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OLG Karlsruhe, 14.07.2017 - 9 U 9/15 - (Urteil)

ECLI
ECLI:DE:OLGKARL:2017:0714.9U9.15.00
Gesetz
§ 87 c Abs. 2 HGB; § 89 a HGB; § 89 a Abs. 1 HGB; § 89 a Abs. 2 HGB; § 89 b Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 HGB
Stichworte
- elektronische Komponenten für Nachrichten- und Satellitentechnik -; wichtiger Grund; Nichterteilung eines Buchauszugs; Industrievertreter; AA des HV; wichtiger Grund; Weigerung der Erstellung eines Buchauszugs; Mitursächlichkeit für Neukundenwerbung; Geschäftsabschluss; geringe Anforderungen; Mann der ersten Stunde; Anscheinsbeweis für die Neukundenwerbung; Vorbereitungshandlung; keine Offenbarungspflicht für die Absicht des HV, nachvertraglich in Wettbewerb zum U zu treten; nachvertragliche Wettbewerbstätigkeit
Anmerkung


Vorinstanz LG Konstanz,
18.10.2013 - 8 O 9/09 KfH -; der Senat hat die Revision nicht zugelassen, die für die Entscheidung des Senats maßgeblichen Rechtsfragen seien in der obergerichtlichen Rechtsprechung geklärt;

zu LS 1 vgl.
OLG Dresden, 29.02.1904 LS 5 m.w.N.;

zu LS 8 Soweit der Senat davon ausgegangen ist, dass dem HV die Beweislast für das Vorliegen der Eigenschaft als "normaler Kunde" obliegt, kann dem nicht gefolgt werden. Im Streitfall haben die Parteien die nachstehende Abrede getroffen:

[4] Der HV hat Anspruch auf Provision für alle während des Vertragsverhältnisses abgeschlossenen Geschäfte, die auf seine Vermittlungstätigkeit mit den in seinem Vertretungsgebiet ihm zugeteilten dort ansässigen Kunden zustande gekommen sind. Der Provisionsanspruch besteht auch für vom U direkt ohne Mitwirkung des HV mit Kunden in seinem Vertretungsgebiet abgeschlossenen Geschäfte; ausgenommen hiervon sind jedoch solche mit OEM-Kunden.

[5] Als im Vertretungsgebiet ansässig gelten diejenigen Kunden, die dort ihren gewerblichen Sitz oder Filialen haben, welche die Bestellung unmittelbar gegenüber dem U vornehmen oder an die bei Bestellung über eine zentrale Stelle die Auslieferung der Ware durch den U zumindest direkt an die Filiale erfolgt.

[6] Die Provisionszahlungspflicht besteht auch für mit Dritten - ausgenommen OEM-Kunden - abgeschlossene Geschäfte, die der HV als Kunden für Geschäfte der gleichen Art geworben hat. Gleiches gilt für vom U direkt gewonnene Kunden - außer OEM-Kunden -.

[8] OEM-Kunden sind Kunden, die Produkte vom U zwar beziehen, die sie jedoch unter eigener Firma und/oder eigener Produktbezeichnung vertreiben oder installieren.


Da der HVV OEM-Kunden von der Provisionspflicht ausnimmt und der U sich auf die Ausnahmebestimmung berufen hat, dass es sich um OEM-Kunden handele, obliegt dem U nach allgemeinen Regeln die Darlegungs- und Beweislast dafür, dass der Ausnahmetatbestand vorliegt.

zu LS 15 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 a Rzz. 12 ff.;

zu LS 20 - Anforderungen an die Berichte des HV - vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 86 HGB, Rzz. 48 ff.;

zu LS 29 vgl. BGH, 14.04.1983 LS 8 m.w.N.; MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 a Rzz. 64, 65, 66;

zu LS 30 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 a Rzz. 22 ff.;

zu LS 34 vgl. OLG München, 30.06.2016 LS 53 - VOB 1 -;

zu LS 44 vgl. BGH, 04.06.1975 LS 32 m.w.N. - Toto-Lotto Niedersachsen -;

zu LS 45 vgl. OLG Hamm, 06.07.2001 LS 10; OLG Frankfurt/Main, 30.01.2001 LS 13 - Volvo 5 -; LG Berlin, 15.11.1999 LS 15 - Shell 14 -; LG Möchengladbach, 25.03.1993 LS 1 m.w.N.;

zu LS 46 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rz. 62;

zu LS 57 vgl. OLG Köln, 04.11.2011 LS 45 - spanisches Mineralwasser -;

zu LS 67 vgl. Küstner/Thume, HdB-ADR, Bd. II, Kap. VIII Rz. 101, Fn. 137;

zu LS 71 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 89 b Rz. 177;

zu LS 73 vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 b Rzz. 113, 115;

zu LS 85 zur Vorteilsausgleichung vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 a Rz. 90;

zu LS 96 vgl. OLG Frankfurt/Main, 03.11.2016 LS 16 - DVAG 50 -;

zu LS 97 zur Bewertung von Pflichtverletzungen im Rahmen der Vorschrift des § 89 a HGB vgl. MünchKommHGB/v. Hoyningen-Huene, 4.A., § 89 a Rz. 53