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OLG Frankfurt/Main, 16.03.1993 - 11 U 93/92 - (Urteil)

Fundstellen
EversOK; HVR Nr. 758
Gesetz
§ 87 c Abs. 2 HGB; § 87 c Abs. 1 HGB; § 273 BGB
Stichworte
Buchauszug; HV und VV; Zweck des Buchauszuges; streitige Provisionen; streitige Provisionspflicht; Zweck der Abrechnung; Provisionsabrechnung; Stornogefahrmitteilung; Erfüllung des Anspruchs auf Buchauszug durch die Provisionsabrechnung; Daten über erfolgte Nachbearbeitung; offene Mitversicherung; Buchauszug bei Beteiligung Dritter an der Geschäftsausführung; Zurückbehaltungsrecht
Anmerkung
zu LS 1 OLG Köln, 19.03.1999 LS 3 m.w.N.;

zu LS 2 vgl. Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. VI Rzz. 92, 93;

zu LS 3 OLG Hamm, 21.04.1994 LS 3 m.w.N.;

zu LS 5 vgl. OLG Hamm, 21.03.1997 LS 11 lit. j); OLG Köln, 09.10.1991 LS 4; 02.03.2001 LS 14 - Berlin Kölnische 3 -; OLG Nürnberg, 31.07.1998 LS 11; 28.07.1998 LS 11; OLG Bamberg, 22.03.1990 LS 3; BGH, 20.02.1964 LS 5; 29.11.1995 LS 13; A.A. OLG Nürnberg, 28.12.1990 LS 2 m.w.N.;

zu LS 7 vgl. BGH, 23.02.1989 LS 14, 15; OLG Hamburg, 11.10.2000 LS 7, 13 - Axel Springer Verlag 1 -; OLG Hamm, 15.01.1999 LS 6; 09.11.1982 LS 3; OLG Düsseldorf, 18.03.1971 LS 3; OLG Köln, 21.08.2020 LS 5 - OVB 34 -; 03.03.2004 LS 8 m.w.N.; 29.11.2002 LS 1; OLG Koblenz, 19.04.1979 LS 14; OLG Nürnberg, 20.10.2010 LS 7; 27.05.1981 LS 7; OLG München, 14.02.1964 LS 2, LG Detmold, 22.01.2002 LS 3; LG Limburg/Lahn, 29.09.1976 LS 5; LG München I, 07.05.2001 LS 17 - Geschenkbücher und Kunsteditionen -; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., Rz. 93; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 c Rzz. 39, 51; Schröder, Rechte der Handelsvertreter 5.A. § 87 c Rz. 8 b a. E., 9; Baumbach/Hopt, HGB, 39.A., § 87 c Rz. 13; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 c Rzz. 12, 15 - 17; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 87 c Rz. 25; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 87 c Rz. 9; Röhricht/v. Westphalen/Küstner, HGB, § 87 c Rz. 20; Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. VI Rzz. 92-103; Behrend, NJW 03, 1563, FN 11; - Klärung der Streitfrage des Bestehens einer Provisionspflicht auf der Zahlungsstufe - vgl. OLG Köln, 21.08.2020 LS 4 - OVB 34 -; OLG Bamberg, 16.05.2003 LS 13;

7.1 Der Ansicht, schon dann, wenn die Provisionspflicht zwischen den Parteien streitig sei, müssten die Geschäfte in den Buchauszug aufgenommen werden, kann in der Allgemeinheit nicht zugestimmt werden (vgl. aber OLG Hamm, 06.07.2001 LS 26 m.w.N.; OLG Dresden, 20.05.1913 LS 11).

