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OLG Düsseldorf, 27.05.2016 - I-16 U 187/14 - (Urteil)

OLG Düsseldorf, 27.05.2016 - I-16 U 187/14 - (Urteil)
ECLI
ECLI:DE:OLGD:2016:0527.16U187.14.0A
Gesetz
§ 93 HGB; § 242 BGB; § 87 a Abs. 3 HGB analog; § 87 a Abs. 3 Satz 1 HGB analog
Stichworte
- Fonds Finanz -; Abgrenzung VV / VM; Ausschließlichkeitsbindung; Wettbewerbsverbot; Anwendung der Nachbearbeitungsgrundsätze auf den Courtageanspruch des VM; Nachbearbeitungspflicht des VU; Erforderlichkeit der Nachbearbeitung; Familienangehörige; Stornogefahrmitteilung
Anmerkung


Vorinstanz LG Düsseldorf, 16.09.2014 - 6 O 13/14 -; der Senat hat die
Revision nicht zugelassen; die Voraussetzungen des § 543 Abs. 2 ZPO lägen nicht vor, die Rechtssache habe weder grundsätzliche Bedeutung noch erfordere die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts; vgl. dazu auch v. Arntzen, jurisPR-HaGesR 3/2017 Anm. 2;

zu LS 1 vgl. OLG Hamm, 16.04.2018 LS 1; - Erfordernis der Abgrenzung des VV vom VM im Recht der Absatzmittler - vgl. OLG Düsseldorf, 22.12.2011 LS 11 m.w.N.;

zu LS 2 vgl. AG Erfurt, 27.11.2019 LS 7 - Generali 6 -; offengelassen von BGH, 01.12.2010 LS 8 m.w.N.; a.A. Evers, VMV 00, 24, 28 (entsprechende Anwendung geboten zur Vermeidung einer durch die Anwendung des Schicksalsteiliungsgrundsatzes bedingten doppelten Schlechterstellung des VM gegenüber den für den Courtageanspruch aus § 652 BGB und den für den Provisionsanspruch des HV geltenden Regelungen);

zu LS 6 vgl. Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 92 Rz. 1;

zu LS 8
vgl.
LG Köln, 06.03.2018 LS 6 m.w.N.; Baumbach/Hopt, HGB, 39.A., § 84 Rz. 41;

zu LS 11 vgl. Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 9;

zu LS 17 vgl. OLG Jena, 17.04.2019 LS 43 - Mecklenburgische 4 -; Baumbach/Hopt, HGB, 39.A., § 86 Rz. 20;

zu LS 18 vgl. BGH, 03.12.2015 LS 20 m.w.N. - DVAG 44 -; für den HM vgl. OLG Hamm, 19.03.2009 LS 7, 8; zur Verschwiegenheitspflicht des HV aus §§ 86 Abs. 1, 2. HS HGB, 90 HGB vgl. auch Otte-Gräbener/Kutscher-Puis, ZVertriebsR 19, 288, 290; zur Frage, ob sich aus § 2 GeschGehG Änderungsbedarf an der Regelung des § 90 HGB ergibt, vgl. verneinend Otte-Gräbener/Kutscher-Puis, ZVertriebsR 19, 288, 292; offen insoweit Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 90 Rz. 1;

vgl. das Muster der Vertriebsvereinbarung der Fonds Finanz;

zu LS 20 vgl. OLG Karlsruhe, 31.10.1986 LS 12;

zu LS 26 vgl. Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 126;

zu LS 30 vgl. Koller/Kindler/Roth/Drüen, HGB, 9.A., § 93 Rz. 16;

zu LS 31 vgl. Prölss/Martin/Dörner, VVG, 30.A., § 59 Rz. 83;

zu LS 38 vgl. Emde, Vertriebsrecht, § 92 Rz. 19;

zu LS 39 vgl. Baumbach/Hopt/Roth, HGB, 39.A., § 93 Rz. 7; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 87 a Rz. 5;

zu LS 40 vgl. OLG Frankfurt/Main, 18.04.1997 LS 1 m.w.N.; a.A. OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 10;

