienenden Mailingaktion entstehen, weil auch sie nicht zu den im regelmäßigen Geschäftsbetrieb des HV entstandenen Aufwendungen zählen (vgl. dazu die Anm. 23.2 zu ArbG Berlin, 27.05.1998).

8.5 Für Aufwendungen, die nicht im regelmäßigen Geschäftsbetrieb des HV i. S. des § 87 d HGB entstanden sind, gelten die allgemeinen Bestimmungen der §§ 670, 675 BGB (OLG Nürnberg, 04.10.1968 LS 2). Betreibt der HV die allgemeine Produktwerbung auf Weisung des U, so kann der HV gemäß § 670 BGB Ersatz der Aufwendungen verlangen, die er entsprechend der Weisung machen musste und die er für erforderlich halten durfte (LAG Bremen, 09.03.1955 LS 4 m.w.N.). Die für das Betreiben der allgemeinen Produktwerbung erforderlichen Unterlagen hat der U dem HV in diesem Fall gemäß § 86 a Abs. 1 HGB zur Verfügung zu stellen (Bachmann, Das neue Recht des Handelsvertreters, S. 69).

8.6 Der HV hat gemäß § 669 BGB einen Anspruch auf Vorschuss wegen der Aufwendungen, die er für die allgemeine Produktwerbung tätigt (Bachmann, Das neue Recht des Handelsvertreters, S. 69).

8.7 Hat der HV die Aufwendungen aus eigener Initiative getätigt, so gilt dies auch dann, wenn der U die Werbung vorbehaltlos geduldet hat, so dass der HV auf das Einverständnis des U hinsichtlich der Werbung und der Kostenerstattung rechnen kann (Bachmann, Das neue Recht des Handelsvertreters, S. 69); im Übrigen hängt die Erstattungsfähigkeit nach der Vorschrift des § 683 BGB davon ab, ob die Geschäftsführung im Interesse des U lag und seinem wirklichen oder mutmaßlichen Umständen entsprach (Giefers, Rechte des Handelsvertreters, S. 78; Schröder, Recht der HV, 5.A., § 87 d Rz. 5a; der., Unkostentragung nach Handelsvertreterrecht, DB 56, 417, 441).

8.8 Die Werbung für das eigene Handelsgewerbe muss der HV stets selbst tragen (Bachmann, Das neue Recht des Handelsvertreters, S. 69; Schröder, Recht der HV, 5.A., § 87 d Rz. 3b).