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BGH, 21.12.1989 - IX ZR 66/89 - (Urteil)

BGH, 21.12.1989 - IX ZR 66/89 - (Urteil)

Fundstellen

EversOK; BB 90, 304; NJW 90, 1665; NJW-RR 90, 868 LS; HVR Nr. 684; EWiR § 59 KO 2/90, 393 (Marotzke); WM 90, 529; MDR 90, 620; LM Nr. 16 zu § 87 HGB; LM Nr. 19 zu § 59 KO; BGHR Unternehmerkonkurs 1 zu § 87 HGB; ZIP 90, 318; Rechtsportal; Juris; BeckRS 9998, 97431; Wolters Kluwer

Gesetz

§ 59 Abs. 1 Nr. 1 KO; § 17 KO; § 87 Abs. 1 HGB; § 87 a HGB; § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB; § 87 a Abs. 2 HGB; § 87 b Abs. 2 Satz 1 HGB

Stichworte

Provisionsforderungen des HV im Konkurs des U; Fortbestehen des Anspruchs auf Provision bei Beendigung des HVV; Insolvenz des U

Anmerkung

Vorinstanz OLG Düsseldorf, 10.02.1989, BB 89, 515

zu LS 5 vgl. BGH 21.10.2009 LS 5; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 a Rz. 1; Stötter/Lindner/Karrer, Provision und ihre Abrechnung, 2.A., 3. Kap. I 3, S. 55;

zu LS 6 vgl. BGH, 21.10.2009 LS 6, 8; 01.12.1960 LS 6 - Gruppen-Sterbegeldversicherung -; OLG Köln, 22.08.2014 LS 20; BFH, 19.08.1982 LS 11; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 a Rz. 1; Stötter, Recht der Handelsvertreter, 3.A., S. 156 a.E.; Kaumanns, Der Ausgleichsanspruch des Handelsvertreters 1971, S. 165; ungenau Ankele, Handelsvertreterrecht, § 89 b Rz. 150vgl. auch OGH, 20.02.2003 LS 15, 16 - Unterhaltungselektronik -; zur Beendigung des HVV durch Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des U vgl. OLG Saarbrücken, 04.12.1996 LS 2 m.w.N.;

zu LS 7 vgl. MünchKommBGB/Schaub, 2.A., § 612 Rz. 92; Stötter, Recht der Handelsvertreter, 3.A., 5. Kap. I 7, S. 174;

zu LS 8 vgl. BGH, 29.06.2004 LS 26; MünchKommBGB/Schaub, 2.A., § 612 Rzz. 91, 94, 132-134; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 87 Rz. 1; Küstner, HdB-ADR, Bd. I Rzz. 290, 291; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. V Rzz. 32 ff.; Heymann/Sonnenschein, HGB, 2.A., § 87 Rz. 5, § 87 a Rz. 1;

zu LS 9 vgl. Küstner, HdB-ADR Rzz. 290, 291; Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. V Rzz. 32 ff.; Heymann/Sonnenschein, HGB, 2.A., § 87 Rz. 5; § 87 a Rz. 1, Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 Rz. 1; für die Annahme ausschließlich auflösender Bedingungen Killinger, BB 81, 1925 f.;

zu LS 13 vgl. Kilger, KO, 15.A., § 3 Anm. 4a; Kuhn/Uhlenbruck, KO, § 3 Rz. 12; Jaeger/Henckel, KO, 9.A., § 3 Rz. 37;

zu LS 21 21.1 Die Vorschrift des § 59 Abs. 1 Nr. 1 KO lautete wie folgt:

(1) Masseschulden sind
1. die Ansprüche, welche aus Geschäften oder Handlungen des Konkursverwalters entstehen;

21.2 Die Rechtsfrage, ob Provisionsansprüche eines HV deswegen i. S. von § 59 Abs. 1 Nr. 1 KO „aus Geschäften oder Handlungen des Konkursverwalters entstehen", weil dieser nach § 17 KO die Erfüllung der bereits zuvor vom Gemeinschuldner abgeschlossenen vom Vertreter vermittelten Verträge wählt, wird überwiegend verneint (OLG Naumburg, JW 35, 1346; vgl. auch ArbG Ulm, BB 53, 87, für den Fall, dass noch der Gemeinschuldner das Geschäft ausgeführt hat, die Zahlung aber erst vom Konkursverwalter angenommen wird; vgl. ferner Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 87 b Rz. 16, § 89 Rz. 41 c; Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 b Rz. 19; Kuhn/Uhlenbruck, KO, 10.A., § 17 Rz. 35, vgl. auch § 59 Rdnr. 6; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 87 Rz. 30; Kersting, JW 35, 1347, 2915 f.; a.A. Küstner/Thume, HdB-VertR, Bd. I, 5.A., Kap. V Rz. 649; Witthake, JW 35, 2915; Holling, DB 1957, 349 sub 5 a, ders., RVR 73, 188, sub e). Soweit eine abweichenden Auffassung vertreten wird, stellen deren Repräsentanten auf die Ausführung des Geschäfts durch den Konkursverwalter als maßgebliche Bedingung für das Entstehen des Provisionsanspruchs ab, weil hierdurch auch der Nutzen aus dem Geschäft der Masse zufließe.

zu LS 22 vgl. Staub/Brüggemann, HGB, 4.A., § 87 a Rz. 2;

Steht fest, dass der U das Geschäft nicht ausführt, ist fraglich, ob Für die Anwendung der Vorschrift des § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB noch Raum ist, wenn ein Dritter das Geschäft ausführt. Nach einer teilweise vertretenen Auffassung soll die Leistung eines Dritten, also auch die Leistung eines Konkursverwalters gemäß § 17 KO oder eines Insolvenzverwalters gemäß § 103 InsO der Leistung des U gleichstehen (Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 87 a Rz. 6; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 87 Rz. 13; Sellhorst, Ansprüche des Handelsvertreters in der Insolvenz, NWB Fach 18, S. 781, 782 f., wohl auch Hoffstadt, DB 83, 645, 647, der aber bei der Nichtausführung des Geschäfts durch den Konkursverwalter § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB als Regelfall anwendet und eine Ausnahme nur gestatten will, wenn dem HV die Krise des U bei der Vermittlung des Geschäfts bekannt war). Dies erscheint zweifelhaft. Im Falle des Konkurses bzw. der Insolvenz des vertretenen U steht i.S. des § 87 a Abs. 3 HGB einerseits fest, dass der Gemeinschuldner als vertretener U das Geschäft nicht ausführt. Andererseits ist davon auszugehen, dass der Gemeinschuldner den Konkurs oder die Insolvenz als Grund für die die Nichtausführung des Geschäfts i.S. des § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB auch zu vertreten hat. Aus diesem Grunde kommt es nicht mehr darauf an, ob das vor Eröffnung des Konkurs- oder Insolvenzverfahrens geschlossene Geschäft noch durch einen Dritten ausgeführt wird, weil der in der Norm des § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB zum Ausdruck kommende Grundsatz des Provisionserhalts den Provisionsanspruch unabhängig von der Ausführungshandlung des Konkurs- oder Insolvenzverwalters unbedingt werden lässt (vgl. LS 12 dieser Entscheidung).