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BAG, 15.12.1999 - 5 AZR 770/98 - (Urteil)

BAG, 15.12.1999 - 5 AZR 770/98 - (Urteil)
Gesetz
§ 84 Abs. 1 Satz 2 HGB; § 86 HGB; § 86 Abs. 1 HGB; § 86 Abs. 2 HGB; § 86 a HGB; § 87 Abs. 2 Satz 1 HGB; § 92 Abs. 1, 1. Var. HGB; § 86 Abs. 1, 2. HS HGB; § 92 Abs. 3 Satz 2 HGB; § 92 Abs. 5 HGB; § 92 a HGB; § 665 BGB; § 675 BGB; § 81 Abs. 2 Satz VAG; § 46 VVG; § 1 UWG; § 81 Abs. 2 Satz 3 VAG; § 83 Abs. 2 VAG; Art. 12 GG
Stichworte
- GdF Wüstenrot 4 -; Abgrenzung Bausparkassenvertreter / AN; Scheinselbständigkeit; Einsatz von Untervertretern; Hilfskräfte
Anmerkung
Vorinstanzen LAG Rheinland-Pfalz, 28.05.1998; ArbG Trier, 08.10.1997 - 4 Ca 1099/97 -;

zu dieser Entscheidung vgl. LSG Niedersachsen-Bremen, 29.01.2004 LS 6 m.w.N. - Schwäbisch Hall 4 -; ArbG Hamburg, 19.12.2002 LS 1 - Deutscher Ring 2 -;

zur Feststellung einer AN -Tätigkeit vgl. ArbG Karlsruhe, 25.04.2007 LS 5;

zu LS 1 vgl. die Anm. zu LS 32;

zu LS 2 vgl. LAG Nürnberg, 26.01.1999 LS 7 m.w.N. - Hamburg-Mannheimer 4 -; OLG Hamm, 07.02.2003 LS 3 m.w.N.; OLG Naumburg, 08.03.2004 LS 4 m.w.N. - DVAG 8 -; LAG Hamm, 11.05.2000 LS 10 - DEVK 2 -;

zu LS 3 vgl. BAG, 09.06.2010 LS 3 - DEVK 7 -; 20.08.2003 LS 9; 20.09.2000 LS 4; 13.01.1983 LS 4 m.w.N. - Rundfunkmitarbeiter -; 30.11.1994 LS 2 - Rundfunksprecher und Übersetzer -; LAG Hamburg, 26.03.1999 LS 11; LAG Köln, 23.10.1998 LS 4 - R+V 2 -; LAG Rheinland-Pfalz, 30.11.2007 LS 6; 25.10.2004 LS 8 - Getränkemarkt 5 -; OLG Hamm, 07.09.1999 LS 23; 07.02.2003 LS 3; OLG Nürnberg, 26.02.2009 LS 11 m.w.N.; OLG München, 09.12.2019 LS 2;

zu LS 4 vgl. OLG Hamm, 07.09.1999 LS 23; 07.02.2003 LS 2 m.w.N.;

zu LS 5 vgl. OLG Schleswig, 12.10.1977 LS 1; LAG Hamm, 11.05.2000 LS 29 - DEVK 2 -;

zu LS 7 vgl. OLG Hamm, 07.09.1999 LS 26; LAG Hamm, 20.09.2004 LS 6 m.w.N.;

zu LS 8 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 22 m.w.N. - DEVK 2 -; ArbG Nürnberg, 09.09.1996 LS 20 m.w.N. - Hamburg-Mannheimer 6 -; OLG Nürnberg, 26.02.2009 LS 12 m.w.N.; ArbG Dresden, 31.07.2003 LS 11 - Commerzbank 1 -;

zu LS 9 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 46 - DEVK 2 -;

zu LS 10 vgl. OLG Nürnberg, 26.02.2009 LS 17;

zu LS 12 vgl. BAG, 21.01.1966 LS 14 m.w.N.;

zu LS 13 vgl. BAG, 21.01.1966 LS 14 m.w.N.;

zu LS 14 vgl. BAG, 20.09.2000 LS 12; LAG Hamm, 11.05.2000 LS 56 - DEVK 2 -; 28.04.2006 LS 2 m.w.N. - OVB 10 -; OLG Nürnberg, 26.02.2009 LS 22;

zu LS 16 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 58 - DEVK 2 -; LAG Rheinland-Pfalz, 30.11.2007 LS 20; OLG Hamm, 07.02.2003 LS 13;

zu LS 18 vgl. BAG, 15.12.1999 LS 52 - Hamburg-Mannheimer 4 -; LAG Hamm, 11.05.2000 LS 61 - DEVK 2 -; OLG Nürnberg, 26.02.2006 LS 27 m.w.N.; OLG Hamm, 07.02.2003 LS 15;

18.1 Sinn und Zweck der Berichtspflicht nach Maßgabe der Vorschrift des § 86 Abs. 2 HGB ist es nicht nur, dem U einen Überblick über die konkrete Vermittlungstätigkeit des Vertreters zu geben, sondern auch, ihm ein möglichst umfassendes Bild über die Marktsituation zu verschaffen (BGH, 24.09.1987 LS 8 m.w.N.).

