BGH, Urteil, 12.03.2015 - VII ZR 336/13 - EversOK



Fundstellen
VersR 15, 1027; ZVertriebsR 15, 167; NJW 15, 1754; IHR 15, 169; WM 16, 372; DStR 15, 12; IBRRS 15, 1570; LMK 15, 371068 m.Anm. Klatt; GWR 15 186 m.Anm. Roth; EBE/BGH 15, 134; StX 15, 286; FMP 15, 95; Jura 15, 1005; DB 15, 1220; MDR 15, 600; JZ 15, 282; NJ 15, 5; BB 15, 961 LS; NWB 15, 1529 LS; Juris; BeckRS 15, 06138; BGH; IWW; Lexetius; openJur; Rechtsprechung-im-Internet; Wolters Kluwer; nwb; prinz.law
Gesetz
§ 84 Abs. 1 HGB; § 87 a Abs. 1 Satz 3 HGB; § 87 b Abs. 1 HGB; § 139 BGB
Stichworte
- Zeitschriftenabonnementverträge -; Begriff Vermittlung; Sprunghaftung; Nichtzahlung des Abonnements innerhalb der Sprunghaftungsfrist; Unwirksamkeit einer Provisionsbestimmung über den Erwerb des Provisionsanspruchs erst bei voller Zahlung einer festgelegten Anzahl von Monatsbeiträgen; Nachbearbeitungspflicht; Bagatellgrenze; Abbedingung der Provision für nicht ausgeführte Geschäfte; Abdingbarkeit des Provisionsanspruchs für Kleingeschäfte; Kleinstorni; Kleinststorni; Bagatellverträge; Provisionsanspruch; Teilprovision
Anmerkung

Vorinstanzen LG Hamburg, 23.12.2011 - 402 HKO 79/08 -; OLG Hamburg, 12.11.2013 - 9 U 11/12 - ;

zu Provisionsvergütung(en) bei der Vermittlung von Dauerbezugsverträgen, Problemen der prozessualen Durchsetzung und der vertraglichen Gestaltung vgl. Dänekamp/Kölln, NJW 15, 3126;


zu LS 1 zu den branchenüblichen Absprungrisiko-Klauseln vgl. Stötter, Das Recht der Handelsvertreter, 3.A., S. 179; zu den Motiven für die Ausgestaltung des § 87 a Abs. 1 Satz 4 HGB vgl. BT-Drs. I/3856, S. 25 f.; v. Brunn, Reform des Rechts der Handelsvertreter 1953, S. 94; Schröder, Recht der Handelsvertreter, 5.A., § 87 a Rz. 21; Ankele, Handelsvertreterrecht, § 87 a Rz. 5;


zu LS 3 - Kriterien der Abgrenzung HV / AN - vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 84 Rzz. 24 ff.;


zu LS 4 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 84 Rz. 30; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 84 Rz. 21;


zu LS 5 vgl. LG Berlin, 29.03.2017 LS 6 - Immonet -;

zu LS 9 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 84 Rz. 67; Baumbach/Hopt, HGB, 39.A. § 84 Rz. 42; Heymann/Sonnenschein/Weitemeyer, HGB, 2.A., § 84 Rz. 38;


zu LS 14 - Begriff der Vermittlung - vgl. BGH, 02.10.1961 LS 3; Anm. 27.1 zu BGH, 06.08.1997 - BP 1 -;


zu LS 18 vgl. a.A. AG Schwerin, 02.03.2006 LS 1; Emde, Vertriebsrecht, 3.A., § 87 Rz. 14; zum zwingenden Charakter der Vorschrift des § 87 a Abs. 1 Satz 3 HGB vgl. OLG Stuttgart, 14.02.1995 LS 14 m.w.N. - Textilmaschinenvertreter -;


zu LS 19 vgl. aber ArbG Stuttgart, 12.07.2018 LS 16 - OVB 30 -;


zu LS 26 vgl. LG Hamburg, 12.06.2018 LS 12; zur allgemeinen Bagatellgrenze für die Nachbearbeitungspflicht vgl. OLG Frankfurt/Main, 21.05.1999 LS 8 m.w.N.; der vom Senat in Bezug genommene Rspr. lag der Unzumutbarkeitstatbestand des § 87 a Abs. 3 Satz 2, 2. Var. HGB zugrunde, der durch die Novellierung der Vorschrift des § 87 a HGB im Zuge der Harmonisierung des Handelsvertreterrechts in den Mitgliedstaaten der EU weggefallen ist (LG Fulda, 06.02.1996 LS 13 m.w.N.); dies wird allerdings vielfach verkannt (so etwa von Schaub/Vogelsang, ArbRHdB, 17.A., § 75 Rz. 42; ErfKommArbR/Oetker, 17.A., § 87 a HGB Rz. 8; zurückhaltender OLG Oldenburg, 12.07.2011 LS 33 - T-Mobile -; Baumbach/Hopt, HGB, 34.A., § 87 a Rz. 28);


zu LS 27 27. 1 Soweit es im Urteil heißt, die Beklagte habe nicht in Abrede gestellt, handelt es sich offenbar um ein Versehen. Denn das Berufungsgericht hatte die Anschlussberufung des HV zurückgewiesen. Unter Hinweis auf § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB hatte der HV die volle Provision für teilweise nicht ausgeführte Geschäfte im Wege der Anschlussberufung begehrt. Der 9. Senat des OLG Hamburg war der Ansicht, [7] den U treffe unter Würdigung aller Umstände des Falles von vornherein keine Obliegenheit zur eigenen Nachbearbeitung, weil die von ihm anzumahnenden und einzuklagenden Einzelbeträge jeweils auch in absoluter Hinsicht geringfügig gewesen seien und zudem aufgrund der Besonderheiten der für die Wirksamkeit der Sprunghaftungsregelungen gestalteten Provisionshöhe im Wesentlichen dem HV als Provision zugestanden hätten, so dass die Nachbearbeitung für sie wirtschaftlich unsinnig gewesen sei. Außerdem habe der HV während des laufenden Vertrages nie in irgendeiner Form darauf gedrungen, dass der U stornogefährdete Abonnementverträge nachbearbeite.


27.2 Für den Umstand, dass der Provisionsanspruch gemäß § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB entfällt, ist der U nach allgemeinen Regeln darlegungs- und beweisbelastet (vgl. BGH, 21.10.1971 LS 10 m.w.N. zu § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB 1953). Es soll allerdings eine tatsächliche Vermutung dafür streiten, dass ein wirtschaftlich denkender HV bei Kleinstbeträgen im Zuge einer laufenden Geschäftsbeziehung eine Nachbearbeitung wegen einer etwa aufgetretenen Stornogefahr vernünftigerweise nicht vorgenommen hätte, weil er in dieser Zeit mit höherer Erfolgsaussicht versuchen könnte, Neugeschäft zu vermitteln, als die Rettung eines Kleingeschäfts zu versuchen (OLG Köln, 24.05.2012 LS 6). Dies kann dazu führen, dass die Darlegungslast des Prinzipals bei Kleinstorni reduziert ist und der HV verpflichtet ist, näher zu substantiieren, weshalb Maßnahmen zur Stornoabwehr gleichwohl erforderlich waren (OLG Köln, 24.05.2012 LS 5 m.w.N.). Deshalb konnte es nur darauf ankommen, ob der HV der Darlegung des U zu den Voraussetzungen der tatsächlichen Vermutung für die Aussichtslosigkeit der Nachbearbeitung wegen Geringfügigkeit substantiiert entgegengetreten ist.