Die analoge Anwendung der Vorschrift des § 87 a Abs. 3 HGB ist schon deshalb geboten, weil der VM schutzwürdig ist. Seine Schutzwürdigkeit ergibt sich daraus, dass die Courtage des VM abweichend vom gesetzlichen Leitbild der Maklercourtage nach § 652 BGB dem Grundsatz der Schicksalsteilung unterworfen wird, der der Sache nach nichts anderes als die Anwendung von Agenturvertragsrecht darstellt. Es ist sachlich nicht zu rechtfertigen, den VM im Hinblick auf den unbedingten Erwerb Courtageanspruchs schlechter zu stellen als den HM, ihm aber andererseits den Schutz zu versagen, den der VV erwarten darf (vgl. dazu auch die Anm. 1.1 f. zu OLG Frankfurt/Main, 18.04.1997; Evers, VMV 00, 24, 27 ff.; Evers/Friele, Maklerkompass 2014, B.II.6.2, S. 189, sowie die Anm. 2.2 zu OLG Bamberg, 18.11.2015 - Tippgeber -).

zu LS 43 vgl. Staub/Thiessen, HGB, § 93 Rz. 167;

zu LS 46 46.1 Dass die Courtage vereinbarungsgemäß der Provision eines VV nachgebildet ist, lässt den Rückschluss des Senats auf einen Parteiwillen, der die Nachbarbeitungsgrundsätze zur Anwendung bringt, schon deshalb nicht zu, sich in die Versicherungswirtschaft den gegen das VU gerichteten Anspruch des VM auf Courtage den für den Provisionsanspruch des VV geltenden Regeln unterwirft (OLG Saarbrücken, 09.07.1997 LS 1 m.w.N.; Anm. 5.1 zu BFH, 21.10.1971). Da Maklerpools als VM tätig sind, ist es weder für den Maklerpool noch den mit ihm kooperierenden VM verhandelbar, ob und wie der gegenüber den VU bestehende Anspruch auf Courtage ausgestaltet wird.

46.2 Die Annahme des Senats, es entspräche dem Parteiwillen, dem Maklerpool eine Nachbearbeitungspflicht aufzuerlegen, führt aber auch deshalb nicht weiter, weil die Annahme einer vertraglichen Verpflichtung nicht zu der gewünschten Rechtsfolge führt. Denn die Pflichtverletzung würde lediglich einen Schadensersatzanspruch nach sich ziehen. Für die Anspruchsvoraussetzung Schaden in Gestalt der infolge Stornierung des Vertrages unverdient bleibenden Courtage wäre der VM als Anspruchsteller nach allgemeinen Grundsätzen darlegungs- und beweisbelastet. Die Grundsätze des Beweises des ersten Anscheins kämen ihm nicht zu Gute. Wegen der vielfältigen Gründe für Vertragsstörungen bei einem Versicherungsvertrag (Fehlberatung, Kaufreue, Finanznot, vorübergehender Liquiditätsengpass, Wechsel zu einem attraktiveren Produkt, aufgegebenes Sparziel, Elternzeit, Verlust des Arbeitsplatzes, Insolvenz etc.), kann man auch nicht davon ausgehen, dass eine Nachbearbeitung nach dem typischen Geschehensablauf Erfolg verspricht. Müsste der VM also nachweisen, dass der Vertrag beitragsaktiv im Bestand erhalten worden wäre, wenn er die Gelegenheit zur Nachbearbeitung erhalten hätte, würde er von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, dem Rückforderungsverlangen die Verletzung der Nachbearbeitungspflicht nicht mit Erfolg entgegen halten können.

46.3 Die Lösung kann also nur darin liegen, die Vorschrift des § 87 a Abs. 3 HGB entsprechend anzuwenden (Evers, VMV 2/00, S. 24, 27). Die Analogie ist die zwingende Konsequenz daraus, dass der Courtageanspruch des VM abweichend von der des Zivilmaklers und des HM dem Risiko der Geschäftsausführung unterworfen wird.

zu LS 47 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 92 Rz. 28; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 20;

zu LS 50
vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 20;

zu LS 51 vgl. OLG Celle, 28.06.2001 LS 19 - AWD 32 -; OLG Brandenburg, 07.10.2010 LS 45; LG Frankfurt/Oder, 21.12.2010 LS 36 - AWD 75 -; LG Darmstadt, 13.10.2011 LS 4 - Eurenta 6 -; LG Saarbrücken, 07.01.2020 LS 81 - Generali 6 -; ArbG Stuttgart, 12.07.2018 LS 29 - OVB 30 -; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 20; Krämer, VW 10, 734;

zu LS 52 vgl. OLG Düsseldorf, 13.01.2017 LS 25 - DVAG 51 -; LG Saarbrücken, 07.01.2020 LS 71 - Generali 6 -; Baumbach/Hopt, HGB, 39.A., § 87 a Rz. 27; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 24; Krämer, VW 10, 734;

zu LS 55 vgl. Palandt/Grüneberg, BGB, 75.A., § 254 BGB Rz. 3