18.2 Mit Rücksicht auf Sinn und Zweck der Berichtspflicht ist der Begriff der erforderlichen Nachrichten daher weit auszulegen (Bachmann, Das neue Recht des Handelsvertreters 1978, S. 62).

18.3 Der U soll durch die Berichte des HV in die Lage versetzt werden, seine Produktion und seinen Absatz an den Erfordernissen des Marktes ausrichten zu können (Westphal, Vertriebsrecht, Bd. I, Handelsvertreter 1998, Rz. 275; Küstner/Thume/Schürr, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. III Rz. 119).

18.4 Durch die Berichte des HV soll der U in die Lage versetzt werden, sich im Hinblick auf seine Absatzchancen ein eigenes Urteil bilden zu können, um dann die seinen Interessen gemäßen Maßnahmen ergreifen zu können (LG Freiburg, 29.08.1966 LS 4).

18.5 Erforderlich sind daher alle Nachrichten, die für das Tätigwerden des U und seine eigene Unternehmensentscheidung im Wirkungsbereich des HV notwendig, zweckmäßig und erheblich sein können (Holling, RVR 73, 85, 87; Meyer, Handelsvertreterrecht 1978, S. 74).

18.6 Für die Frage, in welchem Umfang dem HV die Pflicht zur Berichterstattung im Einzelnen obliegt, ist entscheidend auf das Interesse des U an Berichten des HV abzustellen. Dies folgt aus der grundlegenden Verpflichtung des HV, gemäß § 86 Abs. 1, 2. HS HGB die Interessen des U wahrzunehmen. Maßgebend für den Umfang der Berichtspflicht ist dabei zwar nicht, was der U subjektiv für erforderlich hält; vielmehr ist der Begriff der "erforderlichen Nachrichten" i. S. des § 86 Abs. 2 HGB nach einem objektiven Maßstab zu beurteilen. Entscheidend sind dabei aber gleichwohl die Interessen des U zu berücksichtigen, die der HV wahrzunehmen hat (BGH, 13.01.1966 LS 3).

18.7 Geschuldet sind daher stets Berichte über solche Sachverhalte, die für den U nach objektivem Maßstab von Bedeutung sind (OLG Köln, 03.03.1971 LS 12; Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung, 1955, S. 53; Küstner/Thume/Schürr, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. III Rz. 124). Im Rahmen der Berichtspflicht mitzuteilen ist alles, was zur Förderung des Absatzes erforderlich und zur Abwendung von Nachteilen für den vertretenen U notwendig ist (Schmidt-Rimpler, Ehrenberg HdB, Bd. V, Abt. I l, 1926, S. 89). An den U weiterzugeben sind daher auch Kenntnisse des HV, deren Weiterleitung an den vertretenen U erforderlich ist, um dessen Interesse wahrzunehmen (Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 86 Rz. 25).

18.8 Im Rahmen der Berichtspflicht schuldet der HV auch Informationen darüber, welche Erfahrungen er mit den Produkten des U und dessen Konkurrenten gemacht hat. In diesem Zusammenhang ist der HV gehalten, dem U die Gründe mitzuteilen, die nach seiner Erfahrung oder Einschätzung dazu führen, dass der Absatz von Konkurrenzprodukten erfolgreicher ist. Ebenso muss er über die Reaktionen von Interessenten oder Kunden auf die Ansprache oder Produktpräsentation berichten (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 Rz. 17).

