LG Berlin, Urteil, 21.12.2017 - 31 O 395/15 - EversOK



Fundstellen
Gesetz
§ 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB; § 80 VAG 2012; § 80 Abs. 5 VAG 2012
Stichworte
- DKV 2 -; - ERGO Beratung und Vertrieb AG -; Anspruch auf Rückzahlung unverdienter Provisionsvorschüsse; Darlegungs- und Beweislast; Stornohaftungzeitraum; unverschuldete Stornierung
Anmerkung
n.rkr.; Az. beim KG: 2 U 5/18;

zu LS 2
vgl. BGH, 13.08.2015 LS 2 - AachenMünchener 5 - Allfinanz Deutsche Vermögensberatung -;

zu LS 5 vgl. OLG Frankfurt/Main, 24.02.1983 LS 9 m.w.N.; Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd I, Kap. V Rz. 503;

zu LS 15 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 87 a Rz. 78; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 92 Rz. 12; die Erwägungen der Kammer treffen den Kern der Sache nicht. Die Ausübung des ordentlichen Kündigungsrechts des VN ist keine vom Inhalt des geschlossenen Geschäfts abweichende Ausführung des selben, weil das vermittelte Geschäft dem VN das Recht vorbehält, den Vertrag durch ordentliche Kündigung zu beenden. Eine abweichende Geschäftsausübung ist erst dann gegeben, wenn der U den VN vor Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist aus dem Vertrag entlässt.

zu LS 24 vgl. Prölss/Martin/Voit, VVG, 30.A., § 205 Rz. 43;

zu LS 28 vgl. Bach/Moser/Kalis, VVG, 5.A., § 193 Rz. 9;

zu LS 37 37.1 Entgegen der Auffassung der Kammer stellt sich durchaus die Frage, ob der vertretene Versicherer, der die Kündigungen durch die Ablehnung der Übernahme des Krankheitsrisikos des Botschafters provoziert hat, die abweichende Ausführung des Geschäfts nicht zu vertreten hat. Dass der Versicherer keinem Kontrahierungszwang unterlag, er also nicht vertragswidrig die Policierung des Krankheitsrisikos des Botschafters verweigert hat, ändert nichts daran, dass er durch die Ablehnung der Policierung für die Stornierung der Krankenversicherungen ursächlich geworden ist.

37.2 Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass dem VV nach dem gesetzlichen Leitbild der Vorschrift des § 87 a Abs. 3 Satz 2 HGB das Risiko der Stornierung zugewiesen wäre. Denn in Frage steht nicht die Abschlussprovision für die nicht policierte Krankenversicherung des Botschafters, sondern die Verteilung des Provisionsrisikos für die übrigen Verträge mit den Botschaftsangehörigen, die wegen der verweigerten Deckung des Krankheitsrisikos des Botschafters storniert worden sind. Das eigene Verhalten einer Partei des HVV liegt auch dann in der Risikosphäre eben dieser handelnden Partei, wenn diese nicht zu einem bestimmten Verhalten verpflichtet ist, es mithin an einem schuldhaften Handeln fehlt.

zu LS 39 vgl. Palandt/Grüneberg, BGB, 76.A., Einl. v. § 241 Rz. 4;

zu LS 46 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 86 a Rz. 46; Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd. I, Kap. IV Rz. 91;

zu LS 47 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 86 a Rz. 49; Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd. I, Kap. IV Rz. 91; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 10;

zu LS 48 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 86 a Rz. 10;

zu LS 50 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 92 Rz. 12; Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd. I, Kap. V Rz. 512; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 20;

zu LS 52 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd. I, Kap. V Rz. 515;

zu LS 57 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd. I, Kap. V Rz. 515;

zu LS 63 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 92 Rz. 12; Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 24;

zu LS 64 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 22;

zu LS 68 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd. I, Kap. V Rz. 515;

zu LS 80 vgl. LG Bielefeld, 03.05.1984 LS 4; AG Köln, 13.07.2015 LS 14; Flohr/Wauschkuhn/Sperling, Vertriebsrecht, 2.A., § 92, HGB, Rz. 39; richtigerweise wird man in der Schadenversicherung aber eine Klageobliegenheit des VU anzunehmen haben, weil es - anders als im Lebensversicherungsgeschäft - keine sachliche Rechtfertigung dafür gibt, die Prämien- oder Beitragsklage in der Sachversicherung für unzumutbar anzusehen (OLG Frankfurt/Main, 18.12.1984 LS 6, 7 m.w.N.; OLG Frankfurt/Main, 21.05.1999 LS 19), so dass nur außerhalb der Risikoversicherung davon auszugehen ist, dass dem VU die Beitragsklage nicht unzumutbar ist;

zu LS 84 vgl. Franz/Steiner, VersR 12, 1333, 1334;

zu LS 85 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rzz. 48 und 18; Franz/Steine, VersR 12, 1333, 1334;

zu LS 86 vgl. Fahr/Kaulbach/Bähr/Pohlmann, VAG, 5.A. § 80 VAG Rz. 12 zu § 80 Abs. 5 VAG 2012; Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, 5.A., Bd . II, Kap. VI Rz. 184;

