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OLG Düsseldorf, 05.02.1993 - 16 U 79/92 - (Urteil)

OLG Düsseldorf, 05.02.1993 - 16 U 79/92 - (Urteil)
Fundstellen
Gesetz
§ 88 a HGB; § 87 c Abs. 1 HGB; § 87 c Abs. 2 HGB; § 242 BGB; § 9 AGBG; § 9 Abs. 1 AGBG; § 9 Abs. 2 AGBG; § 362 BGB
Stichworte
keine Einschränkung des Zurückbehaltungsrechts des HV durch Aufrechnungsverbot in AGB; Abrechnung bei Vertragsende; Aufbauzuschuss; Rückforderung; Anforderungen an einen Buchauszug; Provisionsabrechnung als Buchauszug; Stornoreservekonto; Abrechnung; Sicherheitskonto; Stornoreserve; Anspruch auf Auszahlung; unwirksame Klausel; Vertragsbeendigung; Anspruch auf Ergänzung einer Provisionsabrechnung; Ergänzungsanspruch; Erfüllung
Anmerkung
Vorinstanz LG Düsseldorf - 35 O 12/91 -

zu LS 1 vgl. OLG Düsseldorf, 19.01.1990 LS 2 m.w.N.; BAG, 21.01.2015 LS 62; LG Potsdam, 24.03.2004 LS 3 - EFS 2 -; LG Mainz, 16.01.2004 LS 10 - EFS 1 -; Martinek/Semler/Flohr/Feldmann, HdB des Vertriebsrechts, § 18 Rz. 116;

zu LS 1c vgl. OLG Düsseldorf, 02.10.2015 LS 63;

zu LS 2 vgl. Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 88 a HGB Rz. 5;

zu LS 2a vgl. Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. VI Rzz. 174, 175;

zu LS 3d vgl. BGH, 24.05.1995 LS 2 m.w.N.; Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. VI Rz. 92;

zu LS 3e vgl. Stötter, Recht der Handelsvertreter, 3.A., S. 210;

zu LS 4 vgl. BGH, 20.09.2006 LS 6 - Axa 6 -; OLG Oldenburg, 04.07.1969 LS 23; OLG Köln, 02.03.2001 LS 15 - Berlin Kölnische 3 -; 19.03.1999 LS 8 - Axa Colonia 1 -; OLG Düsseldorf, 21.06.1999 LS 5; 28.11.1997 LS 4; 19.01.1990 LS 1, 19; OLG Hamm, 07.05.2004 LS 18; 21.03.1997 LS 7; 10, 29.04.1992 LS 1; OLG Frankfurt/Main, 18.09.2012 LS 71 - DVAG 27 -; 01.07.2003 LS 14 - General Accident 1 -; OLG Koblenz, 14.04.1993 LS 4, 5; 02.08.1984 LS 4, 6; OLG Bamberg, 27.05.2008 LS 33; OLG München, 03.11.2010 LS 7; 21.04.2010 LS 14 - Calvin Klein Eyewear -; 27.12.2006 LS 3 - Generali 4 -; 19.01.2006 LS 18; OLG Karlsruhe, 09.01.1995 LS 4; LG Dortmund, 18.03.2010 LS 65 - Continentale 4 -; 18.03.2010 LS 65 - Continetale 5 -; LG Bochum, 10.01.2006 LS 19; LG Köln, 25.06.1998 LS 3 - Axa Colonia 1 -; LG Düsseldorf, 29.12.2010 LS 23 - Abonnementvertreter -; 30.09.1997 LS 11; 28.12.1995 LS 8; 17.06.1993 LS 3; LG Gießen, 10.10.2000 LS 6; LG Landau, 28.07.2009 LS 6 - Omnibusse, Straßenbahnen -; LG Koblenz, 08.05.1990 LS 12; LG Hechingen, 27.06.1995 LS 1; LG Köln, 01.08.2000 LS 7 - Berlin Kölnische 3 -; 25.06.1998 LS 3; Baumbach/Hopt, HGB, 38.A., § 87 c Rz. 14; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 c Rz. 40; Flohr/Wauschkuhn/Fröhlich, Vertriebsrecht, 2.A., § 87 c, HGB, Rz. 53; Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. VI Rz. 108; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 c Rz. 53; Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 4.A., S. 13; Andrelang/Penners, ZVertriebsR 13, 218, 219; Kukat, DB 02, 1646, 1648; Stötter, DB 70, 1473; Anm. 10.6 zu OLG Hamm, 21.03.2011 - Continentale 5 -; a.A. OLG Düsseldorf, 13.01.1984 LS 6; LG Wiesbaden, 18.12.1997 LS 2;

zur Frage, wann Abrechnungen als Buchauszug zu werten sind vgl. auch BGH, 24.05.1995 LS 2 m.w.N.