7.2 Die Aufnahme eines Geschäfts in den Buchauszug ist nur geschuldet, wenn ein Anspruch auf Provision im Hinblick auf das Geschäft nicht schon aus Rechtsgründen ausgeschlossen ist. Nur in diesem Fall kann der Buchauszug seiner Funktion gerecht werden, dem HV in tatsächlicher Hinsicht die Informationen zu verschaffen, die für die Prüfung des Bestehens, der Höhe und der Fälligkeit seiner Provisionsansprüche erforderlich sind. Aus diesem Grunde sind Angaben zu Geschäften im Buchauszug nicht geschuldet, die zweifelsfrei nicht provisionspflichtig sind (vgl. BGH, 23.02.1989 LS 15 m.w.N., WM 89, 1073, 1074, OLG Köln, 03.03.2004 LS 8 m.w.N.; 29.11.2002 LS 1; LG Detmold, 22.01.2002 LS 3).

7.3 Es ist eine verbreitete und beklagenswerte Praxis, dass die Gerichte einen U auch dann zur Erteilung eines Buchauszuges verurteilen, wenn die Parteien darüber streiten, ob ein Provisionsanspruch aus Rechtsgründen gegeben ist oder nicht. Ist rechtlich umstritten, ob überhaupt ein provisionspflichtiger Geschäftsvorfall gegeben ist oder nicht, wird der U durch die Verpflichtung zur Erteilung des Buchauszuges zu Unrecht belastet, weil der Buchauszug keine Erkenntnisse darüber bringt, ob der aus Rechtsgründen streitige Anspruch besteht oder nicht.

7.4 Der Buchauszug kann keinesfalls weiter gehen als der Provisionsanspruch. Aus diesem Grunde kann das Gericht die Frage, ob der Provisionsanspruch besteht, nicht der Klärung im Betragsverfahren vorbehalten, sondern hat darüber schon im Auskunftsverfahren zu befinden (a.A. OLG Hamm, 06.07.2001 LS 26 m.w.N.; LG Düsseldorf, 28.12.1995 LS 12 m.w.N.; OLG Hamburg, 11.10.2000 LS 15 m. abl. Anm. 15.1 - Axel Springer Verlag 1 -)

zu LS 9 vgl. RG, 19.04.1921 LS 2; OLG Karlsruhe, 13.07.1971 LS 18; OLG München, 31.07.2019 LS 55 - SRATEGIE FINANZMANAGEMENT -; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A. § 87 c Rz. 29; Münch/KommHGB/v. Hoyningen-Huene, HGB, 4.A., § 87 Rz. 25; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 87 c Rz. 65; Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, Bd. I, Kap. VI. Rz. 109; Flohr/ Wauschkuhn/Fröhlich, Vertriebsrecht, § 87 c Rz. 18, 57; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, 4.A., § 87 c Rz. 47; Oetker/Busche, HGB, 6.A., § 87 c Rz. 5 a.E.; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 c Rz. 6; einschränkend Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 87 c Rz. 2b;

9.1
Die Abrechnung soll zunächst klären, welchen Umfang ein Provisionsanspruch besteht.

9.2 Ein Zurückbehaltungsrecht steht dem U gegenüber dem Anspruch des HV auf Buchauszug auch dann nicht zu, wenn er seinerseits gegen den HV Auskunftsansprüche zur Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen geltend machen kann (vgl. BGH, 03.02.1978 LS 2 m.w.N.; OLG Düsseldorf, 03.03.1989 LS 8; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 c Rz. 25; Herschel/Beine, Handbuch zum Recht des Handelsvertreters, S. 125); nach RG, 19.04.1921 LS 2, soll aus Sinn und Zweck des Hilfsanspruchs als eines Anspruchs, der den materiellen Anspruch vorbereitet, folgen, dass die Geltendmachung eines Zurückbehaltungsrechts unzulässig ist.

zu LS 12 vgl. BGH, 13.03.1961 LS 4 m.w.N. - GdF Wüstenrot 2 -; 23.02.1989 LS 9 m.w.N.; OLG Bamberg, 09.12.2015 LS 7 ; zu den mit der Abrechnung geschuldete Angaben vgl. OLG Hamm, 19.03.2009 LS 43; OLG Nürnberg, 09.02.1971 LS 3; Anm. 30.2 zu LG München I, 07.09.1999 - ARAG 1 -