zu LS 87 vgl. Franz/Steiner, VersR 12, 1333, 1337; Baroch Castellvi, r+s 13, 53, 57 f.;

zu LS 89 vgl. Fahr/Kaulbach/Bähr/Pohlmann, VAG, 5.A. § 80 VAG Rz. 12 zu § 80 Abs. 5 VAG 2012; Franz/Steine, VersR 12, 1333, 1334; Laars/Booth, VAG, 4.A. § 49 Rz. 2 zu § 49 VAG 2016;

zu LS 91 vgl. Franz/Steiner, VersR 12, 1333, 1337; Baroch Castellvi, r+s 13, 53, 57 ff.;

zu LS 93 vgl. Franz/Steiner, VersR 12, 1333, 1336; Baroch Castellvi, r+s 13, 53, 58;

zu LS 95 vgl. Franz/Steiner, VersR 12, 1333, 1336;

zu LS 96 vgl. Fahr/Kaulbach/Bähr/Pohlmann, VAG, 5.A. § 80 VAG Rz. 12 zu § 80 Abs. 5 VAG 2012; Nomos-BR/Reinhard Laars/David Both, 4.A., VAG § 146 Rz. 2 zu § 146 VAG 2016;

zu LS 98 vgl. Franz/Steiner, VersR 12, 1333, 1339;

zu LS 99 vgl. a.A. Evers, VW 4/18, 72; vgl. ferner aber auch Anm. 9.2 zu OLG Stuttgart, 12.03.1976;

zu LS 100 vgl. Franz/Steiner, VersR 12, 1333, 1341 f.;

zu LS 101 101.1 Zweck des § 80 Abs. 5 VAG 2012 ist es, Anreize zu verhindern, Kunden in den ersten Jahren der Laufzeit einer Krankenvollversicherung einen Versichererwechsel zu empfehlen, um dadurch zusätzliche Provisionen zu erwirtschaften. Der Gesetzgeber hält die lange Stornohaftung insbesondere dann nicht für angebracht, wenn der Vertrag infolge des Eintritts der Versicherungspflicht gekündigt wird.

101.2 Geht ein Versicherungsvertrag vor Eingang der 60. Monatsprämie unter, ohne dass dazu ein Anreiz für einen Neuabschluss gesetzt worden wäre und hat der VV den VN vor allem auch einwandfrei beraten, ist nicht nachzuvollziehen, warum die Provision pro rata temporis gekürzt werden muss (Franz/Steiner, CCZ 12, 211, 213; sowie dies., VersR 12, 1333, 1335). Jedenfalls hat die zum Gesetz gewordene Fassung der Norm des § 80 Abs. 5 VAG 2012 keine angemessene Risikoverteilung unter den Beteiligten erreicht in allen Fällen, in denen Stornierungen durch andere Ursachen veranlasst werden als die Bemühung um eine Umdeckung der betroffenen Verträge. Deshalb erscheint eine teleologische Reduktion der Norm des § 80 Abs. 5 VAG 2012 ihrem Zweck entsprechend geboten, soweit ihre Anwendung nicht dazu führt, vorhandenen Anreizen einer provisionsgetriebenen Umdeckung entgegen zu wirken. Deshalb hätte die Kammer im Wege der teleologischen Reduktion schließen müssen, dass eine Anwendung der Norm nicht geboten ist, weshalb sie auch die vereinbarte Haftungszeit von 12 Monaten für diese Stornierungen hätte zugrunde legen müssen.

zu LS 106 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 89 b Rz. 16;

zu LS 107 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 89 b Rz. 27;

zu LS 108 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 89 b Rz. 11;

zu LS 109 vgl. Röhricht/Graf v. Westphalen/Haas/Thume, HGB, 5.A., § 89 b Rz. 173 a;

zu LS 110 vgl. Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, 5.A., Bd. II, Kap. VI Rz. 188;

zu LS 111 vgl. Küstner/Thume/Riemer, HdB-VertR, 5.A., Bd. II, Kap. VI Rz. 188;

zu LS 113 vgl. Küstner/Thume, HdB-VertR, 5.A., Bd. II, Kap. XX Rz. 184;

zu LS 117 vgl. Daum, VersR 14, 1430, 1431 f.;

zu LS 119 vgl. Ebenroth/Boujong/Joost/Strohn/Löwisch, HGB, 4.A., § 92 Rz. 8;

zu LS 121 vgl. MünchKommBGB/Schlüter, 8.A., § 388 Rz. 1;

zu LS 124 - Rückgriff auf die Grundsätze für das sofortige Anerkenntnis im Rahmen des § 93 ZPO - vgl. Musielak/Voit/Flockenhaus, ZPO, 14.A. § 91 a Rz. 23;

zu LS 125 vgl. Baumbach/Hopt, HGB, 38.A. § 87 c Rz. 17; nunmehr a.A. Baumbach/Hopt, HGB, 39.A. § 87 c Rz. 17;

zu LS 126 vgl. Staub/Emde, HGB, 5.A., § 87 c Rz. 126;

zu LS 130 vgl. Musielak/Voit/Heinrich, ZPO, 16.A. § 3 Rz. 24, Stichwort: Buchauszug; Staub/Emde, HGB, 5.A., § 87 c Rz. 173