4.1 Die Auffassung des Senats verdient uneingeschränkte Zustimmung. Maßgeblich hierfür ist nicht nur der Umstand, dass eine Vielzahl vereinzelter Unterlagen schon begrifflich nicht den Anforderungen an einen Buchauszug genügen kann. Auch Sinn und Zweck des Buchauszuges, dem HV eine umfassende Kontrolle der ihm erteilten Abrechnungen auf Richtigkeit und Vollständigkeit zu ermöglichen, sprechen dafür, die Überlassung einer Vielzahl von Unterlagen nicht als Buchauszug anzusehen. Eine präzise Kontrolle der Abrechnungen ermöglicht der U dem HV nur durch eine geordnete Darstellung.

4.2 Es kommt ein weiterer Gesichtspunkt hinzu. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass sich Fehler bei der Zusammenstellung der Daten aus einer Vielzahl von Unterlagen ergeben, die der U dem HV überlässt und die an sich in der Form eines Buchauszuges geschuldet sind. Darüber hinaus besteht die Gefahr, bestimmte Unterlagen zu übersehen, aus denen sich Informationen für die Beurteilung des Bestehens, der Höhe, der Fälligkeit oder des Untergangs einer Provisionsforderung ergeben. Dies kann z.B. für Stornogefahrmitteilungen bei Versicherungsgechäften gelten, aber auch für vom U getätigte Ersatzgeschäfte oder sonstige Gründe, die trotz Nichtausführung des Geschäfts ausnahmsweise gemäß § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB zum Untergang des Provisionsanspruchs führen.

4.3 Macht der HV auf der Grundlage einer fehlerhaften Zusammenstellung Provisionsansprüche gerichtlich gegen den U geltend, die er selbst aus einer Vielzahl von Unterlagen des U erstellt hat, so geht es zu seinen Lasten, wenn der U die dem U bei der Zusammenstellung unterlaufenen Fehler im Prozess korrigiert. Zwar würde eine Provisionsklage des HV auch dann abzuweisen sein, wenn der HV Provisionsansprüche auf der Grundlage eines ihm vom U erteilten Buchauszuges geltend macht, der die zur Beurteilung der Provisionsansprüche erforderlichen Daten fehlerhaft oder unvollständig wiedergibt, wenn der U die Buchauszugsdaten erst im Prozess richtig stellt. In diesem Fall hätte der HV einen materiellen Kostenerstattungsanspruch gegen den U, weil dieser aus dem Gesichtspunkt einer positiven Vertragsverletzung für die auf seiner fehlerhaften Darstellung im Buchauszug entstandenen Prozesskosten einzustehen hat.

zu LS 4a 4a.1 Um seiner Abrechnungspflicht zu genügen, muss der U alle während des Abrechnungszeitraums entstandenen provisionspflichtigen Geschäftsvorfälle auflisten, die auf die Einzelfälle entfallende Provision ausrechnen, die Einzelprovisionen addieren und etwaige Provisionsvorschüsse abziehen (BGH, 07.02.1990 LS 2).

4a.2 Die Abrechnungen des U nach § 87 c Abs. 1 HGB haben die Tatsachen auszuweisen, die zur Bestimmung der dem HV zustehenden Provision dem Grunde und der Höhe nach, sowie der Richtigkeit und Vollständigkeit der jeweiligen Abrechnung notwendig sind (vgl. Emde, MDR 03, 1151; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 c Rz. 78). Dazu zählen auch die Angaben über das Ende der Haftungszeit (OLG Düsseldorf, 19.01.1990 LS 24) und alle Angaben, von denen die Fälligkeit der Provision abhängt, also der Termin des Eingangs des Kundenentgelts oder ggf. zusätzlich bei Untervertreterverhältnissen das Datum der Provisionszahlung an den Hauptvertreter.

zu LS 6 vgl. OLG Düsseldorf, 19.01.1990 LS 2 m.w.N.; Martinek/Semler/Flohr, HdB des Vertriebsrechts, § 8 Rz. 116;

zu LS 11 vgl. OLG Hamm, 30.01.2017 LS 43; Anm. 32.5 zu OLG Hamm, 06.07.2001; a.A. BGH, 07.02.1990 LS 4 m.w.N.