18.9 Insbesondere ist der HV gehalten, Konkurrenzaktivitäten im Auge zu behalten und dem U hierüber zu berichten (vgl. OLG München, 30.06.2016 LS 28 (11) m.w.N.). Dies gilt vor allem insoweit, als sich die Konkurrenz negativ bemerkbar macht (Trinkhaus, Handbuch der Versicherungsvermittlung, 1955, S. 53) Der HV muss daher den U nach Maßgabe des § 86 Abs. 2, 1. HS HGB unter namentlicher Nennung der Konkurrenzfirmen darüber informieren, wie stark der Wettbewerbsdruck ist, mit welchen Werbemethoden der Wettbewerb arbeitet (OLG München, 30.06.2016 LS 28 (7) m.w.N. - VOB 1 -), wie wirksam die Werbemethoden sind (OLG München, 30.06.2016 LS 28 (7) m.w.N. - VOB 1 -) und welche Konditionen von Mitbewerbern eingeräumt werden (HK-HGB/Ruß, § 86 Rz. 5).

18.10 Berichte, die Angaben zu den besuchten Kunden, den angetroffenen Gesprächspartnern, den Aufträgen, aufgeteilt nach den Produktionsbereichen des U, der Kundenkategorie nach Größe und Geschäftsausrichtung sowie dem Wochenergebnis und einer Kundenanalyse enthalten sollen, sind rechtlich nicht zu beanstanden (BGH, 24.09.1987 LS 4 m.w.N.)

18.11 Zu den Informationen, durch die der HV seinen Beitrag zur Produktions- und Absatzplanung leisten soll, gehören Marktbeobachtung sowie Berichte über Konkurrenzangebote sowie sonstige spezielle Beobachtungen aus Kundenbesuchen, etwa deren Wünsche oder Änderung des Publikumsgeschmacks (GK-HGB/Leinemann, § 86 Rz. 8; Baumbach/Hopt, HGB, 40.A., § 86 Rz. 42).

zu LS 19 vgl. BAG, 15.12.1999 LS 53 - Hamburg-Mannheimer 4 -; BSG, 28.10.1960 LS 10; LAG Hamm, 31.03.2009 LS 33 - DEVK 7 -; 11.05.2000 LS 61, 62 - DEVK 2 -; LAG München, 22.07.2004 LS 37; ArbG Kiel, 14.02.2002 LS 18 - Eismann 7 -; Hanau/Strick, DB 98 Beilage Nr. 14/98, S. 9/10; vgl. ferner BAG, 15.12.1999 LS 30 - R+V 2 -; OLG Bamberg, 18.06.2010 LS 73 - MLP 40 -; OLG Nürnberg, 26.02.2009 LS 28; vgl. aber auch BGH, 13.01.1966 LS 7; BAG, 09.06.2010 LS 18 - DEVK 7 -; OLG Hamm, 07.02.2003 LS 16; LG Waldshut-Tiengen, 24.02.1995 LS 3;

zu LS 20 - Vereinbarkeit der Pflicht zur Vorlage der Beratungsdokumentation mit dem Status als VV - vgl. OLG München, 09.12.2019 LS 16; OLG Nürnberg, 26.02.2009 LS 32;

zu LS
22 vgl. BAG, 20.09.2000 LS 14; OLG Hamm, 07.02.2003 LS 12;

zu LS 25 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 113, 114 - DEVK 2 -; OLG München, 09.12.2019 LS 19; ArbG Berlin, 27.04.2000 LS 28; - Werbeverbot mit Erlaubnisvorbehalt kein Indiz für persönliche Abhängigkeit - vgl. ArbG Nürnberg, 04.02.1998 LS 12 m.w.N.;

zu LS 26 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 106 - DEVK 2 -;

zu LS 27 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 111 m.w.N. - DEVK 2 -;

zu LS 30 vgl. aber LAG Schleswig, 23.01.1996 LS 1 Tiret 4 m.w.N., wonach das Verbot des Einsatzes von Untervertretern als Indiz für eine abhängige Beschäftigung anzusehen ist;

zu LS 31 vgl. OLG München, 09.12.2019 LS 20; LAG Hamm, 15.12.2000 LS 98 - DEVK 2 -; OLG Nürnberg, 26.02.2009 LS 35 m.w.N.; OLG Köln, 06.04.2005 LS 3 m.w.N. - DVAG 9 -;

zu LS 32 vgl. LAG Hamburg, 28.09.1979 LS 2 m.w.N.; vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 87 - DEVK 2 -; LAG Rheinland-Pfalz, 30.11.2007 LS 11;

zu LS 33 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 100 - DEVK 2 -; - Selbstständigkeit trotz Einschränkung des Werbegebiets - vgl LAG Rheinland-Pfalz, 30.11.2007 LS 12;

zu LS 34 vgl. LAG Hamm, 11.05.2000 LS 101 - DEVK 2 -; OLG Brandenburg, 17.04.2007 LS 12 - DVAG 17 -; vgl. auch BSG, 10.08.2000 LS 6